Edelgemüse : Erster Biospargel aus Beelitz

Die meisten Stangen in den Regalen der Bioläden kommen bisher aus Italien, Spanien, Peru oder sogar China.

Thomas Syring setzt als erster Spargelbauer in Beelitz auf den Anbau von grünem und weißem Biospargel.
Thomas Syring setzt als erster Spargelbauer in Beelitz auf den Anbau von grünem und weißem Biospargel.Foto: Eva Schmid

Zauchwitz - Zwischen den Dämmen sprießt das Unkraut, am Rande des Spargelfelds liegt ein großer Haufen Pferdemist. Der Beelitzer Landwirt Thomas Syring läuft über seinen neuen Acker. Im nächsten Jahr will er dort den ersten Biospargel aus Beelitz stechen. 

Biospargel aus Beelitz - eine Marktnische?

„Der Markt wird immer enger, da sucht man sich seine Nische“, erklärt der 39-Jährige, der 2016 den Betrieb seiner Eltern in Zauchwitz übernommen hat und der von biologischer Landwirtschaft überzeugt ist. Auf dem Syringhof laufen bereits seit Jahren der Bio- und der konventionelle Anbau parallel. Es war der Sohn, der kurz nach seinem Studium den Bioanbau im elterlichen Betrieb vorangebracht hat – bisher vor allem mit dem Anbau von Kürbissen, aus denen Öl gewonnen wird und deren Kerne weiter veredelt werden. 

Dass jetzt auch der Spargel dazukommt, liegt daran, dass Syring dafür einen Markt sieht. Regionale Bioprodukte, angebaut vor den Toren Berlins, fänden ihren Absatz, ist sich Syring sicher. Das Interesse der Bio-Supermarktkette Bio Company an weißem und grünem Biospargel sei groß. Die meisten Stangen in den Regalen der Bioläden kommen aus Italien, Spanien, Peru oder sogar China. 

Spargelstechen.
Spargelstechen.Symbolfoto: Uwe Anspach/dpa

Auch wenn jetzt schon Biospargel auf den Feldern wächst, darf das Edelgemüse erst ab der nächsten Saison in den Verkauf. Erst dann ist Syrings Spargel nach dem EU-Biosiegel zertifiziert. Der Unterschied zum normalen Anbau bestehe darin, dass die Felder vor allem mechanisch, also per Hand, bearbeitet werden, dazu zählt unter anderem auch das Unkrautjäten. Gedüngt wird nur mit Pferdemist. Im normalen Anbau kommt organischer und synthetischer Dünger zum Einsatz. Schädlinge werden mit natürlichen Präparaten, zum Beispiel aus Rapsöl, bekämpft – „mit überschaubarem Erfolg“. 

Die Folien auf den Dämmen wird es auch beim Biospargel weiterhin geben. Sie werden benötigt, um das Wasser in den Dämmen zu halten, verhindern das Unkrautwachstum und schützen den sandigen Boden vor Erosionen durch Windböen. „Die Folie ist nicht nur für den schnellen Ertrag gedacht, sondern aus vielen Gründen hilfreich.“ Nach zehnjährigem Gebrauch werde sie recycelt. 

Biospargel kostet ein Drittel mehr

Den weißen und grünen Biospargel wird Syring zunächst auf 4,5 Hektar anbauen, geplant ist, die Fläche später auf rund zehn Hektar zu vergrößern. Syring schätzt, dass der Biospargel rund ein Drittel mehr kosten wird als der konventionelle. Das liege vor allem auch daran, dass mehr Handarbeit in die Pflege des Spargels gesteckt werde. Während der Saison könnten die Stangen demnach zehn bis zwölf Euro pro Kilo kosten. 
Mit der diesjährigen Spargelsaison, die traditionell am kommenden Montag, an Johanni, endet, ist Syring zufrieden. Es sei eine lange Saison gewesen, die bereits Anfang April startete und damit wesentlich länger dauerte als im vergangenen Jahr. So erntete Syring auf seinen insgesamt 45 Hektar 200 Tonnen Spargel. Bis zum Wochenende können die Kunden bei ihm ein letztes Mal zugreifen. 

Den Spargel aus Klaistow wird es noch bis Ende nächster Woche geben. Spargelbauer Ernst-August Winkelmann vom Spargelhof Buschmann & Winkelmann kam auf 6000 Tonnen, die er auf rund 800 Hektar Anbaufläche erntete. Der Spargel sei in diesem Jahr gleichmäßig gewachsen, so Winkelmann. Denn es sei nicht zu warm geworden – weder für den Spargel, noch für die Verbraucher. Bei Temperaturen zwischen 18 und 25 Grad haben die Verbraucher übrigens den größten Hunger auf Spargel. 

Spargelernte - Gibt es in Beelitz bald Bio?
Spargelernte - Gibt es in Beelitz bald Bio?Symbolfoto: Uli Deck/dpa

Spargelbauer Winkelmann spricht im Gegensatz zum Vorsitzender des Beelitzer Spargelvereins, Jürgen Jakobs, nicht von einem Rekorderntejahr, sondern lediglich von einer guten Ernte. Der Geschäftsführer der Jakobs Spargelhöfe geht indes von einer Rekordernte wie 2017 aus: In Brandenburg rechne man in diesem Jahr insgesamt mit einem Ertrag von 22.000 Tonnen, so Jakobs. Das wäre die gleiche Menge wie im Jahr 2017. Damals war das der höchste Ertrag an Spargel seit 1991. „Wir sind rundum zufrieden mit der Ernte und dem Verkauf“, so Jakobs. Im Vorjahr waren die Bauern weniger guter Dinge: Die Stangen konnten wegen der anfänglich kühlen Witterung erst spät gestochen werden. Dann kam es durch die anhaltende Wärme zu einem Überangebot, die Preise rutschten ab. „Diese Saison gab es eine vernünftige Menge zu fairen Preisen.“ 

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