Potsdam-Mittelmark : Familientreffen auf der Knesebeckbrücke

Nach langen Mühen konnten Nachfahren des ehemaligen Landrats Namensschild in Teltow enthüllen

Kirsten Graulich

Teltow - Etwas nachgebessert werden mussten die vorgestanzten Bohrungen für die Gedenktafel zwar noch, die am Samstag an der Teltower Knesebeckbrücke montiert wurde. Aber das war nur eine kleine Hürde im Vergleich zu den vorangegangenen. Denn viele Hindernisse standen dem Wunsch des Familienverbandes von dem Knesebeck im Weg, an ihren Vorfahren Leo von dem Knesebeck mit einer Bronzetafel an der nach ihm benannten Brücke zu erinnern.

So fühlte sich anfangs keine Behörde für die Brücke zuständig, die über dem Teltowkanal die Städte Berlin und Teltow verbindet. „Es war wie eine Rallye durch die Instanzen“, berichtete der Chef des Familienverbandes, Wedig von dem Knesebeck. Erst im Teltower Bauamt habe er für seine Bitte Verständnis gefunden. In Teltow hatte sich inzwischen auch der Heimatverein mit der Vita des ehemaligen Rittergutsbesitzers und Landrates beschäftigt, der 1808 in Neuruppin geboren wurde und 1883 auf seinem Jühnsdorfer Gut starb. Knesebeck hatte in seiner Amtszeit die Herausgabe des „Teltower Kreisblattes“ angeregt, ebenso geht der Bau mehrerer Chausseen im Landkreis Teltow auf ihn zurück und die Gründung der Teltower Kreissparkasse. Zu erfahren war auch, dass er drei Töchter und vier Söhne hatte. Die zweijährige Charlotte Lohmann aus Hamburg, die mit staunenden Augen der Tafeleinweihung zusah, gehört zur dritten Nachfolge-Generation der Knesebecks. Sie war die Jüngste beim samstäglichen Familientreffen, zu dem rund 25 Mitglieder gekommen waren. Auch aus Amerika war ein Mitglied angereist, andere aus Göttingen, Rostock, Hamburg und Ostfriesland.

Etwa 160 Mitglieder zählt der Familienverband der Knesebecks, in dem mindestens drei Vornamen üblich waren. So gilt Leo Wilhelm Robert Karl von dem Knesebeck als Namensgeber der Knesebeckbrücke und einer Straße in Zehlendorf. Dagegen gehen die Knesebeckstraßen in Charlottenburg und in Lichterfelde auf den Generalfeldmarschall Carl Friedrich von dem Knesebeck zurück, einem Onkel Leos.

Über Leo ist bekannt, dass er im 1.Garderegiment in Potsdam diente und es später bis zum Major brachte, wie der Grabinschrift auf dem Jühnsdorfer Besitz zu entnehmen ist. Seinerzeit war es üblich, dass sich die preußische Provinzverwaltung vorwiegend aus dem Landadel rekrutierte. Seine Sporen musste sich der spätere Amtsträger zuvor meist als Referendar verdienen. Besonders wichtig aber war Loyalität zum Herrscherhaus, dass die Ernennung bestätigen musste. Doch ein Bericht des Landrates widersprach offenbar der Krone, wie aus einem Schreiben vom 20.12.1857 hervorgeht. Darin wird der „Teltower Landrat durch den Regierungspräsidenten Potsdams wegen offener Berichterstattung über den Unmut der Bevölkerung scharf gemaßregelt“, heißt in einem Buch von Rudolf Stöber (Die erfolgverführte Nation). Denn der Landrat zeigte Einfühlungsvermögen gegenüber den Einwohnern seines Kreises. Diese hatten sich beklagt, dass die Holzverteilung ungerecht ablaufe und hatte zudem offene Sympathie für die Ideale der Revolution von 1848 gezeigt. Damit hatte er wohl die Toleranzgrenze der preußischen Monarchie überschritten. Er folgte auch nicht der Forderung des Regierungspräsidenten, seinen Amtsitz von der Teltower Ritterstraße nach Berlin zu verlegen. 1862 zog er sich auf sein Gut zurück, sein Nachfolger im Amt wurde sein Schwiegersohn Ernst von Gayl. Kirsten Graulich