Coronavirus in Potsdam-Mittelmark : Homeoffice für Ebay-Mitarbeiter

Ebay in Kleinmachnow lässt 1000 Mitarbeiter von Zuhause arbeiten. Das funktioniert nicht in jeder Firma. 

Eingang der Ebay-Zentrale in Dreilinden bei Kleinmachnow.
Eingang der Ebay-Zentrale in Dreilinden bei Kleinmachnow.Foto: Alina Novopashina/ dpa

Institute und Wirtschaft im Landkreis trifft die Coronakrise hart. Wie das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Bergholz-Rehbrücke den PNN bestätigte, sollen die Forscher derzeit keine neuen experimentellen Versuche starten und auch keine neuen Studien beginnen. 300 Mitarbeiter beschäftigt das Institut – nach Möglichkeit sollen sie im Homeoffice arbeiten, wie der Vorstand den PNN bestätigt. „Laufende Humanstudien sind zurzeit ausgesetzt, das heißt sämtliche Untersuchungstermine wurden abgesagt.“ Unter anderem läuft am DIfE gerade eine Langzeit-Ernährungsstudie, bei der Teilnehmer in Intervallen zu Tests geladen werden. Dadurch verzögern sich die Studien eventuell. Zudem sind viele Konferenzen abgesagt. Nur in absoluten Ausnahmefällen würden noch Dienstreisen genehmigt. Die Kantine ist seit Anfang der Woche nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die Rehbrücker Ernährungsforscher dürfen derzeit keine neuen Experimente oder Studien beginnen.
Die Rehbrücker Ernährungsforscher dürfen derzeit keine neuen Experimente oder Studien beginnen.Foto: Ottmar Winter

"Mir brechen ab sofort alle Einnahmen weg"

Was die Coronakrise für kleinere Unternehmen bedeutet, zeigt der Fall von Isabell Lojek, die in der Potsdamer Allee in Stahnsdorf den Friseurladen „Abschnitt 1“ betreibt. Es gebe Verdachtsfälle auf eine Coronainfektion bei zwei ihrer elf Mitarbeiter, so dass sie ihren Laden auf Anweisung des Gesundheitsamtes am Dienstag schließen musste. Die beiden Kolleginnen, die in Potsdam und Berlin wohnen, würden sich jetzt darum kümmern, dass bei ihnen Test durchgeführt werden, so Lojek.

Den Laden habe sie geschlossen und den Anrufbeantworter entsprechend programmiert. Prinzipiell findet Lojek eine Schließung sinnvoll – auch ohne die beiden Verdachtsfälle wollte sie diesen Schritt am Mittwoch vollziehen. „Wir haben hier Minimum 60 Kunden am Tag bei uns“, sagt sie zur Begründung. Allerdings stellt sie die Schließung vor große finanzielle Probleme. 150 000 Euro habe sie in den 2018 eröffneten Laden investiert, so Lojek. Zudem müsse sie weiterhin die Miete zahlen und in zwei Wochen stünden die Lohnzahlungen an. „Und mir brechen ab sofort alle Einnahmen weg“.

"Nur in absolut dringenden Fällen"

Auch die Arbeit großer Firmen wird vom Virus beeinflusst, etwa am Ebay-Standort in Kleinmachnow. Dort arbeiten rund 1000 Mitarbeiter, wie Sprecherin Lisa Krause den PNN sagte. Nahezu alle würden derzeit im Homeoffice arbeiten. „Wir haben die Mitarbeiter gebeten, nur in absolut dringenden Fällen und dann auch nur für kurze Zeit zum eBay Campus zu kommen, zum Beispiel wenn sie etwas abholen müssen“, so Krause. Auch deutschlandweit habe das Unternehmen nachdrücklich empfohlen, dass alle Mitarbeiter nur noch von Zuhause arbeiten.

Dass das nicht immer funktioniert, zeigte eine PNN-Recherche beim Bundesfinanzministerium am Dienstag. Die Bundesfinanzverwaltung betreibt ein großes Bildungszentrum im Werderaner Ortsteil Plessow, ein Campus inklusive Kantine und Wohnhäusern für die Lehrgangsteilnehmer am Plessower See. Aus der Pressestelle des Finanzministeriums hieß es am Dienstag, dass die PNN-Anfrage nicht mehr beantwortet werden könne, da die Mitarbeiter im Homeoffice seien und es technische Probleme beim Zugriff auf die dienstlichen E-Mails gebe. Ein Ministeriumssprecher bestätigte allerdings, dass „der Präsenzbetrieb derzeit ausgesetzt“ ist. Den Lehrgangsteilnehmern würden „alternative Lehrangebote zur Verfügung gestellt“, so der Sprecher.

Unklar ist die Auswirkung des Virus auf das Werderaner Verteilzentrum des Onlinehändlers Amazon. Eine Anfrage blieb am Dienstag unbeantwortet. 


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