Erweiterte Notbetreuung in Potsdam-Mittelmark : Erste Kitas sind bereits am Limit

Je mehr Kinder kommen, umso schwerer ist die Betreuung in Kleingruppen möglich. Auch werden Eltern je nach Wohnort für die Notbetreuung zur Kasse gebeten.

In der Mittelmark nehmen immer mehr Eltern die erweiterte Notbetreuung für ihre Kinder in Anspruch.
In der Mittelmark nehmen immer mehr Eltern die erweiterte Notbetreuung für ihre Kinder in Anspruch.Foto: Christoph Soeder/dpa

Potsdam-Mittelmark - Es gleicht einem Flickenteppich: Je nachdem in welcher mittelmärkischen Kommune eine Familien wohnt, wird sie für ihre Kinder in Notbetreuung zur Kasse gebeten oder nicht. So hat Stahnsdorf am Dienstagabend  beschlossen, die Beiträge für alle Eltern für April und Mai zu erlassen, auch das Essensgeld muss nicht gezahlt werden. Stahnsdorf lässt sich das rund 38.000 Euro kosten. Das ist die Differenz zu den vom Land übernommenen Kosten. 

Das Land fördert bisher nur die Beitragsfreiheit für Eltern, die keine Notfallbetreuung in Anspruch nehmen. Gesichert werden soll dadurch, dass das Kitapersonal weiterhin bezahlt wird, unabhängig ob das Personal arbeitet oder nicht. Für die Kommunen stellte das Land dafür im April 14 Millionen Euro bereit. 

"Solidarisch" mit Eltern aus systemrelevanten Berufen

Für Eltern aus Werder (Havel) wird die Einziehung der Kita- und Essengeldbeiträge für April und Mai ebenfalls zunächst ausgesetzt. Auf der nächsten Sitzung der Stadtverordneten, voraussichtlich Ende Mail, soll darüber endgültig entschieden werden. Ausgesetzt sind die Beiträge auch in Beelitz, dort müssen Eltern jedoch weiterhin Essensgeld bezahlen. Wie viel der Beitragserlass die beiden Kommunen kostet, wird noch berechnet.

In Nuthetal wiederum sind die Elternbeiträge und das Essensgeld für alle Eltern bisher nur im April ausgesetzt. In Teltow und Michendorf will man noch prüfen, ob Eltern für die Notbetreuung zahlen sollen oder nicht. Schwielowsee hingegen folgt der Landeslinie. Eltern müssen dort für die Notbetreuung zahlen. Auch wenn man im Rathaus hofft, dass das Land die Kosten für die Notbetreuung erweitert. Die Werderaner Rathausspitze hat ihre Forderung an das Land wiederholt, den Kommunen bei den fehlenden Einnahmen für die notbetreuten Kinder zu helfen. 

Hintergrund einer Beitragsbefreiung für Kinder in Notbetreuung ist, sich mit ihren Eltern, die an "vorderster Front in der Coronakrise" stehen - zum Beispiel Polizisten, Krankenschwestern, Kassiererinnen, Ärzten oder Pflegekräften - solidarisch zu zeigen. 

Unterdessen nehmen seit Montag in der Mittelmark immer mehr Eltern die erweiterte Notbetreuung für ihre Kinder in Anspruch. In vielen Kommunen werden doppelt so viele Kinder wie bisher notbetreut. Aufgrund des variablen Betreuungsbedarfs sind viele Kitas bisher nicht voll ausgelastet, jedoch könnte es mit weiteren Anträgen zu Platzproblemen kommen. Denn nach den neuen Regeln dürfen Kinder nur noch in Kleingruppen betreut werden. 

Werder und Nuthetal fürchten Platzprobleme in den Kitas

Zu einem Problem könnte das in Werder (Havel) werden: Dort sind mittlerweile wieder 565 Kinder zurück in den Kitas. Drei Kitas der Stadt haben bereits ihre Kapazitätsgrenze erreicht. „Aktuell können die Anforderungen der Notbetreuung noch eingehalten werden“, so Stadtsprecher Henry Klix. Jedoch würden viele anspruchsberechtigte Eltern bisher keinen Antrag stellen, sondern die Betreuung anders organisieren. Die Zahl aller Anspruchsberechtigten würde nach Rathausinformationen allerdings deutlich über 50 Prozent der Kapazität der Einrichtungen in Nicht-Corona-Zeiten liegen. 

„Sollten alle anspruchsberechtigten Eltern Notbetreuung beantragen, sind die gesetzlichen Anforderungen und zusätzlichen Hygienestandards nicht mehr zu erfüllen“, so Klix. Die Stadt habe bereits das Gesundheitsamt darüber informiert. 

In Nuthetal drohen Engpässe

Platzprobleme könnte es auch in Nuthetal geben, obwohl sich die Zahl der zu betreuenden Kinder bisher nur um 35 auf 106 erhöht hat. Jedoch wird mit weiteren Anträgen gerechnet: „Es kann dann zu Engpässen bei der Umsetzung der Einhaltung der Vorgaben zu Gruppengrößen, Personaleinsatz und räumlichen Kapazitäten kommen“, so Hauptamtsleiterin Ilka Fischer. 


In die Höhe geschnellt sind auch die Zahlen in Stahnsdorf: 196 Anträge seien seit Montag eingegangen, mehr als doppelt so viele wie zuvor. Dort rechnet man ebenfalls mit weiteren Anträgen. Da der Betreuungsbedarf aber variiere, seien nur zwischen 40 und 60 Prozent der Kinder zeitgleich in den Kitas. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in Beelitz, dort wurden bisher 60 und jetzt 200 Kinder notbetreut. Verdoppelt hat sich auch die Zahl in Michendorf auf 260 Kinder. In Teltow sind mit aktuell 265 rund 16 Prozent der normalerweise betreuten Kinder in den Kitas der Stadt. Die räumliche Situation sei derzeit ausreichen, so Stadtsprecher Jürgen Stich. 

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