Potsdam-Mittelmark : Flieger-Kreuzung über Erholungsorten befürchtet

Bürgerinitiative gegen Fluglärm jetzt auch in Werder (Havel) und Schwielowsee

Werder (Havel) - Auch in Werder und Schwielowsee soll jetzt eine Bürgerinitiative gegen drohenden Fluglärm gegründet werden. Der Name steht schon fest: „Fluglärmfreie Havelseen BI Werder/Schwielowsee“. Am 4. November soll um 18.30 Uhr im Fährhaus Caputh die Gründungsversammlung stattfinden. Unter www.fluglaermfreie-havelseen.de wurde bereits eine Internetpräsenz eingerichtet. Die Anfang September bekannt gewordenen neuen An- und Abflugrouten für den BBI Schönefelds haben auch in den beiden Staatlich anerkannten Erholungsorten für Protest gesorgt. Wie berichtet, hatte die Deutsche Flugsicherung (DFS) vor kurzem ausdrücklich bestätigt, dass die Region in der Einflugschneise liegen soll. Anflüge auf den BBI sollen über Werder (Havel) in einer Höhe ab 1 000 Metern erfolgen.

In einer Flugblattaktion wird jetzt zum Widerstand aufgerufen. Bisher habe noch fast niemand überhaupt zur Kenntnis genommen, was der Region bevorstehe, erklärte Rechtsanwalt Peter Kreilinger, einer der Initiatoren der Bürgerinitiative. „Ausgerechnet über unseren Kommunen sollen gleichzeitig von Osten her Abflüge und vor allem von Nordwesten her Landeanflüge stattfinden, so dass wir zu einer Art Kreuzung werden“, so Kreilinger. Zudem drohe der Region dabei eine Landeschleife – das heißt, die Flugzeuge würden aus Nordwest direkt über Werder und den Schwielowsee drehen, um Richtung Landebahn zu kommen. „Deshalb drohen uns Überflüge in nur 1000 Metern Höhe und eine praktisch ununterbrochene Dauerlast“, erklärte Kreilinger. Man könne nur hoffen, dass die DFS, die bislang keine offiziellen Anflugrouten veröffentlicht hat, von solchen Plänen Abstand nehme und den Schutzbedarf der Zentren von Werder und Schwielowsee erkenne. „Denn in so großer Entfernung von BBI wie Schwielowsee und Werder liegen, gibt es auch bei den Anflugverfahren sehr große Gestaltungsspielräume“, so Kreilinger.

Der drohende Fluglärm sei für den Tourismus absolut schädlich“, erklärte auch Anja Kaie aus Caputh, Vorstandsmitglied beim Tourismusverein Schwielowsee. Man müsse insbesondere sehen, dass es für Schönefeld kein wirksames Nachtflugverbot gebe. Die Nacht dauere nach der Definition der BBI-Planer ohnehin nur von 0 bis 5 Uhr, was einem normalen Mensch zum Schlafen offensichtlich nicht reichen würde. Selbst in dieser Zeit werde es noch Flüge geben.

Erstes Kernziel der Initiative soll die Unterstützung der Bemühungen der beiden Kommunen um einen offiziellen Sitz in der BBI-Lärmschutzkommission sein. Von Infrastrukturminister Rainer Bretschneider wurde das gestern abgelehnt (siehe Beitrag links). Nach Ansicht der Initiatoren müsste zudem Flugverkehr von und nach Norden hauptsächlich schon östlich von Berlin oder von Wannsee aus direkt nach Norden geführt werden. Insbesondere die schallspiegelnde Wirkung der Havelseen sei bisher überhaupt noch nicht berücksichtigt worden. ldg