Potsdam-Mittelmark : Ein gutes erstes Jahr in Philippsthal

Guido Kachels Restaurant mit besten Kritiken

Ute Kaupke

Nuthetal – Der Start hätte besser nicht sein können. Am 1. November vergangenen Jahres eröffnete Guido Kachel sein neues Restaurant „Philippsthal“ im gleichnamigen Nuthetaler Ortsteil. Zwölf Monate später fand er bereits Erwähnung im renommierten Restaurantführers Gault Millau. Die Testesser bescheinigten ihm eine „höchst achtbare Küche“ und eine „entschlossene Würzung“. Auch der Restaurantkritiker des Tagesspiegels resümierte: „Hier schmecken die Sachen nach was und hauchen nicht ihr Leben bei der rituellen Suche nach dem Eigengeschmack in Fadheit aus“. Seit Jahren schon zählt Kachels Gröbener Restaurant „Theodore F.“ zu den ersten Adressen im Brandenburgischen. Schnell gelang ihm nun auch der Durchbruch am zweiten Standort in Philippsthal. „Wir haben uns hier gut eingelebt“, erzählt Kachel im Gespräch mit den PNN. Er habe viele neue Gäste aus Berlin, Potsdam, aber auch aus Nuthetal begrüßen können. Und so erwartet er auch zur bevorstehenden Silvesterfeier viele Philippsthaler zum „Tanz in der Scheune“ mit Feuerzangenbowle, Buffet und Feuerwerk.

Auch künftig will der Restaurantchef zwischen der Gröbener Küche und dem Philippsthaler Herd pendeln. Es ist ja nur ein Katzensprung. Sein Gröbener Küchenchef und Partner Sascha Rosenhahn und der Philippsthaler Küchenchef Thomas Bäker „fahren die gleiche Linie“, sagt er. Sein Prinzip: „Kochen ist für mich mehr, als die Summe aller Zutaten in einem Topf wiederzufinden.“ Die Preise im „Philippsthal“ beginnen bei 6,50 Euro für eine Fischsuppe und enden bei 22,50 Euro im Hauptgang für Kingfischfilet auf Limettenspitzkohl und Cardamom-Risotto oder – ganz regional – Rehkeule aus dem Fläming mit Rotkohlstrudel, Champignons und Pastinaken. Ein dreigängiges Tagesmenü gibt es für 39,50 Euro.

Von Gästen habe er zuerst erfahren, dass das „Philippsthal“ Eingang in den Gault Millau gefunden hat. Auch das „Theodore F.“ hatte diese Ehrung bereits einmal erhalten. „Wir arbeiten darauf nicht hin“, sagt der Restaurantchef, der mit der „gerechten und schönen Bewertung“ jedoch sehr zufrieden ist. Er sei immer bemüht, „gute Produkte anders zu interpretieren“ und damit den Gästen Überraschungseffekte auf den Tisch zu bringen. Auch beruflicher Nachwuchs wird in den Restaurants von Guido Kachel ausgebildet. Offensiv nach Bewerbern sucht er aber nicht. Auf „Teufel komm raus“ wolle er nicht ausbilden. Er suche keine billige Arbeitskraft, „wer hier lernt, muss es wirklich wollen.“ Ein persönliches Lieblingsgericht kann Kachel übrigens nicht nennen. Auf gute Zubereitung legt er Wert, dann esse er alles. Fast alles, denn schwere, gefüllte Vögel mag er nicht, schiebt er nach. „Es wird mich auch niemand bei einer Fastfood-Kette erwischen“ schmunzelt er.

Im kommenden Jahr will Kachel den Außenbereich seines Restaurants weiter gestalten. Erste Tiere leben auf dem Hof, der Streichelzoo ist noch Baustelle. Für die kleinen Gäste soll ein Spielplatz entstehen. Der Zuspruch von Familien mit Kindern sei groß, sagt er. Ein ursprünglich geplanter Maulbeerbaum mit seinen blauen Früchten wird mit Rücksicht auf die Kleidung der Gäste nun doch nicht auf dem Hof gepflanzt. Auch im Schatten einer Esskastanie lässt es sich im Sommer gut sitzen. Die ersten fünf Früchte habe dieser Baum bereits spendiert, erzählt Kachel verschmitzt. Natürlich habe er die in der Röhre geröstet.

Seit 1997 steht das Gehöft aus dem 19. Jahrhundert in der Dorfstraße 35 unter Denkmalschutz. Es gilt als Zeugnis einer zweiten Generation von Kolonistenhäusern der 1754 gegründeten Spinnerkolonie Philippsthal. Nach vier Jahren Leerstand hatte Guido Kachel das Grundstück 2007 erworben.Ute Kaupke

Infos im Internet unter

www.restaurant-philippsthal.de