Ehrenamtler des Monats : Der Weihnachtsmann von Seddin

Seit 25 Jahren beschenkt Reimar Wiefel Kinder aus Seddin und dem Umland. Für sein Engagement wurde er am Mittwoch von Ministerpräsident Woidke ausgezeichnet.

Reimar Wiefel ist seit 25 Jahren der Weihnachtsmann und begeistert damit auch die Erwachsenen.  
Reimar Wiefel ist seit 25 Jahren der Weihnachtsmann und begeistert damit auch die Erwachsenen.  Foto: Sören Stache/dpa

Seddin - Nur langsam wird der Motor des rot-weißen, festlich beleuchteten Traktors warm, schnaubt immer lauter, bis die Maschine richtig lostuckert. „Ho, ho, ho“ ruft der Weihnachtsmann von seinem Fahrersitz und lässt die Glöckchen in seiner Hand bimmeln. Ja, den Weihnachtsmann gibt es wirklich. Und nein, er wohnt nicht am Nordpol – sondern in seiner von bunten Lichtern hell erleuchteten Hütte am Seddiner Waldrand. Und statt eines Rentiergespanns fährt er einen Traktor.

Und auf einmal war Reimar Wiefel der Weihnachtsmann

Seit 25 Jahren schon zieht Reimar Wiefel aus Seddin in der Weihnachtszeit den roten Mantel an, setzt sich die Zipfelmütze auf den Kopf und überreicht an Kinder in der Region Geschenke. Für sein langjähriges Engagement hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ihn am gestrigen Mittwoch als „Ehrenamtler des Monats“ ausgezeichnet. Die Auszeichnung vergibt die Staatskanzlei des Landes seit 2007 an engagierte Brandenburger. „Dass Sie den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern und die Erwachsenen in ihre Kindheit zurückversetzen, ist eine ganz tolle Leistung“, sagte Woidke bei der Überreichung der Urkunde.

Als Weihnachtsmann angefangen hat Wiefel im Jahr 1995. Damals kamen zwei Frauen ganz aufgelöst zu ihm nach Haus. Eine davon war seine Nachbarin, deren Sohn in die Albert-Schweitzer-Förderschule in Kleinmachnow ging. Der Weihnachtsmann sollte den Schulkindern einen Besuch abstatten, war jedoch unpässlich, wie Wiefels erzählt. Von der Idee, dass er einspringen sollte, war er nicht sonderlich begeistert. „Ich kannte keine Weihnachtslieder, keine Weihnachtsgedichte und dachte, wie soll ich die Kinder überhaupt ansprechen?“ Doch die Frauen konnten sich durchsetzen. „Die beiden haben mich regelrecht entführt und ins Auto gezerrt.“ Wenn Wiefel heute von seinem ersten Einsatz als Weihnachtsmann erzählt, hat er alles wieder genau vor Augen. „Ich habe mir vor der Turnhalle den Mantel angezogen und die Glocke erklingen lassen. Dann ging in der Turnhalle sofort der Jubel und das Geschrei los“, sagt der heute 75-Jährige. Die Kinder hätten ihn sofort umringt und umarmt. „Und auf einmal war ich der Weihnachtsmann.“ Er versprach ihnen, dass er wieder kommen werde.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) besuchte Reimar Wiefels Weihnachtsmannhütte. 
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) besuchte Reimar Wiefels Weihnachtsmannhütte. Foto: Soeren Stache/dpa

Sobald Wiefel mit „Mucki“ vorfährt, kommen auch schon alle angelaufen 

Schnell habe sich damals sein Weihnachtsmann-Auftritt in der Schule auch in Seddin und der Umgebung herumgesprochen, sagt Wiefel, der als Diplomingenieurlehrer und später als Berufsschullehrer bei der Deutschen Post arbeitete. In der Adventszeit ist er nun immer auf Weihnachtsmärkten, in Schulen und Kitas unterwegs. Dabei fährt er stets mit seinem Traktor, liebevoll „Mucki“ genannt, am Ort des Geschehens vor. Vor fünf Jahren, zu seinem 20. Weihnachtsmann-Dienstjubiläum, hat er den grünen Traktor passend zu Mantel und Mütze rot und weiß angestrichen. Sobald er mit „Mucki“ vorfährt, kommen auch schon die Kinder und Erwachsenen angelaufen. „Das verbreitet eine unglaubliche Freude. Sie können sich nicht vorstellen, wie schön das ist“, sagt Wiefel.

Im Jahr 2002 ließ das Ehepaar Wiefel die Weihnachtsmannhütte auf ihrem Grundstück bauen. Dort nimmt Reimar Wiefel jedes Jahr an vier Tagen in der Adventszeit die Wunschzettel der Kinder entgegen. Manchmal kommen dabei mehr als 500 Wunschzettel zusammen. Die Kinder bekommen von der Gemeinde bezahlte Süßigkeiten, Kakao, Plätzchen oder Kinderpunsch, sie lauschen den Geschichten des Weihnachtsmanns und singen gemeinsam mit ihm. „Wie unterhalten uns zum Beispiel über Frau Holle. Und dann machen wir alle zusammen nach, wie Frau Holle schnarcht. Da machen sogar die Opas mit“, sagt Wiefel und lacht. Nach dem Programm setzt er sich auf seinen Stuhl und lässt sich von jedem Kind erzählen, was es sich zu Weihnachten wünscht.

Wiefel nimmt sich für jedes Kind Zeit

Bescherung ist dann natürlich am Heiligabend, oft auch noch an den Weihnachtstagen. Die 73-jährige Eveline Wiefel ist dabei die fleißige Helferin ihres Mannes. Sie koordiniert nicht nur seine gesamten Termine in der Weihnachtszeit, sondern nimmt am 22. und 23. Dezember auch die Geschenke der Eltern entgegen und organisiert, wann welches Kind an der Reihe ist. Manchmal ist er an Heiligabend dann von 12.30 bis 20.30 Uhr unterwegs zur Bescherung bei vielen Kindern. Im vergangenen Jahr waren es 110 Päckchen. „Am zweiten Weihnachtstag fallen wir dann abends nacheinander auf die Couch und sagen: Das war das letzte Mal“, sagen die beiden und lachen. Doch so ist es natürlich nie.

Wie berührt die Menschen in Seddin und Umgebung von dem Ehepaar und ihrem Weihnachtszauber sind, zeigt sich auch an den vielen selbstgebastelten Geschenken, die in der Hütte zu sehen sind: Bilder, Weihnachtsdeko, kleine Figürchen, Fotografien. Einmal hätten ihm die Kinder der Kita Waldsternchen in Seddiner See ein eigenes Lied geschrieben und gesungen. Ein kleines Mädchen habe ihm das schönste Kompliment überhaupt gemacht. Es sagte: „Weihnachtsmann, wenn ich groß bin, dann heirate ich nur dich.“ Und was wünscht sich der Weihnachtsmann zu Weihnachten? „Gesundheit, Gesundheit, Gesundheit – und dass wir das noch sehr, sehr lange machen können.“