Die rätselhafte Goldmedaille in Kleinmachnow : Goldenes Rätsel gelöst

Wem gehörte die olympische Goldmedaille von 1932? Vermutlich Horst Hoeck. Der Ruderer ließ die Medaille nach einer abenteuerlichen Flucht zurück.

Björn Stelley
Das Foto zeigt den Vierer mit Steuermann des Berliner Ruderklubs, der die Goldmedaille für Deutschland gewann. Der dritte von links ist Horst Hoeck.Alle Bilder anzeigen
Foto: Friedrich Rohrmann/dpa picture alliance
11.08.2015 22:25Das Foto zeigt den Vierer mit Steuermann des Berliner Ruderklubs, der die Goldmedaille für Deutschland gewann. Der dritte von...

Kleinmachnow - Das Rätsel um die in Kleinmachnow gefundene olympische Goldmedaille scheint gelöst. Demnach gehört das bei Sanierungsarbeiten in der Kita „Waldhäuschen“ hinter einer Wand entdeckte olympische Gold von 1932 dem Berliner Ruderer Horst Hoeck.

Des Rätsels Lösung hatte Volker Kluge, Sportjournalist und Herausgeber des „Journal of Olympic History“. „Mich hatte morgens eine Wissenschaftlerin aus den USA angerufen und gefragt, ob die Medaille nicht dem polnischen Leichtathleten Janusz Kusocinski gehöre“, sagt Kluge den PNN. Kusocinski gewann in Los Angeles Gold über 10 000 Meter. Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er im Untergrund, wurde 1940 von der Gestapo verhaftet und wenig später ermordet. „Die Anruferin meinte, vielleicht sei es Kusocinskis Goldmedaille und die Gestapo könnte die Medaille in dem Haus versteckt haben“, so Kluge.

Berliner Hoeck hat vermutlich in Kleinmachnow gewohnt

Diese Variante erwies sich schnell als äußerst unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass Horst Hoeck für eine Weile selbst in dem Haus in Kleinmachnow gewohnt hatte. „Das Familienhaus in der Wilmersdorfer Straße in Berlin war im Krieg zerstört worden“, sagt Kluge. „Viele Berliner sind damals in die Randbezirke gezogen, da dort nicht alles zerstört war.“

Horst Hoeck hatte mit dem Gewinn der olympischen Goldmedaille von 1932 seinen sportlichen Höhepunkt erreicht. 1933, nach dem Tod seines Vaters Wilhelm, übernahm er dessen Kneipe in Berlin-Charlottenburg. „Zu dieser Zeit war er noch mit der wenig erfolgreichen Ufa-Schauspielerin Margot Milesi verheiratet“, sagt der Autor Matthias Gerschwitz den PNN. Gerschwitz hat mit „Molle und Medaille“ ein Buch über die Geschichte der Alt-Berliner Kneipe „Wilhelm Hoeck“ geschrieben und kennt auch die Geschichte von Ruderer Hoeck. „Nach der Scheidung von der Schauspielerin heiratete er 1942 Ingrid Patermann“, sagt Gerschwitz. Patermanns Vater besaß die Biomalz-Fabrik in Teltow und suchte einen Betriebsleiter, so Gerschwitz.

Warum ließ Hoeck die Goldmedaille zurück?

Unklar ist nach wie vor, welche Verbindung Dr. Werner Brune mit Horst Hoeck hat. Das Haus, in dem die Medaille vor rund zwei Wochen gefunden wurde, ist 1939 erbaut worden. Laut Gemeinde gehörte es zu dieser Zeit Dr. Brune. Die Vermutung, dass Brune vielleicht Teil des offiziellen Stabes der olympischen Abordnung war, ist so gut wie ausgeschlossen. Im Deutschen Sport- und Olympiamuseum ist der Name unbekannt, bestätigte Archivar Gregor Baldrich den PNN. In den Archiven der Deutschen Sporthochschule in Köln ist Brune nicht vermerkt, so Ansgar Molzberger vom dortigen Institut für Sportgeschichte. Auch in Beckmanns Sportlexikon von 1933 finde sich kein Eintrag zu „Werner Brune“, so der Sportwissenschaftler.

Warum Horst Hoeck die Medaille in Kleinmachnow zurückließ, kann Autor Gerschwitz erklären. „Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Biomalz-Fabrik in Teltow zur sowjetischen Besatzungszone.“ Die Sowjets wollten, Gerschwitz zufolge, recht schnell wieder Deutsche in bestimmte Führungspositionen stecken. Hoeck sollte kommissarisch in Ostberlin für Lebensmittel- und Getränke zuständig sein. „Dieses Angebot lehnte Hoeck mit den Worten ab, er sei kein Kommunist“, sagt Gerschwitz. Daraufhin wurde er von den Sowjets verhaftet. „Während eines Verhörs ist er aus dem dritten Stock gesprungen und verletzte sich dabei schwer.“ Im Militärkrankenhaus sei schnell festgestellt worden, dass die Verletzungen so schwer sind, dass sie nur in einem zivilen Krankenhaus behandelt werden können. „Er musste also verlegt werden und das machte sich seine Frau zunutze“, sagt Gerschwitz. Hoecks Ehefrau fuhr mit einem Westberliner Krankenwagen zum Militärkrankenhaus und holte ihren Mann ab. „Als später der Militärkrankenwagen kam, um Hoeck zur eigentlichen Verlegung abzuholen, waren beide schon so gut wie in Westberlin“, schmunzelt Autor Gerschwitz.

Und wem gehört die Medaille heute?

Nun lag für Hoeck die in Los Angeles erruderte Goldmedaille zwar um die Ecke in Kleinmachnow. Doch die Grenze und später die Mauer machten das olympische Gold für ihn unerreichbar. Bis zu seinem Tod 1969 führte er die Kneipe in Berlin-Charlottenburg.

Wem die Goldmedaille heute gehört, ist noch unklar, womöglich aber der Gemeinde, heißt es aus dem Rathaus. Dort liegt sie übrigens erneut in einem Tresor.