Potsdam-Mittelmark : Eckgrundstück ist doppelt teuer

Beim Straßenausbau werden Teltows Hausbesitzer zweimal zur Kasse gebeten

Kirsten Graulich

Teltow - Wer ein Eckgrundstück besitzt, muss nicht nur seine Anliegerpflichten doppelt erfüllen, er muss in Teltow auch höhere Beiträge beim Straßenausbau zahlen. Für Anwohner von Eckgrundstücken gilt, dass ebenso die Kosten doppelt so hoch sind als die ihrer Nachbarn, deren Grundstücke nur an einer Straße angrenzen. Das Problem mehrfach erschlossener Grundstücke, wie Eckgrundstücke auf Amtsdeutsch heißen, rückt nun wieder ins Blickfeld seit die Stadt den Siedlungsstraßenbau voranbringen will.

Jüngst war das Thema auf einer Informationsveranstaltung des SPD-Ortsvereines von einigen Bürgern angesprochen worden, die auf das Beispiel in der Nachbargemeinde Stahnsdorf verwiesen. Dort hatten die Gemeindevertreter im April 2002 im Paragraph 6 der Erschließungsbeitragssatzung beschlossen, dass für Eckgrundstücke der „umlagefähige Aufwand für jede Erschließungsanlage nur mit zwei Dritteln anzusetzen“ sei. Vorausgesetzt, dass die Grundstücksfläche nicht die durchschnittlichen Flächengrößen im Abrechnungsgebiet übersteigt.

Mit der Ermäßigung reagierte die Nachbargemeinde auf die Ungerechtigkeit, die Anwohnern auferlegt wird, indem sie doppelt zahlen müssen, weil ihr Grundstück an zwei Straßen grenzt. In Teltow habe es vor Jahren bereits einen Vorstoß von Seiten der SPD-Fraktion gegeben, eine gerechtere Lösung für Eckgrundstücke in die städtische Satzung einzubringen, erklärte dazu SPD-Ortsvereinschef Frank Fromm. Er bedauerte, dass seine Fraktion mit ihrem Antrag gescheitert sei.

Für Christa Becker aus der Johann-Sebastian-Bach-Straße ist das wenig tröstlich. Da eine Seite ihres Grundstück auch an die Griegstraße grenzt, treffen sie jetzt die doppelten Kosten beim Straßenausbau. Für beide Straßen gibt es bereits Planungen, über die sich Christa Becker im Bauamt informiert hat. Auf sie würden so Kosten von rund 18 000 Euro zukommen, hat sie bereits ausgerechnet und kann seitdem nicht mehr ruhig schlafen. Denn als Witwe und Rentnerin übersteige das ihre Ersparnisse bei weitem.

Das Haus sei ihre Sicherheit fürs Alter, hatten sie und ihr Mann einst geglaubt. Viel Arbeit und Geld hatten beide in das Anwesen investiert. Vor einigen Jahren musste das Dach neu eingedeckt werden, kurze Zeit darauf erfolgte der Anschluss an das Abwassernetz. Ähnlich wie Christa Becker erging es den meisten Anwohnern im Musikerviertel, die dort seit DDR-Zeiten leben.

Auch viele Neuzugezogene müssen einen Kredit für ihr Eigenheim ableisten. Nur wenige sind deshalb an einem Ausbaustandard à la Chopinstraße interessiert. Aus diesem Grunde will sich der Bauausschuss noch einmal auf seiner nächsten Sitzung mit den vorgelegten Planungen beschäftigen, weil die bisher nicht dem von den Stadtverordneten beschlossenem Minimalstandard entsprachen.

Auch die Frage, ob es sich bei den zu bauenden Straßen um eine Erschließung oder um einen Ausbau handelt, muss noch geklärt werden. Bisher wurden Straßen wie die An den Lindbergen und die Chopinstraße vom Bauamt als Erschließungsstraßen bewertet. Dagegen haben Anwohner dieser Straßen geklagt, denn sie müssen bei Erschließung 90 Prozent der Kosten tragen statt 70 Prozent, die bei Ausbau erhoben werden. Ein Gutachten hat die Stadt deshalb in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis aber bisher nicht öffentlich bekannt gegeben wurde, wie Frank Fromm den PNN bestätigte. Kirsten Graulich