Potsdam-Mittelmark : Der Don Quichote von Ruhlsdorf

Der Imker Frank Mohrmann baut in Ruhlsdorf ein Bienenmuseum auf

Ariane lemme
Stillgelegt: Zu DDR–Zeiten waren fahrende Bienenstöcke verbreitet, heute steht einer in Mohrmanns Garten.Alle Bilder anzeigen
Foto: Ariane Lemme
15.07.2011 22:30Stillgelegt: Zu DDR–Zeiten waren fahrende Bienenstöcke verbreitet, heute steht einer in Mohrmanns Garten.

Teltow - Ganz gelassen lässt Frank Mohrman sich von der Biene auf seiner Hand stechen, dann setzt er sie behutsam in den Stock zurück. Mohrmann hat ein Ziel: Er will mehr Menschen in der Region für das Imkern begeistern. Nicht nur, weil Bienen seine Leidenschaft sind, sondern vor allem deshalb, weil in Brandenburg rund 100 000 Bienenvölker fehlten. Ein Grund dafür ist die in den 1970er Jahren aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe. Das Problem: „Ganz egal, was bestäubt werden muss, Bienen sind von allen Hautflüglern die fleißigsten“, sagt Mohrmann. So schafft es ein Bienenstock im Jahr bis zu 80 Kilogramm Honig zu sammeln.

Um sein Wissen an andere weiterzugeben, hat Mohrmann vor zwei Jahren das Bienarium erfunden, ein lebendiges Bienenmuseum, das derzeit noch in der Aufbauphase ist. „Es soll den Besuchern eine engere Verbindung zur Natur ermöglichen“, so Mohrmann. Am heutigen Samstag bietet er dort erstmals einen Erlebnisnachmittag für Kinder und Erwachsene an. Neben allen biologischen Fakten, die sich bei einem Rundgang über das Gelände fast nebenbei erschließen, ist auch ein wenig Spannung geplant: Beim Bienenrennen werden die Völker mit Dispersionsfarbe markiert und bis an den nahegelegen Waldrand gefahren. Wer auf den richtigen Stock gesetzt hat, kann damit ein eigenes Bienenvolk gewinnen. Neben 25 Bienenstöcken gehören auch antike Imkerwerkzeuge, ein alter Bienenwagen und blühende Bienenweiden zum Freiluftmuseum. Vor allem liegen Mohrmann die Führungen für Kitas und Schulen am Herzen. „Anders als Erwachsene sind Kinder bereit, mit ihren Sinnen zu lernen“, ist er überzeugt. Bei den Exkursionen wird nicht nur Honig, der zum Beispiel intensiv nach der im Garten wuchernden Pfefferminze schmeckt, verkostet. Die Kinder dürfen ihn auch selbst schleudern oder Kerzen und Wachsplatten gießen.

Bei allem wird stets Mohrmanns Philosophie deutlich: Er will die Natur so weit wie möglich sich selbst überlassen. Auf diese Art könnten sich seine Bienen langfristig auch von der Varroa-Milbe befreien. Um zu zeigen, was die Schmarotzer anrichten, hebt er eine Biene vom Boden auf, die sich trotz des kühlen Wetters aus dem Stock gewagt hat. „Zum Sterben verlassen sie ihr Volk, um es nicht zu belasten“, so der Imker und deutet auf die verkümmerten Flügel. Sie sind eine Folge des Milbenbefalls. Um seine Völker gesund zu halten, füttert Mohrmann die Bienen – anders als viele Großimkereien – im Winter nicht mit Fabrikzucker. Dafür verzichtet er auf einen Teil der Honigausbeute: Er überlässt sie seinen Tieren als Winterproviant. Mit diesem Nährstoff versorgt schaffen es die Bienen, die Temperatur im Stock Sommer wie Winter relativ konstant bei 30 Grad zu halten, überlebenswichtig für die Königin. Mohrmann selbst kann von seiner Lebensaufgabe nicht leben. „Unsere Basis ist das Gästehaus, das wir hier seit er Wende betreiben.“ Seit er vor gut zwanzig Jahren nach Teltow zog, baut er an der ehemaligen Ruine einer Ruhlsdorfer Hofwirtschaft herum. Mit Lehm und Glindower Backsteinen hat Mohrmann das Haus aufgestockt und angebaut. Im Gemäuer eines Nebengebäudes sind unzählige kleine Löcher zu sehen, 1 500 insgesamt. Die Hummeln, die darin leben, machen im Frühjahr Lärm wie ein ganzer Flughafen, nur viel schöner“, lacht der Imker.

Sein nächstes Projekt ist eine Kraft-Wärme-Kopplung am Haus, um sich energetisch unabhängiger zu machen. Naturschutz endet für ihn nicht am Gartenzaun, er engagiert sich seit Jahren in verschiedenen Landschaftschutzorganisationen. „Manchmal komme ich mir dabei aber vor wie Don Quichote“, sagt er beim Abschied leise.

Naturerlebnistag, Samstag den 16. Juli von 13 bis 17 Uhr im Samatenweg 5.