Potsdam-Mittelmark : Dörflich internationaler „Fliederhof“

Juliane Syring hat in Luxushotels gelernt – jetzt ist sie wieder auf der heimischen Scholle

Hagen Ludwig

Michendorf · Stücken - Bunter Kräutersalat mit Beelitzer Kürbiskernöl, Birnen, Walnüssen und Hähnchenspieß: Die kleine Speisekarte im Stückener „Fliederhof“ hält einige Überraschungen bereit. Auch das Rettich-Carpaccio oder den mit Oliven und Tomaten überbackenen Zander (7,80 Euro) gibt es nicht in jeder Dorfgaststätte. Eher das rustikale Bauernfrühstück.

Ländliches Flair und niveauvolle Gastlichkeit zu vereinen, hat sich die 28-jährige Juliane Syring auf die Fahnen geschrieben. Bodenständigkeit und europäischen Weitblick vereint die Existenzgründerin, die vor einigen Wochen den „Fliederhof“ in der Stückener Dorfstraße 21 eröffnet hat, auch in ihrer Person.

Als Tochter des Beelitzer Spargelbauern Karl-Ludwig Syring zog es sie nach dem Abitur am städtischen Gymnasium schnell in die Ferne. Im berühmten Touristenort Rothenburg ob der Tauber erlernte sie den Beruf einer Hotelfachfrau. Danach arbeitete sie einige Monate im Londoner Luxushotel „Dorchester“, absolvierte eine Ausbildung zur Hotelbetriebswirtin in Hamburg, wurde stellvertretende Restaurantleiterin in einem Schweizer Vier-Sterne-Hotel.

Jetzt kehrte Juliane Syring wieder auf die heimische Scholle zurück – doch dieser Weg sei für sie von Anfang klar gewesen. Ihre Eltern kauften vor einigen Jahren einen alten Bauernhof in Stücken zu DDR-Zeiten von der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) genutzt. Das Anwesen hat sie nun gepachtet – wo einst Kühe und Schweine standen, laden jetzt zwei gemütliche Gasträume unter der originalen Kappendecke mit insgesamt 40 Plätzen ein. Im alten Rübenkeller soll ab Herbst ein kleines Weingewölbe eröffnet werden. Vor dem „Fliederhof“ und unter der mächtigen Tordurchfahrt locken noch einmal 40 Außenplätze. Im hinteren Teil des Gebäudes entstanden drei gemütliche Pensionszimmer.

Regionale Produkte anzubieten, fällt Juliane Syring und ihren zwei Mitarbeitern nicht schwer. Der Vater liefert zur Saison den frischen Spargel, ihr Bruder Thomas Syring hat sich auf ökologischen Kürbisanbau spezialisiert.

Den Wein gibt es unter anderem vom Pfälzer Weingut Syring-Lingenfelder, doch hier ist die Namensgleichheit eher ein Zufall. Vater Syring hatte seinen Namensvetter einmal auf einer Messe kennengelernt und dauerhafte Verbindungen geknüpft. Juliane Syring bietet unter anderem den frischen Riesling und den weichen Weißburgunder an. Aber auch den fruchtigen Müller-Thurgau vom Werderaner Wachtelberg hat sie als regionale Spezialität im Angebot.

Natürlich profitiert der „Fliederhof“ von seiner Lagegunst mitten im Naturpark Nuthe-Nieplitz. Juliane Syring kann die schönsten Touren empfehlen oder den Weg zum nächsten Storchennest zeigen. Häufig kommt Adebar auch direkt zum „Fliederhof“ und landet auf dem alten LPG-Schornstein. Eine Sondervorstellung für die Besucher. Sie kommen aus Berlin und Potsdam, viele davon mit dem Fahrrad – auch aus den USA und den Niederlanden konnte Juliane Syring schon Gäste begrüßen. Dörflich international – so lässt sich die Symbiose des „Fliederhofs“ wohl am besten beschreiben.

„Lust auf das Land“– ein solches Konzept verfolgt auch Ulrike Laun im nur wenige Kilometer entfernten Dörfchen Körzin. Auch sie bietet Leckerbissen aus der Region und einen guten Wein sowie zwei Pensionszimmer (PNN berichteten). Doch Konkurrenz soll es nicht geben. Gemeinsam mit dem bereits etablierten „Landhaus zu Stücken“ will man jetzt noch mehr Gäste in die Region locken. Kleine Konzerte, Lesungen und andere Kulturveranstaltungen könnten vereint oder zumindest abgestimmt organisiert werden.

Der „Fliederhof“ soll Gemütlichkeit verströmen bei jedem Wetter. Da ist Flexibilität gefragt. Als der Sommer jetzt eine Pause einlegte und Nebel über den Blankensee kam, wurde kurzerhand mit heißem Eintopf geworben. Die Werbetafel hat die Form eines kleinen Holzhauses, wie sie oft vor Schweizer Gaststätten zu sehen ist. Nun auch in Stücken.

„Fliederhof“, Stückener Dorfstraße 21, geöffnet mittwochs bis sonntags ab 11 Uhr