Potsdam-Mittelmark : Einer will Landrat bleiben, einer werden

Am 25. September wird die erste Direktwahl eines Landrats in Potsdam-Mittelmark stattfinden. SPD und Piraten haben schon ihre Kandidaten. CDU, Linke und Grüne halten sich noch zurück.

Henry Klix
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Foto: tom
18.03.2016 21:05Landrat Blasig.

Die ersten waren die Piraten: Mitte Januar nominierten sie in kleinem Kreis ihren Kandidaten für die Landratswahl. Mit dem 53-jährigen Rechtsanwalt Andreas Schramm schicken sie den Vorsitzenden des Piraten-Kreisverbandes ins Rennen. Wahrscheinlich gibt es nur wenige Gemeinsamkeiten mit Amtsinhaber Wolfgang Blasig (SPD), zwei immerhin: Beide leben in Kleinmachnow. Und beide werden sich am 25. September zur Wahl stellen. Blasig will weitermachen, nachdem er im Februar 2009 den Posten übernommen hat. Es wäre seine zweite Amtszeit. Angekündigt hat er das bereits zu seinem 60. Geburtstag vor knapp zwei Jahren.

Am 16. April soll er nun bei einer Delegiertenversammlung der Kreis-SPD offiziell nominiert werden. Der Kreisvorstand hat sich am Mittwoch schon einstimmig für eine erneute Kandidatur ausgesprochen. Blasig erklärte kämpferisch: „Die Potenziale des Landkreises wollen mit aller Kraft, Mut und voller Motivation angepackt werden.“ Schon jetzt sei Potsdam-Mittelmark, nicht zuletzt dank der SPD, erfolgreichster Landkreis Ostdeutschlands, das sei ausbaufähig.

SPD-Unterbezirkschef Robert Dambon sekundierte: „Wolfgang Blasig kennt Potsdam-Mittelmark wie kaum ein anderer.“ Und der Landrat habe einen Plan: Gemeinsam wolle man das Profil des Kreises weiter schärfen, die Verkehrsanbindung verbessern, den Breitbandausbau vorantreiben und den sozialen Ausgleich stärken.

Fusions-Abenteuer fällt aus, ein anderes aber nicht

Das größte Abenteuer der nächsten Wahlperiode wird ausfallen: Es zeichnet sich ab, dass es im Zuge der Kreisgebietsreform doch nicht zur von vielen erwarteten Fusion mit Brandenburg/Havel kommt, „PM“ behält seine Struktur zwischen Speckgürtel und Peripherie. Der Landratsposten bleibt damit eine Herausforderung. Zudem wird der Landrat erstmals nicht vom Kreistag, sondern direkt von der Bevölkerung gewählt - ein Abenteuer anderer Art.

Doch außer bei SPD und Piraten herrscht bei den anderen Parteien Funkstille zur Wahl. CDU-Kreisgeschäftsführer Rudolf Werner sagte auf Anfrage: „Wir wussten nicht sicher, ob wir gegen den Amtsinhaber antreten oder ob es eine freie Wahl wird.“ Nach der SPD-Nominierungsveranstaltung wolle man sich dezidiert äußern. „Wir sind auf einen eigenen Kandidaten vorbereitet“, so Werner. Überlegungen dazu gebe es seit einem Jahr.

Von den Linken heißt es, man sei zu einem Kandidaten im Gespräch. „Wir sind guter Hoffnung, dass wir jemanden finden, der über die Parteigrenzen hinaus wirkt“, so Kreischef Jan Eckhoff. Ob ein gemeinsamer Kandidat mit den Grünen gemeint ist, wollte er nicht beantworten. Grünen-Kreisgeschäftsführerin Ulrike Wunderlich übt sich in Zurückhaltung, will nichts ausschließen. „Eine Alternative zum Amtsinhaber würden wir begrüßen.“ Man sei offen, sie mit anderen politischen Kräften zu finden.

Unterstützerfront für Kandidat der Piraten?

Oder formiert sich da etwa eine Unterstützerfront für Andreas Schramm? Der kapert bereits munter Wahlkampfthemen, hat sich in einer Kreistagsanfrage nach einem Neubau für die marode Rammrath-Brücke in Teltow und nach dem fehlenden Radweg zwischen Treuenbrietzen und Linthe erkundigt. Schramm will sich als Landrat für mehr Transparenz und bessere Möglichkeiten zur Bürgerbeteiligung einsetzen, auch für eine frühzeitige Information der Bürger bei der Unterbringung und Integration von Flüchtlingen.

Er wirbt, breite kommunalpolitische Erfahrung mitzubringen. In den vergangenen Jahren befasste sich der Rechtsanwalt mit den Themen BER-Fluglärm, der Wiedereinführung der „Gelben Tonne“ im Kreis und wirkt als sachkundiger Einwohner im Bauausschuss Kleinmachnow mit. Im direkten Gespräch gibt sich der Familienvater optimistisch, er freue sich auf den Wahlkampf. Es sei an der Zeit, Landrat Blasig in den „verdienten Ruhestand“ zu verabschieden.

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