Potsdam-Mittelmark : Das größte Flugboot der Welt

Vor 70 Jahren wurde Flug-Pionier Adolf Rohrbach in Stahnsdorf begraben

Gerhard PetzholtzD
Rohrbachs Grabstein stammt vom umstrittenen Bildhauer Arno Breker.
Rohrbachs Grabstein stammt vom umstrittenen Bildhauer Arno Breker.Foto: A. Klaer

Stahnsdorf - Auf dem Südwest-Kirchhof in Stahnsdorf ruht der Pionier der Flug-Geschichte Adolf Rohrbach. An seinem Grab wird die Symbolfigur des Menschenflugs dargestellt: ein Ikarus, gefertigt von Hitlers Star-Bildhauer Arno Breker. Wer war Adolf Rohrbach? Er wurde vor 120 Jahren, am 28. März 1889, in Gotha geboren und verstarb am 6. Juli 1939 auf Sylt – vor 70 Jahren. Sein Vater Carl war Schuldirektor und Amateurastronom. Der Sohn studierte Schiffsbau an der Technischen Hochschule Darmstadt und arbeitete zunächst als Monteur bei Blohm & Voss in Hamburg.

Aber Rohrbach interessierten Flugzeuge stärker und so ging er nach Friedrichshafen in die Zeppelin-Werke. Im I. Weltkrieg konstruierte er im Zweigbetrieb in Staaken sein erstes Flugzeug – einen Bomber. Seine Idee waren Ganzmetallflugzeuge, anders als die von Junkers. 1924 gründete er die „Rohrbach Metallflugzeugbau GmbH“ in Berlin-Wedding. In der Sprengelstraße wurde eine Werkhalle nach Plänen von Werner March, dem Schöpfer des Olympia-Stadions, errichtet. Um den Versailler Vertrag zu umgehen, gründete Rohrbach in Dänemark ein gleiches Werk für den Zusammenbau der Ganzmetallflugzeuge.

Die Flieger waren so konstruiert, dass sie auf dem Wasser starten und landen konnten – und nannten sich Flugboote. Das „Rohrbach-Riesen-Flugboot“ galt mit einer Flügelspannweite von 37 Metern als das größte der Welt. Rohrbachs aufwendigen Konstruktionen konnten sich nicht durchsetzen. Das Flugboot „Romar“ war allerdings so attraktiv, dass Hitler 1932 mit diesem zu Wahlkämpfen in Deutschland unterwegs war.

Trotzdem stellte sich nach 1933 für Rohrbach kein Erfolg ein, und so übernahm ein Jahr später die Weser-Flugzeugbau GmbH in Bremerhaven das Werk in Berlin, Adolf Rohrbach wurde technischer Direktor und entwickelte nur noch das kleine Amphibien-Reiseflugzeug „We 271“. Adolf Rohrbach war mit der 13 Jahre jüngeren Charlotte, geborene Wilhelm, verheiratet. Rohrbachs hatten private Beziehungen zum Nazi-Regime. Sie war eine bekannte Fotografin, berühmt wurden ihre Aufnahmen der Werke von Arno Breker. Charlotte Rohrbach hat ihren Mann um 42 Jahre überlebt und ist im Juli 1981 von Westberlin nach Stahnsdorf überführt und neben ihrem Mann beigesetzt worden. Gerhard Petzholtz