Potsdam-Mittelmark : Der jüngste Kandidat

Matti Karstedt ist 18 Jahre alt, Schüler und will für die FDP in den Landtag. Er möchte Unterricht lebensnäher machen

Potsdam-Mittelmark - Er ist 18 Jahre alt, Schüler und in der FDP. Matti Karstedt aus Groß Kreutz ist Brandenburgs jüngster Kandidat zur Landtagswahl und will für die Liberalen am 14. September das Direktmandat im Wahlkreis 16 erkämpfen.

Seit Anfang 2013 ist der rot-blonde junge Mann mit den wachen Augen Mitglied der Julis, der Jugendgruppe der FDP. Damals hatte die Partei bei der Landtagswahl in Niedersachsen noch 9,9 Prozent erhalten. „Heute nennt man den Parteinamen etwas leiser, wenn man danach gefragt wird“, gibt Matti zu.

Politisch interessiert ist Matti schon jahrelang. „Ich habe dann mehrere Parteiprogramme gelesen, und das der FDP hat mich einfach am meisten überzeugt“, so der Schüler des Werderaner Ernst-Haeckel-Gymnasiums.

Auch er findet, dass der Staat sich auf ein Minimum beschränken soll. „Man sollte doch wirklich mehr als die Hälfte seines Lohnes behalten können“, sagt er: liberale Urgedanken im Kopf eines Elftklässlers. Matti möchte in die Landespolitik, um endlich einmal Grundlegendes zu ändern. Als Schüler denkt er da natürlich besonders an die Bildungspolitik. Gegen Unterrichtsausfall müsse stärker vorgegangen werden, auch das Schulsterben will er aufhalten. In seiner Gemeinde Groß Kreutz gibt es, wie in vielen Brandenburger Kommunen, keine weiterführende Schule mehr. Fast eine Stunde sei er zum Gymnasium unterwegs, kaum einen Tag vor 16 Uhr zu Hause – und das ohne Ganztagsschule. Zudem müsse der Lehrplan lebensnaher gestaltet werden. „Man lernt so viele unnütze Sachen, bekommt aber beispielsweise in Biologie keine fundierte Ausbildung zur Ersten Hilfe.“

Da ihm deshalb an einigen Stellen die Motivation gefehlt habe, wiederholt Matti Karstedt nun die elfte Klasse. Die gewünschten Leistungskurse des Hobby-Programmieres, Informatik und Politik, kamen in Werder nicht zustande. Deshalb hat er sich für die Kombination Geschichte/Physik entschieden. Ohnehin wolle er sein Leben nicht gänzlich der Politik widmen, der Schüler will lieber Jura oder Informatik studieren.

Seine Chancen am Wahlabend kann der gebürtige Potsdamer, der seit 15 Jahren in Groß Kreutz lebt, kaum realistisch einschätzen. „Mein Traum wären natürlich weit mehr als 50 Prozent, aber ich habe keine Ahnung, wo ich tatsächlich landen werde“, sagt Karstedt. Sein Vorgänger Florian Linckus hatte bei der Landtagswahl 2009 nur fünf Prozent der Erststimmen bekommen in dem Wahlkreis, zu dem neben Groß Kreutz auch die Gemeinden Kloster Lehnin, Ziesar, Wusterwitz und Beetzsee sowie die Stadtteile Görden und Plaue von Brandenburg (Havel) gehören.

Von der Zahl lässt sich Matti Karstedt aber nicht abschrecken. Auch wenn ihn sein Landes-Chef Hans-Peter Götz vor der „undankbaren Aufgabe“ gewarnt hat. „Ich bin vielleicht etwas naiv, aber ich will mich nicht schon vor der Wahl mit Ergebnissen abfinden.“ So klebte er mit Freunden und Familie fleißig Wahlplakate und stellt sich an Wahlständen Menschen, die oft gar keine inhaltliche Diskussion wollten, sondern sich nur über die Partei lustig machen.

Mattis Eltern waren von seinem Parteieintritt wenig begeistert. „Sie sind keine Freunde der FDP, aber da sie freiheitsliebend sind, akzeptieren sie meine Wahl.“ Zu einzelnen Themen gebe es Diskussionen am Küchentisch, neben der Bildung liegt ihm die Sicherheitspolitik des Landes am Herzen. „Rein rechnerisch kommen auf einen Streifenwagen 25 000 Brandenburger“, daran wolle die FDP etwas ändern und die Polizeireform in Brandenburg teilweise rückgängig machen.

Doch nicht mit allen Positionen der Partei kann sich der Schüler anfreunden. So will er Fracking, die umstrittene Methode, mit Chemikalien Öl aus Gesteinen herauszulösen, nicht generell erlauben. Auch die Technik zur Abscheidung von Kohlenstoff aus Abgasen und dessen unterirdische Speicherung (CCS), zu der es in der Nachbargemeinde Ketzin eine Versuchsanlage gibt, müsse vor einem größeren Einsatz weiter erforscht werden.

Ohnehin sieht Matti das größte Potenzial des Landes nicht in Industrieanlagen, sondern in der Kreativität seiner Bewohner. Er selbst programmiert, seit er 13 Jahre alt ist, das Meiste hat er sich selbst beigebracht. Sein Hobby verbindet er mit der Politik, er programmierte unter anderem seine eigene Webseite und die der Julis. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt ihm neben Schule und Politik nicht, doch eine Leidenschaft pflegt er weiter: das Schlagzeug. Nicht in einer Band, sondern ganz für sich allein zu Hause im Kinderzimmer. „Oft ist es abends ein guter Ausgleich, da einfach nur mal draufzuhauen.“

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