Potsdam-Mittelmark : Ein Anschluss, der kostet

Stahnsdorfer Altanschließer wollen sich mit anderen Betroffenen verbünden / Bürgerstammtisch der BfB

Kirsten Graulich

Stahnsdorf – Rainer Rozanski kann es nicht fassen: Zum dritten Mal soll Geld für den Abwasseranschluss seines Eigenheims bezahlt werden. Der erste Betrag war beim Hausbau fällig, später in den 1970er Jahren musste er zahlen, weil die Rohre in der Siedlung erneuert wurden. Demnächst wird ein weiterer Betrag fällig, wie ein Bescheid von der Mittelmärkischen Wasser- und Abwasser GmbH (MWA) ankündigt, der in dieser Woche in seinem Briefkasten lag.

So wie Rozanski geht es derzeit vielen Stahnsdorfern, weshalb großer Andrang war am Donnerstagabend beim Bürgerstammtisch im Restaurant „Taj Mahal“. Rund 50 betroffene Altanschließer waren der Einladung der Wählergruppe „Bürger für Bürger“ (BfB) gefolgt, die zum Thema Altanschlussbeiträge eine Plattform schaffen will. Aus Teltow war auch Wolfgang Köhn gekommen, Linken-Stadtverordneter und Mitglied in der Verbandsversammlung des WAZV „Der Teltow“. Köhn ist einer von drei Klägern gegen die aktuellen Bescheide, die derzeit alle bekommen, die vor 1990 ans Abwassernetz angeschlossen wurden. „Wer klagt, muss erstmal nichts zahlen, außer den Anwaltskosten“, erklärte er, „aber das muss jeder für sich entscheiden. Ich rate aber auf jeden Fall, Widerspruch einzulegen“.

Das hat die Stahnsdorferin Brigitte Sch. bereits zweimal getan, aber auf ihre Begründung sei die MWA nicht eingegangen. „Dann ist der Bescheid nichtig“, stellte die Vertreterin eines Anwaltsbüros fest, das bereits Altanschließer als Kläger vertritt. Die Rentnerin Sch. hatte schon zu DDR-Zeiten 5000 Mark investiert, um an das Abwassernetz angeschlossen zu werden. Kopien dieser Rechnungen hatte sie an die MWA gesandt. Jetzt wurde Sch. aufgefordert, rund 3000 Euro zu zahlen. Im nächsten Jahr sind noch einmal 1000 Euro fällig, weil die Rohre im Kanalnetz erneuert werden müssen.

Kritik übten viele Stammtischbesucher vor allem an den Vertretern in der Verbandsversammlung. „Kann man die nicht abwählen?“, wollte jemand wissen. Und als Altanschließer Adolf Meckelburg einen Brief von Bürgermeister Bernd Albers verlas, in dem dieser bekundete, er halte die Beiträge für falsch, merkte Köhn an: „Schade, dass so etwas von ihm nicht in der Verbandsversammlung zu hören war.“ In diesem Gremium, dem die Bürgermeister sowie Abgeordnete der drei Teltow-Kommunen angehören, würden sich fast alle Mitglieder auf die Landesgesetzgebung berufen. Die sehe aber durchaus Ermessensspielräume vor, die einzelne Zweckverbände auch nutzen würden, hieß es in der Stammtischrunde.

Ursprünglich sei die neue Rechtslage auch im Hinblick auf die verschuldeten öffentlichen Haushalte erlassen worden. „Dabei hat Frau Lenk gesagt, dass die MWA das Geld gar nicht brauche“, erinnerte sich ein Bürger an Äußerungen der verantwortlichen Sachbearbeiterin bei einem ersten Stammtisch im Sommer. Dass nun die volle Beitragslast gleichfalls die Kommunen mit ihren Einrichtungen und Wohnungsunternehmen treffe, finden nicht nur Altanschließer absurd. „Allein für die Bosch-Siedlung werden 600 000 Euro fällig“, erklärte BfB-Vertreter und Stahnsdorfer Gemeinderatschef Gerold Maelzer. Der kommunale Haushalt gebe das gar nicht her. Daher habe Bürgermeister Albers bereits Widerspruch eingelegt und werde gegen den Bescheid klagen, so Maelzer. Die Wählergruppe regte an, sich mit den Altanschließern der gesamten Region zusammenzutun und die öffentliche Verbandsversammlung am 29. Februar zu besuchen. Noch im gleichen Monat soll im Bürgersaal der Gemeinde zu einer großen Versammlung eingeladen werden, kündigte Malzer an. Kirsten Graulich