Potsdam-Mittelmark : Die Welt zugänglich machen

Kenntnisse über Barrierefreiheit erhöhen Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Barrierefrei im Netz. Blinden hilft beim Lesen eine Braillezeile, die den Bildschirminhalt in Punktschrift anzeigt.
Barrierefrei im Netz. Blinden hilft beim Lesen eine Braillezeile, die den Bildschirminhalt in Punktschrift anzeigt.Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-tmn

Wer im Internet surft, muss mit dem Arm die Maus bewegen können. Wer dort Videos anschaut, muss sehen und hören können. Und wer Texte liest, muss sie verstehen können. Klingt banal, ist es aber nicht. Denn für Menschen mit Behinderung sind solche scheinbaren Selbstverständlichkeiten oft unüberwindbare Hürden. Um das Internet und andere wichtige Teile des Alltagslebens auch für sie zugänglich zu machen, gibt es das Konzept der Barrierefreiheit – und Spezialisten, die sich darum kümmern.

Einer dieser Spezialisten ist der Webdesigner und Berater Jan Hellbusch. Er sorgt dafür, dass Webseiten für Menschen mit verschiedenen Behinderungen nutzbar sind: „Sehbehinderte haben zum Beispiel bestimmte Anforderungen an Farben und Kontraste“, nennt er ein Beispiel. Wichtig ist je nach Behinderung des Nutzers außerdem, dass sich Internetangebote gut per Tastatur bedienen lassen, Videos Untertitel haben oder Webseiten mit Screenreadern zusammenarbeiten. Das sind kleine Programme, die blinden Nutzern Texte vorlesen. „Wer über die erforderlichen Qualifikationen verfügt, hebt sich von anderen Bewerberinnen ab“, sagt Jutta Croll, Vorsitzende der Stiftung Digitale Chancen. „Das gilt nicht nur für Programmierer und Anwendungsentwickler, denn Barrierefreiheit betrifft neben den technischen Aspekten digitaler Kommunikation auch die Inhalte.“ Die entsprechenden Qualifikationen zu bekommen, ist oft aber gar nicht so leicht. Bei der Ausbildung zum Webdesigner, also zum Mediengestalter Digital, spielt das Thema laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zum Beispiel keine Rolle. „Wer sich mit Barrierefreiheit befasst, bezieht seine Motivation oft aus eigener oder indirekter Betroffenheit“, sagt Croll. Doch die Expertin kann sich vorstellen, dass der Bedarf nach Spezialisten für Barrierefreiheit in Zukunft steigt, auch als eigenes Berufsbild. dpa