Potsdam-Mittelmark : Elisabeth-Sanatorium steht nun unter Denkmalschutz

Doch die Zukunft der ehemaligen Hautklinik nahe dem Güterfelder Eck ist noch immer ungewiss

Georg Jopke

Doch die Zukunft der ehemaligen Hautklinik nahe dem Güterfelder Eck ist noch immer ungewiss Von Georg Jopke Stahnsdorf - Die Denkmal-Liste des Landkreises ist länger geworden. Das Stahnsdorfer Pfarrhaus am Dorfplatz ist nun darin verzeichnet, ebenso das Postgebäude an der Wannseestraße und dann ein Ensemble mit geschichtsträchtiger Vergangenheit: Das einstige „Elisabeth-Sanatorium“ am Rande von Kienwerder, das bald hundertjähriges Bestehen feiern könnte. Die Baulichkeiten auf dem weiten Waldgelände waren zwischen 1912 und 1914 für den Arzt Walter Freimuth und dessen Ehefrau Elisabeth errichtet worden und dienten als Lungenklinik. Zuletzt war in dem staatlichen Gebäude eine Hautklinik eingerichtet, doch seit 1994 steht das Haus leer. Vor zehn Jahren wurde das Anwesen der jüdischen Familie zurückgegeben, heute gehört es der in den USA lebenden Ursula Freimuth. Nach den Denkmalbestimmungen gilt für die Baulichkeiten die Unterhaltungspflicht „im Rahmen des Zumutbaren“, der große Park neben dem Verkehrsknoten Güterfelder Eck ist ebenfalls Schutzgut, betont Wolfgang Bernhard von der Denkmalschutzbehörde in Belzig. Wer aber übernimmt den Schutz und wer hat Pläne für die Zukunft? In den vergangenen Jahren hatten sich etliche Interessenten für das große Areal gemeldet. Ein französischer Baukonzern wollte hier einen Baumarkt einrichten, danach gab es Pläne für ein Handwerkerdorf. Die große Unbekannte, die hinter der Zukunft des Areals steht, ist die L 40. Die Straße soll vierspurig Potsdam mit dem Flughafen Schönefeld verbinden. Die Verkehrsführung um das Güterfelder Eck verändert sich vollkommen und das Sanatoriumsgelände wird zu einer Insel. „Die neue Straße reicht etwa 17 Meter bis an das Hauptgebäude heran. Die Bausubstanz ginge dabei kaputt. Das ist doch ein Widerspruch zur Denkmalschutz-Verordnung“, meint Rechtsanwalt Wolf-Dietrich Kirchner, der die Interessen von Ursula Freimuth vertritt. Auch ein Drittel des Parkgeländes ginge für den Straßenbau verloren. „Wir haben inzwischen viel für den Erhalt der Gebäude und in die Pflege der Parkanlagen getan“, betont dKirchner, der die Wiederbelebung des Areals als schwierige Angelegenheit sieht. Dennoch gehen die Überlegungen weiter, wie das Gelände künftig genutzt werden kann. Der Verkehrslärm wird auf alle Fälle bleiben und deshalb kann hier nicht an eine Kita oder ein Hotel, sondern nur an Gewerbe gedacht werden. „Wir führen intensive Gespräche mit Investoren“, versichert Rechtsanwalt Kirchner. Als jüdisches Ehepaar mussten die Freimuths nach Machtantritt des NS-Regimes aus Deutschland fliehen. Die Heilbehandlung von Lungenkranken ging weiter, bis bauliche Ensemble 1952 eine neue Zweckbestimmung bekam. Aus ihm wurde die Heilstätte für Haut- und Lymphdrüsentuberkulose – die einzige Einrichtung dieser Art in der DDR. 1967 schließlich begann die Umgestaltung zu einer Hautklinik des damaligen Bezirkskrankenhauses Potsdam. 25 Schwestern und ein Dutzend Ärzte sorgten sich um die Patienten, für die im Hauptgebäude bis zu 90 Betten zur Verfügung standen. Die Nebengebäude dienten als Wirtschaftshaus und als Unterkunft für Mitarbeiter. In den 80er Jahren ist noch einmal modernisiert worden, aber dann kam bald das Aus. 1994 zog die Hautklinik in das Stammhaus des Klinikums „Ernst von Bergmann“.