Filmemacher aus Stahnsdorf : Der Macher von Moviemachnow

Warum der 19-jährige Filmemacher Finnegan Godenschweger aus Stahnsdorf junge Kreative in den Kammerspielen zusammenbringt.

Kamera läuft. Finnegan Godenschweder aus Stahnsdorf drehte seinen ersten Kurzfilm mit 18 Jahren, jetzt hat er Abitur an der Kleinmachnower Waldorfschule gemacht und will versuchen, sich besser mit der Filmbranche zu vernetzen.
Kamera läuft. Finnegan Godenschweder aus Stahnsdorf drehte seinen ersten Kurzfilm mit 18 Jahren, jetzt hat er Abitur an der...Foto: Andreas Klaer

Stahnsdorf - Das Rad abgestellt, die Kamera aus dem Rucksack geholt, das Mikro angesteckt – der junge Stahnsdorfer Finnegan Godenschweger beginnt zu drehen. Kurzfilme sind es bisher. Über soziale Medien wie Facebook oder Instagram vernetzt sich der Stahnsdorfer mit anderen jungen Filmemachern zum Filmeproduzieren. Er reist dafür durch ganz Deutschland. Jetzt will er die Quellen vor Ort anzapfen.

Moviemachnow heißt die Veranstaltung, die der ehemalige Schüler der Kleinmachnower Waldorfschule in den Neuen Kammerspielen jüngst auf die Beine gestellt hat. Er habe für das kommunale Kino einen Trailer gedreht, erzählt der 19-Jährige. Als Dank wurde ihm von der Kinoleitung angeboten, den Kinosaal einen Abend lang ganz exklusiv nutzen zu dürfen. „Die dachten wahrscheinlich, dass ich mit ein paar Freunden dort Filme anschaue“, sagt der blondhaarige Junge und lacht. Filme wurden geschaut, aber zum Gucken kamen nicht nur Freunde. Finnegan Godenschweger zog das Angebot professionell auf.

In kürzester Zeit kontaktierte er andere junge Filmemacher im Alter von 17 bis Anfang 20 Jahren aus der Region und bot ihnen an, ihre Filme einem interessierten Publikum auf großer Leinwand vorzuführen. Sie sagten zu, neben den jungen Kreativen kamen Eltern, Unterstützer und weitere Zuschauer. Bis zu 50 Gäste kamen zur Auftaktveranstaltung. Aufgrund der Kürze der Zeit seien einige interessierte Filmemacher, einige davon auch aus Kleinmachnow, gar nicht mit im Boot gewesen. Das will Finnegan Godenschweger aber nachholen. Im Herbst ist ein weiterer Termin in der neuen Reihe Moviemachnow geplant.

Filme machen, statt nur zu sehen

Über so viel ehrenamtliches Engagement kann Valeska Hanel, die Kinoleiterin der Kammerspiele nur staunen. „Ich finde es großartig, dass Jugendliche nicht nur ins Kino finden, sondern auch Kino machen.“ Und dass ihr Haus für die Kleinmachnower Kammerspiele künftig ein Ort sei, an dem Nachwuchstalente zusammenkommen, passe gut in ihr Konzept. Hanel plant parallel ein größeres Angebot für Kinder und Jugendliche zu schaffen: So sei ein Filmfestival für Kinder und Jugendliche im Gespräch, auch Workshops zum Thema Film- und Bildsprache seien mit Schulen geplant. „Viele Ideen, wenig Zeit“, bilanziert Hanel. Umso zufriedener ist sie, dass sie Unterstützung von außen bekommt. Gerade Kleinmachnow ist ein Ort, in dem historisch wie auch heute viele Künstler leben, die derartige Projekte von jungen Kreativen gerne unterstützen.

Die ersten Filme von Finnegan Godenschweger entstanden während eines Austauschjahres in Neuseeland. Mit 18 habe er seinen ersten Kurzfilm im Rahmen einer Projektarbeit an der Schule gedreht, geschrieben, geschnitten. „Danach war mir klar, dass Regie und Drehbuch nicht meins sind.“ Für seinen Kurzfilm „Weg vom Fenster“, einer Adaption einer Kurzgeschichte von Wolfgang Borchert hat der Filmemacher den zweiten Preis des Landesfilmfestivals Berlin-Brandenburg bekommen, für einen weiteren Kurzfilm erhielt er den Preis für die beste Kamera.

Viele Reisen und wichtige Kontakte

Der junge Filmemacher lächelt, er ist viel unterwegs, arbeitet viel. Das Kameraequipment habe er sich gebraucht zusammengekauft, mit ersten Aufträgen – Mitschnitten von Konferenzen – komme etwas Geld rein. Den Bezug zum Film hatte er schon früh, seine Mutter ist Schauspielerin und Synchronsprecherin. Gestern war er noch in Köln – dort dreht er mit einer kleinen Crew an einem Kurzfilm – demnächst geht es nach Dortmund. Auf dem jungen Medienfestival „Feedback“ wird einer seiner Filme zur Eröffnung gezeigt. Man merkt ihm an, dass er stolz ist auf seine ersten Schritte im Filmbusiness. Er weiß aber auch, wie schwer das Geschäft ist, wie viel Selbstaufgabe dahintersteckt. „Und wie wichtig es deshalb ist, viele gute Kontakte zu haben.“

Die ersten hat er bereits geknüpft – nicht nur in der Region. Bald beginnt er ein Praktikum bei einem renommierten Verleiher von Kameraausrüstungen in Berlin. Danach sehe er, was kommt, sagt der junge Kreative und radelt mit der Kamera im Rucksack davon.