Flucht aus der Ukraine : Aus Kiew nach Kleinmachnow

Die Gorki-Schule unterrichtet 20 Kinder aus der ukrainischen Partnerschule. Insgesamt hat Potsdam-Mittelmark bisher 2200 Geflüchtete aufgenommen. 

Die Flüchtlingshilfe der Evangelischen Auferstehungs-Kirchengemeinde Kleinmachnow greift geflüchteten Menschen unter die Arme. 
Die Flüchtlingshilfe der Evangelischen Auferstehungs-Kirchengemeinde Kleinmachnow greift geflüchteten Menschen unter die Arme. Foto: Andreas Klaer

Kleinmachnow - 2200 Geflüchtete aus der Ukraine sind bislang im Landkreis Potsdam-Mittelmark untergekommen. Unter ihnen sind fast 800 Minderjährige. „Da stellt sich bei uns natürlich die Frage der Betreuung“, sagte Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert den PNN am Dienstag. Je jünger die Kinder, desto schwieriger: Denn Kita-Plätze seien im Landkreis rar. „Wir sind mit verschiedenen Kita-Trägern im Gespräch.“ Größtes Problem: Meist stehe die nötige Erstuntersuchung noch aus.

Nur etwa 30 der vor dem Krieg in der Ukraine Geflüchteten seien kommunal untergebracht, die meisten von ihnen in der Gemeinschaftsunterkunft „Haus Polygon“ . Der Rest sei privat untergekommen, so Schwinzert. Um private Helfer zu entlasten, sollen im Schloss Schmerwitz in Wiesenburg deshalb noch im April 40 bis 50 Plätze für Geflüchtete entstehen. Und im größeren Haus laufen die Vorbereitungen für rund 150 weitere Plätze ab Juli. „Die Hilfsbereitschaft war und ist weiterhin enorm“, sagte Schwinzert.

Noch im April sollen im Schloss Schmerwitz 40 bis 50 Geflüchtete unterkommen und so private Helfer entlastet werden.
Noch im April sollen im Schloss Schmerwitz 40 bis 50 Geflüchtete unterkommen und so private Helfer entlastet werden.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Gemeinde Kleinmachnow hat besonders viele Geflüchtete aufgenommen. Allein 345 Menschen sind nach Angaben des Kreises hier seit Kriegsbeginn Ende Februar untergekommen. Eine, die sich stark engagiert hat, ist Friederike Linke. „Es hat sich sehr schnell ein Netzwerk aufgebaut, in dem Menschen private Unterkünfte angeboten haben“, sagte die Vorsitzende des Vereins „Begegnungsstätte Alte Schule Kleinmachnow“. „Familien sind wirklich eng zusammengerückt.“

Aufruf der Maxim-Gorki-Gesamtschule

In Kleinmachnow stehen viele Einfamilienhäuser. Viele Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde verfügen über den nötigen Platz und die finanziellen Mittel, um Geflüchteten eine Unterkunft anbieten zu können.

Vor allem aber sorgte ein Aufruf der Maxim-Gorki-Gesamtschule dafür, dass Geflüchtete schnell eine Unterkunft gefunden haben. Die Bildungseinrichtung hat eine Partnerschaft mit einer Schule in Kiew. Am Tag des Angriffs des russischen Militärs fragte sie bei ihrer Partnerschule in der ukrainischen Hauptstadt nach, wie geholfen werden kann. Kurze Zeit später kamen die ersten Geflüchteten aus Kiew nach Kleinmachnow – teils wurden sie von Helfern an der Grenze abgeholt.

Friederike Linke, Vorsitzende des Vereins „Begegnungsstätte Alte Schule Kleinmachnow“.
Friederike Linke, Vorsitzende des Vereins „Begegnungsstätte Alte Schule Kleinmachnow“.Foto: privat

Mehr als 20 Kinder und Jugendliche aus Kiew hat die Schule bereits in die siebte bis elfte Schulklasse integriert. Sie starten nach Angaben der Gemeinde in den normalen Klassen, sollen dann bald aber eine eigene Lerngruppe bilden. Der Vorteil der Schülerinnen und Schüler: Sie hatten bereits an ihrer Schule in Kiew Deutsch auf dem Lehrplan. 

Förderungsangebote werden aufgebaut

„Die Kinder unter sich haben kaum Probleme“, sagte Schuldirektorin Petra Dziewulski. Im Unterricht sei das schwieriger. Da träten Sprachbarrieren auf – gerade in Fächern wie Deutsch oder Fremdsprachen. Um die Probleme zu mindern, hat die Kleinmachnower Schule die stellvertretende Schulleiterin der Kiewer Schule angestellt. „Ihr Arbeitsvertrag ist unterschrieben. Sie startet morgen“, so Dziewulski.

Insgesamt sind 50 Kinder in den drei Grundschulen der Gemeinde untergebracht worden, so Gemeindesprecherin Martina Bellack. „Zunächst wurden sie in die regulären Klassen integriert. Wir sind dabei, Förderungsangebote aufzubauen.“ Für jede Schule sei eine ukrainische Ortskraft zur Unterstützung eingestellt worden. Die Bezahlung erfolge noch aus dem Fonds für Vertretungslehrer, soll aber bald vom Landesschulamt übernommen werden.

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Auch bei der Unterbringung der Kitakinder zeigt sich Kleinmachnow konstruktiv: „Im Kita-Bereich haben wir Bedarf für etwa 40 Kinder. Mit Stand heute haben wir in Krippe und Kindergarten 16 Anträge“, so Bellack. Neun Kinder gingen bereits in Kindergärten. Für die Horte seien 19 Anträge gestellt worden, Acht Kinder besuchten bereits entsprechende Einrichtungen. „Für die noch offenen Verträge fehlen im Regelfall noch die übersetzten Meldebescheinigungen.“ Problematisch sei weniger die Raumunterbringung als vielmehr das Personal, so Bellack. „Wir freuen uns daher auch über Geflüchtete mit einer vergleichbaren Fachausbildung.“

Die neuen Kinder sind offen und neugierig

Für den Kita-Verbund in Kleinmachnow ist die Aufnahme von Kindern mit anderen Herkunftssprachen „kein Neuland“, sagte Leiterin Susanne Feser. „Im letzten Jahr hatten wir Kinder mit 25 unterschiedlichen Herkunftssprachen.“ Und wie gelingt die Verständigung der Kleinen untereinander? „Wir Erwachsenen sind solche Kopfmenschen“, sagte Feser. Kinder machten viel über Gestik und Mimik. „Zeigen, lachen.“ Die Neulinge seien offen und neugierig. Traumatische Folgen seien bislang nicht erkennbar gewesen. Aber, sagt Feser, „das kann auch später noch auftreten. Da müssen wir die Augen offen halten“. Im Verbund gebe es zudem zwei Kinderschutzfachkräfte. „Die können wir bei Bedarf anrufen.“

Für die Erwachsenen bietet die Kreisvolkshochschule Potsdam-Mittelmark gemeinsam mit dem Begegnungscafé Kleinmachnow Deutschkurse an. Das Haus soll montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr ein Ort des Austauschs sein.

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