Coronakrise in Potsdam-Mittelmark : Unklarheit um Ausbruch in Pflegeheimen

Die Betreiber von Pflegeheimen in Potsdam-Mittelmark reagieren verwundert über die Vorwürfe des Landkreises. Der rudert inzwischen zurück.

Vor rund vier Wochen ist im Pflegeheim „Haus am Zernsee“ das Virus ausgebrochen, seither sind mehrere Bewohner gestorben.
Vor rund vier Wochen ist im Pflegeheim „Haus am Zernsee“ das Virus ausgebrochen, seither sind mehrere Bewohner gestorben.Foto: Andreas Klaer

Potsdam-Mittelmark - In der Auseinandersetzung um angeblich nicht eingehaltene Hygieneregeln in mittelmärkischen Pflegeeinrichtungen setzt der Landkreis auf verbale Deeskalation. „Die Zusammenarbeit ist grundsätzlich gut, auch wenn die Umstände die Einrichtungen vor große Herausforderungen stellt“, sagte Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert am Montag den PNN. Das hatte in der vergangenen Woche noch anders geklungen: Da hatte der Kreis eine Mitteilung verschickt, in der es hieß, zum Teil werde wissentlich gegen Hygieneregeln verstoßen. Heimleitungen seien vollkommen überfordert. Es würden zu wenige Coronatests gemacht und Ausbrüche daher zu spät erkannt (PNN berichteten). Ab Montag sollte es Kontrollen durch das Gesundheitsamt geben.

Anlass ist das Infektionsgeschehen mit dem Sars-CoV-2-Virus in mehreren Seniorenpflegeeinrichtungen. Das „Haus am Zernsee“ in den Havelauen in Werder (Havel) war wie berichtet die erste Einrichtung im Kreis, in der das Virus ausgebrochen ist. Ein 80-Jähriger, der aus dem Potsdamer St. Josefs-Krankenhaus zurückgekehrt war, war infiziert. Der Mann verstarb kurz darauf im Krankenhaus. Seither sind insgesamt sechs Bewohner innerhalb von drei Wochen verstorben.

In den Einrichtungen rätselt man über die Vorwürfe des Kreises

Dort war man von den Vorwürfen des Landkreises überrascht: Seit Beginn des Ausbruchs arbeite man auf Weisung des Gesundheitsamtes und der Behörden. „Kein Schritt erfolgt unabgesprochen“, so eine Sprecherin des Betreibers am Montag. „Wir halten uns an die Auflagen und setzen die Maßnahmen konsequent um.“ An Masken und Handschuhen soll es nicht mangeln. „Wir verfügen über ausreichend Schutzmaterial.“ Die Mitarbeiter arbeiten unter strengen Hygiene- und Schutzvorschriften. Weitere Fälle hatte es in der Werderaner Senioreneinrichtung „Blütentraum“ gegeben. 

Auch im Evangelischen Seniorenzentrum Florencehort in Stahnsdorf, das vom Landesausschuss für innere Mission (Lafim) betrieben wird, rätselte man am Montag noch über den Kreis. „Vorwürfe seitens des Landkreises wurden bisher in keiner Weise direkt an uns herangetragen“, sagte eine Lafim-Sprecherin.

Landkreis lobt plötzlich den verantwortlichen Umgang

Nach Angaben des Landkreises haben die Kontrollen des Gesundheitsamts inzwischen begonnen. Allerdings räumt man nun ein, dass das auch nicht wirklich neu ist. Die zuständigen Gesundheitsaufseher seien in den Heimen bereits nahezu täglich vor Ort gewesen, um Absprachen zu treffen und auch Kontrollen durchzuführen. „Das Gesundheitsamt wird die betroffenen Einrichtungen engmaschig weiter kontrollieren.“ Der Landkreis erkenne an, dass auch dort sehr verantwortlich mit der Situation umgegangen wird und die Einrichtungen kooperieren.

Von zusätzlichen Kontrollen des Gesundheitsamts hat man in den Einrichtungen noch nichts gespürt. Auf Nachfrage wurde vom Betreiber des Haus am Zernsee lediglich ein Besuch des Kriseninterventionsteams des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen genannt. Der fand allerdings schon am Freitag statt. Und auch beim Lafim ist man irritiert: „Uns ist bisher keine Ankündigung von Kontrollen durch das Gesundheitsamt bekannt, noch hat eine solche in einer unserer Einrichtungen stattgefunden.“

Wie haben sich die Bewohner angesteckt?

Unklar ist unterdessen nach wie vor, wie sich die Bewohner angesichts des seit Mitte März geltenden Betretungsverbots angesteckt haben. Im Landkreis vermutete man einen Zusammenhang zum Ausbruchsgeschehen in den Potsdamer Kliniken – Bewohner könnten sich dort zunächst unerkannt angesteckt haben. Der Betreiber des Haus am Zernsee hält dem entgegen, dass jede Pflegeeinrichtung ohnehin darüber informiert ist, in welcher Klinik sich ihre Bewohner befinden. „Bei einer Krankenhausrückkehr verfahren wir nach den Empfehlungen des RKI und der Landesbehörden.“ Bewohner, die aus einem Krankenhaus zurückverlegt werden, befänden sich vorerst unter Quarantäne. „Diese wird erst nach zwei negativen Testergebnissen oder 14-tägiger Symptomfreiheit aufgehoben“, so die Sprecherin.

Auch in anderen Landkreisen Probleme in Pflegeeinrichtungen

Auch in anderen Brandenburger Landkreisen breitet sich das Coronavirus in Seniorenpflegeeinrichtungen aus: In der stationären Pflegeeinrichtung der AWO-Seniorenheim Wildau GmbH (Dahme-Spreewald) seien am Wochenende zwei Bewohner positiv auf die Covid-19-Infektion getestet worden, wie der Landkreis am Montag mitteilte. Daraufhin seien 22 Bewohner und Pfleger des Wohnbereichs getestet worden. „Davon weisen die heutigen Laborergebnisse bei vier Pflegekräften das Virus positiv nach“, heiß es. Eine Kontrolle habe ergeben, dass alle Vorgaben des Robert Koch-Instituts vollumfänglich umgesetzt worden seien.

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