Entwarnung nach Kontrolle : Kein weiteres Gift in Teltower Kita und Hort gefunden

Nachdem im April eine Kita wegen des krebserregenden Giftstoffes Naphthalin in Teltow geschlossen wurde, gibt es jetzt für zwei Einrichtungen Entwarnung.

Entwarnung: Kein Gift in der Teltower Kita "Schatzkiste" und im Hort "Legoland" der Anne-Frank-Grundschule.
Entwarnung: Kein Gift in der Teltower Kita "Schatzkiste" und im Hort "Legoland" der Anne-Frank-Grundschule.Foto: Georg Wendt/dpa

Teltow - Eltern, Kinder und Erzieher können aufatmen: In der Teltower Kita "Schatzkiste" und im Hort "Legoland" der Anne-Frank-Grundschule sind keine Giftstoffe gefunden worden. Das haben umfangreiche Proben ergeben, die bereits Mitte April aus 26 Räumen entnommen wurden und deren Ergebnisse nun vorliegen. Die Eltern der betroffenen Einrichtungen wurden am Mittwoch über die ausgewerteten Laborproben informiert, teilte die Stadt den PNN auf Anfrage mit. 

Nutzung der Räume uneingeschränkt möglich

In der Kita „Schatzkiste“ und in den Horträumen der Anne-Frank-Schule sind weder Naphthalin oder Naphthalin ähnliche Substanzen, noch andere Schadstoffe gefunden worden, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. In beiden Einrichtungen ist laut dem Stahnsdorfer Toxikologen Rainer Macholz „die Nutzung uneingeschränkt möglich“. 

In der bereits im April geschlossenen Kita "Käferland" habe sich „das Vorkommen von Naphthalin und Naphthalin ähnlichen Substanzen oberhalb des zulässigen Richtwertes in der Kita Käferland bestätigt“. Dort wurde wie berichtet das Doppelte des erlaubten Grenzwertes in der Raumluft gemessen, der Gehalt des Schadstoffes in der Luft lag bei 50 bis 60 Mikrogramm. 

Üble Gerüche in der Kita

Naphthalin steht im Verdacht Krebs zu erregen und wurde früher als Mottengift eingesetzt. In der Luft kann der Giftstoff unter anderem zu Kopfschmerzen und Übelkeit sowie Schleimhautreizungen führen. Anlass für die Untersuchungen in Teltow waren auffällige Gerüche, die Anfang April 2019 in der Kita „Käferland“ festgestellt wurden. Festgestellt wurden sie von einer Mitarbeiterin, die sich nicht oft in den Räumen der Kita aufhält. Bei der Innenraum-Luftbewertung gibt es für etwa 30 Chemikalien Grenzwerte, ab denen eine Gesundheitsgefährdung nicht mehr ausgeschlossen werden kann. Die Grenzwerte legt der Ausschuss für Innenraumrichtwerte fest, der beim Umweltbundesamt angesiedelt ist.

Die Stadt schaltete einen Toxikologen ein und ließ am 4. April vorsorglich die Kita räumen. Die 65 Kinder werden seitdem in den Horträumen der Anne-Frank-Schule betreut. Der Hort wiederum kam in der Schule selbst unter. 

War es die alte Teerpappe?

Noch immer sucht die Stadt nach der Quelle für den Schadstoff. Sowohl die Kita "Käferland" als auch die anderen zwei Einrichtungen sind in den 1960er-Jahren erbaut worden. Bisher wurde vermutet, dass die als Isolierung verwendete Teerpappe die Quelle der erhöhten Schadstoffwerte sei. Tatsächlich wird der Stoff noch immer zur Herstellung von Lösungsmitteln, Kunststoffen oder Holzschutzmitteln verwendet. Naphthalin wurde erstmals 1819 aus Steinkohlenteer isoliert.

In der Kita „Käferland“ wird es weitere Bauwerksuntersuchungen im Gebäude geben, um die Schadstoffquellen endgültig aufzufinden, kündigte Stadtsprecher Jürgen Stich an. Diese Untersuchungen seien bereits beauftragt und würden derzeit durchgeführt. Auch soll die in die Jahre gekommene Kita "Käferland" nun saniert und modernisiert werden. Rund ein Jahr wird der Umbau dauern, erst dann können die Kinder wieder in ihre Kita zurückziehen.

Toxikologisches Gutachten wird veröffentlicht 

Dass die Ergebnisse der Proben erst rund zwei Monate später vorliegen, erklärt die Chefin des städtischen Kitaeigenbetriebs mit umfangreichen Analysen, die viel Zeit in Anspruch genommen hätten. So wurden aus den untersuchten Räumen 44 Analysen mit zum Teil unabhängig voneinander bestätigenden Analyseverfahren durchgeführt und auf 208 Wirkungs- und Stoffkenngrößen sowie Gruppen von Chemikalien und Einzelchemikalien untersucht. Das mehr als 600 Seiten und mehrere Anlagen umfassende Gutachten des Toxikologie Rainer Macholz soll laut Stadtsprecher in den kommenden Tagen auf der Webseite der Stadt Teltow unter www.teltow.de eingestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.