Einwohnerzuwachs : Boomtown Teltow

Teltow bleibt im Land Brandenburg eine Ausnahmeerscheinung: Bis zum Jahr 2030 soll die Einwohnerzahl um satte 31 Prozent steigen, in absoluten Zahlen sollen aus knapp 23 000 fast 30 000 Teltower werden.

Henry Klix
Mühlenviertel in Teltow: Die bestehenden Bebauungspläne lassen einen Zuwachs um 5000 Einwohner zu.
Mühlenviertel in Teltow: Die bestehenden Bebauungspläne lassen einen Zuwachs um 5000 Einwohner zu.Foto: Kirsten Graulich

Potsdam-Mittelmark - Die Stadt befindet sich mit dieser Zahl nach Potsdam und Schönefeld auf Platz 3 der Wachstumsorte im Land Brandenburg, wie aus der jüngsten Bevölkerungsprognose des Statistikamts Berlin-Brandenburg hervorgeht. Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) glaubt, dass vor allem der S-Bahnanschluss für kräftigen Zuzug sorgt.

Vor sieben Jahren wurde die Rübchenmetropole ans Berliner S-Bahnnetz angeschlossen. „Seitdem spüren wir den Schub.“ Mit Baugebieten wie dem Mühlendorf, dem Buschwiesenkarree und der Kanalaue habe man erhebliche Potenziale für neue Wohngebiete erschlossen. „Unsere bestätigten Bebauungspläne geben ein Wachstum auf 28 000 Einwohner her“, so Schmidt. In den kommenden Jahren werde man wohl auch eine weitere Grundschule benötigen. „Wir freuen uns über jeden neuen Einwohner.“

Schmidt ist sich bewusst, dass sich Teltow in einer glücklichen Position befindet. Landesweit wird ein weiterer Bevölkerungsrückgang erwartet, von dem bald auch der bislang verschonte Landkreis Potsdam-Mittelmark erfasst werden soll. Kleinere Zuwächse werden hier noch für Kleinmachnow, Stahnsdorf und Schwielowsee prognostiziert. In den anderen 15 Kommunen des Kreises sinkt die Einwohnerzahl. Teils drastisch wie in Wiesenburg oder Ziesar, wo ein Verlust von etwa 30 Prozent erwartet wird.

Die vier Wachstumsorte werden das nicht mehr lange abfangen können, mit dem erstarkenden Landkreis ist es nach 2015 vorbei: Dann wird den Statistikern zufolge ein Einwohnerrückgang einsetzen, bis 2030 wird die Mittelmark von gut 205 000 auf 194 000 Bewohner schrumpfen. Der gut fünfprozentige Rückgang liegt immerhin deutlich unter dem Landesschnitt von zehn Prozent.

Für die Prognose beobachtet das Statistikamt Wanderungstrends, demografische Kennziffern und Planungsdaten und zieht Vergleiche mit ähnlichen Regionen. Probleme der Mark: die niedrige Geburtenrate und die Abwanderung. Nur im Berliner Umland könnten die Rückgänge durch Zuzug ausgeglichen werden, wie es im Bericht der Statistiker heißt. Für die größte Kommune des Landkreises, die Stadt Werder (Havel), wird der Zuzug nicht ganz reichen.

Laut Statistik vom Oktober hat Werder 23189 Einwohner. 2020 sollen es noch 23 000 sein, im Jahr 2030 dann nur noch 22 000. Teltow wird demzufolge schon in nächster Zeit an Werder vorbeiziehen. Im Oktober lag die Einwohnerzahl dort bereits bei 22 945. „Wir sehen diesen unausgesprochenen Wettbewerb sportlich“, so Bürgermeister Schmidt.

Werders Bürgermeister Werner Große (CDU) betont derweil, dass es derzeit mit den Einwohnerzahlen der Blütenstadt noch aufwärts geht. „Wer weiß, was in 20 Jahren ist.“ Nach der nächsten Gemeindereform könne sich ohnehin ein anderes Bild ergeben. In den Havelauen sei viel Platz für neue Einwohner, die Stadt habe auch andere Baugebiete ausgewiesen und mit dem RE 1 einen guten Bahnanschluss nach Berlin. Ab 2018 geht man aber auch im Rathaus von einer Stagnation der Zahlen aus. Große: „Die Hauptsache ist, dass sich die Leute hier wohlfühlen. Ob Teltow größer ist, finde ich unerheblich. “

Der Bürgermeister ist froh, dass in Werder zumindest keine Einbrüche wie in Kommunen außerhalb des Berliner Rings zu erwarten sind. Sorgen macht er sich über den Rückgang der jüngeren und arbeitsfähigen Bevölkerung, auch auf mehr Senioren müsse man sich vorbereiten. Die Zahl der unter 15-Jährigen wird im Landkreis der Landesprognose zufolge in den nächsten 20 Jahren um 30 Prozent sinken, die der über 64-Jährigen um 70 Prozent steigen.

Arbeitslosigkeit wird vielleicht schon bald kein Thema mehr sein, die Zahl der arbeitsfähigen Mittelmärker wird bis 2030 um 24 Prozent (Land Brandenburg: 28 Prozent) zurückgehen. Schon in acht Jahren werden laut Landesprognose 10 000 Arbeitsfähige weniger im Landkreis zur Verfügung stehen. Brandenburgweit bleiben vom Rückgang der Erwerbsfähigen nur die Mittelbereiche Potsdam, Schönefeld-Wildau und Teltow verschont.

 

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