Potsdam-Mittelmark : Darauf ein Protest-Bier

Fluglärm-Gegner wollen „Luftraumhoheit über den Stammtischen“. Dafür werden jetzt Flaschen beklebt

Thomas Lähns
Hopfen gegen Fluglärm: Sascha Lovich mit dem Protest-Bier.
Hopfen gegen Fluglärm: Sascha Lovich mit dem Protest-Bier.Foto: Thomas Lähns

Potsdam-Mittelmark - Sitzen zwei Caputher im Garten. Sagt der eine: „Du, das da oben im Flieger – das ist doch der Gerd!“ Sagt der andere: „Ja, aber wer sitzt da neben ihm?“ Darauf wieder der erste: „Seine Frau jedenfalls nicht – die würd’ ich auf die Entfernung erkennen“. Diesen und andere Sprüche und Witze werden Biertrinker in Berlin und Brandenburg demnächst öfter auf ihren Flaschen lesen. Sie alle spielen darauf an, dass die Flugzeuge zum neuen Großflughafen Schönefeld besonders niedrig über die Havelseen hinweg brausen sollen.

Die Bürgerinitiative „Fluglärmfreie Havelseen“ und die Braumanufaktur Forsthaus Templin haben gestern rund 20 000 Flaschen Bio-Bier „made in Potsdam“ mit den länglichen gelben Etiketten versehen. „Schildchenkleben im Lärm-Knast“, witzelte einer. Die Flaschen gehen in den Verkauf und sollen die Kunden nicht nur zum Nachdenken anregen, sondern sie auch bewegen, in den Protest einzustimmen. „Wir wollen die Luftraumhoheit über den Stammtischen“, heißt es plakativ in der Projektbeschreibung der BI. Wünschenswert, so Initiativensprecher Peter Kreilinger, wäre dann auch eine rege Beteiligung an der geplanten Volksinitiative für ein erweitertes Nachtflugverbot. Kreilinger rechnet übrigens auch in der Politik mit einem regem Konsum des Protest-Biers: „Uns ist ja bekannt, dass in der Landesregierung eine gewisse Affinität zu Flaschen herrscht“, bemerkte er süffisant.

Die Idee zu dieser Aktion hatte der Berufs-Musiker Sascha Lovich. Der ist vor zwei Jahren mit seiner Familie nach Caputh gezogen und befürchtet wie viele in der Region, dass demnächst Flugzeuge im Drei-Minuten-Takt und in weniger als 1000 Metern Höhe über die Havelseen fliegen werden. „Der Schwielowsee muss das Paradies bleiben“, sagt er. „Nicht nur für die Bewohner, sondern auch für die 1,3 Millionen Tagesbesucher, die es jährlich hier her zieht“, so Lovich. Er trägt sich bereits mit dem nächsten Projekt: Denkbar wäre auch ein Rock-Festival gegen Fluglärm.

Darauf wird auch in den Bier-Parolen angespielt: „Rock in Caputh wegen Düsenlärm abgesagt“, heißt es in einer, „Anflüge im Drei-Minuten-Takt? Nicht mit uns, sonst Bierdusche“, in einer anderen. Die Kreativität der Lärm-Gegner kennt im Moment kaum Grenzen – „auch wenn die Flughafengesellschaft ein wesentlich größeres Marketingbudget hat“, so Kreilinger. Vielleicht greift man ja auch dort irgendwann zur Flasche. Thomas Lähns