Ein Dorf wächst : Sputendorf wächst und hofft auf einen Bäcker

In Sputendorf wird die Einwohnerzahl demnächst um 30 Prozent zulegen. Die Bewohner setzen alles daran, das Wachstum zu bewältigen. Einen Radweg haben sie, doch es fehlt noch einiges an Infrastruktur.

Besser erreichbar. Für den neuen Radweg von Sputendorf in das benachbarte Ludwigsfelde hat Ortsvorsteher Rolf-Denis Kupsch (l.) jahrelang gekämpft.
Besser erreichbar. Für den neuen Radweg von Sputendorf in das benachbarte Ludwigsfelde hat Ortsvorsteher Rolf-Denis Kupsch (l.)...Foto: Rathaus Stahnsdorf

Sputendorf - Eingeschlossen von Natur, im Grenzland zweier Landkreise gelegen, fernab vom Großstadttrubel und immer beliebt. Der kleine verschlafene Stahnsdorfer Ortsteil Sputendorf wird in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Rund 150 neue Bewohner könnten in das 500-Seelen-Dorf ziehen, ein Wachstum von rund 30 Prozent.

„Für uns ist das ein gewaltig“, sagt Ortsvorsteher Rolf-Denis Kupsch. Er kämpft seit Jahren darum, dass sein kleiner Ort sich weiterentwickelt und wächst, und dass es in Sputendorf vielleicht schon bald auch mal wieder einen Bäcker gibt. So wie früher. Nach der Wende, erzählt Kupsch, sei alles sukzessive aus dem Ort verschwunden: der Bäcker, der Fleischer, auch der Tante-Emma-Laden. Verdrängt durch große Supermärkte, für die das abgelegene Dorf keine Rolle spielt. Noch nicht.

Kupsch will das ändern. Sputendorf soll behutsam wachsen, um für Investoren attraktiver zu werden, sagt er. Ein Meilenstein ist bereits geschafft: Fast vier Jahre lang haben die Sputendorfer um einen Radweg gekämpft, der den Stahnsdorfer Ortsteil mit der benachbarten Stadt Ludwigsfelde verbindet. Im Dezember wurde der asphaltierte, rund 1700 Meter lange Weg eingeweiht. „Er ist wie eine neue Lebensader für uns.“

Als der 53-Jährige vor vier Jahren mit großen Ideen den ehrenamtlichen Job des Ortschefs übernahm, glaubten viele nicht an seinen Erfolg. „Die Ausgangssituation war düster“, sagt Kupsch, der für die Wählergruppe „Wir vier“ ins Rennen gegangen war. Doch statt zu scheitern, krempelte er die Ärmel hoch und versammelte die Sputendorfer hinter sich.

Gleich zu Beginn schlug ihm kräftiger Gegenwind entgegen: Kaum im Amt hatte er das Genehmigungsverfahren für weitere Windräder in der Genshagener Heide auf dem Tisch. Der Ortsvorsteher mobilisierte die Bewohner und die wiederum die ganze Gemeinde Stahnsdorf, zu der Sputendorf seit 2001 gehört. Gemeinsam entwickelten sie Pläne, um den befürchteten Schaden durch die Windgiganten von dem Dorf fernzuhalten. Mit Erfolg: Statt wie zunächst geplant 27 um den Ort herum gebaute Anlagen, werden nun voraussichtlich sieben entstehen, sagt Kupsch stolz. Und es werden auch keine 200-Meter-Giganten sein, sondern maximal 180 Meter hohe Windräder.

Kupsch arbeitet hauptberuflich als Fachbereichsleiter Flächenmanagement beim Brandenburger Verband für Landentwicklung und Flurneuordnung. Sein Ehrenamt als Ortsvorsteher sei wie eine Intensivfortbildung, von der er auch im Job profitiere, sagt er.

Auch in Sputendorf soll es Entwicklung geben. Am Ortsausgang nach Schenkenhorst, wo einst das verkommene Kulturhaus stand, stehen mittlerweile Einfamilienhäuser. Daneben baut ein weiterer Investor Mehrgeschosser mit Mietwohnungen für den „kleineren Geldbeutel“, wie Kupsch sagt. Es sind Wohnungen für die besagten 150 neuen Mieter, die das Dorf bald erwartet.

Konfliktpotenzial durch die Zuzügler befürchtet Kupsch nicht. Er war selbst vor 25 Jahren aus Blankenfelde gekommen, seine Frau wohnt von Geburt an im Ort. Wer nach Sputendorf komme, bleibe nicht lang für sich, sagt er. Hier werde gemeinsam gefeiert und debattiert. Beim Dorffest, zur Weihnachtsfeier oder beim Schlittschuhlaufen auf dem Dorfteich.

Es ist auch ein Stück Heimatgefühl, das Kupsch den Neuzugezogenen vermitteln will. Auch Entscheidungen treffe er nie allein, sondern im Ortsbeirat, der in Sputendorf nicht nur aus den beiden gewählten Köpfen, sondern aus allen bestehe, die zu den Sitzungen kommen, erklärt der Ortsvorsteher. „Es gibt so viel intelligente Leute im Ort, man muss sie nur mobilisieren.“ Wer nicht kommen kann, bekommt das Sitzungsprotokoll per Mail in einer Art Newsletter nachträglich zugesandt. Man müsse die Möglichkeiten der Medien nutzen, sagt Kupsch, der Schmetterlinge züchtete, bevor er das Ehrenamt antrat.

Vor allem junge Leute wünscht er sich in den über die Jahre gealterten Ort zurück. Die Kinder aus dem einstigen Neubaugebiet am Ortsrand sind inzwischen groß. Er weiß aber auch, dafür braucht es Infrastruktur. Eine Kita gäbe es im benachbarten Schenkenhorst, die nächsten Schulen aber stünden in Stahnsdorf und Saarmund. Bis 1995 hatte Sputendorf noch ein eigenes Schulhaus, heute ist es ein Bürgerhaus, das für den Ort mindestens ebenso wichtig ist. Dort treffen sich die Jungen und die Alten, helfen einander, tauschen sich aus. Am etwas abseits gelegenen Sportplatz soll zudem noch ein Basketballplatz entstehen, wo sich die Jugend auch ohne die Alten zusammenfinden kann.

Am Dorfanger, so wünscht es sich Kupsch, soll sich indes auf einem ehemaligen Gutshof nahe der kürzlich sanierten Feldsteinkirche ein kleines Ortszentrum entwickeln. Er sei mit dem Eigentümer, den Berliner Stadtgütern, darüber im Gespräch, die er von seiner Idee aber noch überzeugen muss. Behutsam vorhandene Lücken schließen, lautet seine Devise. Die Natur für den Menschen entwickeln, seine Philosophie, sagt Kupsch.

Sputendorf liege in einer reizvollen Landschaft, die es bei allen Wachstumswünschen zu pflegen und zu erhalten gilt, betont er.

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