Diskussionsrunde in Werder (Havel) : "Wir sind nicht gefeit vor Fake News"

Journalisten vom Deutschlandfunk, Info-Radio und dem ARD Hauptstadtstudio diskutierten mit Werderanern über die Rolle der Medien. Die Gesprächsreihe soll sich etablieren.

Enrico Bellin
Am Werderaner Gymnasium soll ab jetzt alle zwei Monate diskutiert werden. Für März ist bereits Juso-Chef Kevin Kühnert angekündigt.
Am Werderaner Gymnasium soll ab jetzt alle zwei Monate diskutiert werden. Für März ist bereits Juso-Chef Kevin Kühnert...Johanna Bergmann

Werder (Havel) - Medien können sich keine Fehler mehr leisten, beschwören nicht mehr jeden Tag Skandale und sind im Umgang mit der AfD professioneller geworden. Das jedenfalls sagte Arndt Henze, WDR-Korrespondent im ARD-Hauptstadtstudio, am Donnerstagabend bei den ersten Werderaner Gesprächen im Ernst-Haeckel-Gymnasium. Unter dem Motto „Fake News und alternative Fakten – welche Rolle spielen Medien in unserer Gesellschaft?“ diskutierte Henze gemeinsam mit Inforadio-Chef David Biesinger und Deutschlandfunk-Korrespondent Falk Steiner vor etwa 50 Besuchern. Moderiert wurde der Abend vom Politiklehrer Pierre Kabisch, der auch die Idee zu der zweimonatlich stattfindenden Reihe hatte.

Die Behauptung des Verfassungsschutzchefs war falsch

„Fehler können wir uns heute nicht mehr leisten. Da werden wir im Diskurs in den sozialen Medien sofort auseinandergenommen“, sagte Henze. Das habe der Fall eines von der ARD geteilten Videos einer Menschenjagdszene in Chemnitz gezeigt, dessen Echtheit Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen anzweifelte. „Was Maaßen da behauptet hat, ist aber eindeutig falsch“, so Henze. 
Von dieser Äußerung fühlte sich ein Besucher zum Zwischenruf „Sie wollen nicht informieren, Sie wollen erziehen!“ provoziert – er halte das Video der Antifa für gefälscht. Woraufhin Falk Steiner ausführlich erklärte, wie Experten das Video auf seine Echtheit geprüft haben. „Diese Menschen prüfen sogar den Schattenwurf der Kirche und Löcher im Asphalt, um herauszufinden, ob das Video am richtigen Tag zur richtigen Zeit am richtigen Ort gedreht wurde.“
„Es gibt bei uns inzwischen eine Abteilung von Kollegen, die nichts anderes machen, als solche Fakten zu prüfen“, bestätigte auch David Biesinger. Zwar würden noch immer Fehler passieren. Diese würden aber zum Teil darauf beruhen, dass nicht immer die richtigen Fakten zur Verfügung gestellt würden – wie nach der Neujahrsnacht 2015/16, als die Polizei Übergriffe in Köln tagelang verschwiegen hat.

Medien müssen politisches System erklären

Vor falschen Nachrichten ist Deutschland sicher nicht gefeit, ist sich auch Falk Steiner sicher. „Die freiheitlich-demokratische Grundordnung muss jeden Tag neu erstritten werden.“ Vielen Menschen sei nicht bewusst, wie das politische System in Deutschland funktioniert. Auch das müssten Medien erklären. 

Die nächsten Werderaner Gespräche im Ernst-Haeckel-Gymnasium finden am 15. November zum Thema „Demokratie in Russland“ statt

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