Fluglärm : Hörproben am Schwielowsee geplant

Bund und Land streiten über Aufnahme der Havelsee-Gemeinden in die Fluglärmkommission. Laut Lothar Wiegand, Sprecher des Landesinfrastrukturministeriums, sei das Gremium sei schon jetzt „am Rande der Arbeitsfähigkeit“.

Hagen Ludwig
Staatlich anerkanntes Erholungsgebiet. Quer über den Schwielowsee zwischen den Orten Ferch (im Vordergrund) und Caputh soll eine zentrale Anflugroute für den künftigen Großflughafen Schönefeld führen.
Staatlich anerkanntes Erholungsgebiet. Quer über den Schwielowsee zwischen den Orten Ferch (im Vordergrund) und Caputh soll eine...Foto: Lutz Hannemann

Potsdam-Mittelmark/Berlin - Wie laut ist ein Flugzeug über dem Schwielowsee tatsächlich zu hören? Diese Frage soll Mitte August durch Hörtests mit Messgeräten der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Werder (Havel) und in der Gemeinde Schwielowsee geklärt werden, kündigte die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltamt, Katherina Reiche (CDU), gestern gegenüber den PNN an. Dabei soll der Lärm verschiedener Maschinentypen in unterschiedlichen Höhen gemessen werden, um daraus Rückschlüsse auf die Belastung durch den künftigen Großflughafen Schönefeld zu ziehen.

Wie berichtet soll die zentrale Zuführung in den Westanflug laut aktuellen Plänen der DFS über die Gemeinden Werder, Schwielowsee und Michendorf gelegt werden. Unter anderem werden Flüge im Minutentakt in nur 1000 Meter Höhe quer über den Schwielowsee zwischen den Ortsteilen Caputh und Ferch befürchtet. Dagegen laufen die Vertreter der Kommunen und die Bürgerinitiative „Fluglärmfreie Havelseen“ seit Monaten Sturm. Am gestrigen Freitag lehnte Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) indes einen Vorschlag des Bundesverkehrsministeriums ab, die Fluglärmkommission zu vergrößern und endlich auch Vertreter der Gemeinden Werder (Havel), Schwielowsee, Michendorf und Nuthetal aufzunehmen. Nur so könne die Akzeptanz des Airports in Schönefeld erhöht werden, argumentierte Bundesstaatssekretetär Klaus-Dieter Scheurle in einem Brief an Vogelsänger. Die Fluglärmkommission könne ihr „Ziel, den bestmöglichen Kompromiss für die Gesamtheit der Betroffenen zu identifizieren“, nicht erreichen, wenn sich einzelne Regionen kein Gehör verschaffen könnten. Scheurle hatte sich zuvor zweimal mit Vertretern der Region Havelseen getroffen. Dabei hatten ihn die Bürgermeister gebeten, sie beim Kampf um die Aufnahme in die Kommission zu unterstützen.

„Wir werden keine weiteren Mitglieder aufnehmen“, dämpfte indes der Sprecher des Landesinfrastrukturministeriums, Lothar Wiegand, gegenüber den PNN alle Hoffnungen. Das Gremium sei schon jetzt „am Rande der Arbeitsfähigkeit“. Im Zuge der Lärmdebatte war es von 17 auf mehr als 40 Mitglieder erweitert worden. Zudem würden die Interessen der Havelsee-Gemeinden bereits durch den mittelmärkischen Landrat in der Kommission vertreten, was auch funktioniere, so Wiegand. Nicht zuletzt seien eindeutige Kriterien für die Aufnahme in die Kommission festgelegt worden. „Die Kommunen müssen weniger als 25 Kilometer von Schönefeld entfernt liegen und von Abflügen in einer Höhe von unter 2000 Metern betroffen sein. Daran wollen wir festhalten“, erklärte Wiegand. Zudem sollte sich die Politik nicht in laufende Verwaltungsverfahren einmischen, so der Sprecher.

Bundesstaatssekretärin Reiche meldete gestern sofort Protest an. „Ich kann der Landesregierung nur empfehlen, den vom Bund vorgegebenen Kurs auf Transparenz, Offenheit und Einbeziehung aller Beteiligten aufzunehmen“, so die CDU-Politikerin. Nur so werde man zu einer Entscheidung kommen, die für möglichst viele Betroffene akzeptabel sei.

Die Bürgermeisterin der Gemeinde Schwielowsee, Kerstin Hoppe (CDU), zeigte sich gestern enttäuscht von der Absage aus dem Infrastrukturministerium des Landes. „Wir zählen zu den Hauptbetroffenen. Es ist schade, dass das Landesministerium so dogmatisch an den einmal festgelegten Kriterien festhält und die Lärmbelastung durch die Anflüge vernachlässigt“, so Hoppe. Die Kommission werde über die aktuelle Diskussion hinaus auch in den kommenden Jahren wichtige Aufgaben zu erfüllen haben, wenn es um Lärmschutz für die Anrainer gehe, so Hoppe. Für den Landrat sei es jedoch schwierig, die differenzierten Interessen aller Kommunen gleichzeitig zu vertreten. Von der Landesregierung fühlen sich die die Bürgermeister der Havelsee-Gemeinden nicht verstanden und suchen deshalb weiterhin Unterstützung beim Bund. Am 9. August haben Hoppe und ihr Werderaner Amtskollege Werner Große (CDU) den nächsten Termin bei Staatssekretär Scheurle.