Coronakrise in Brandenburg : Kliniken sollen wieder mehr operieren

Die Intensivkapazitäten für Corona-Patienten werden in Brandenburg derzeit nicht annähernd benötigt. Gesundheitsministerin Nonnemacher warnt dennoch vor zu schnellen Lockerungen.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher.
Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher.Foto: Annette Riedl/dpa

Potsdam - Brandenburger Patienten, die nicht an Covid-19, sondern anderen Krankheiten leiden, werden wieder besser versorgt. Krankenhäuser sollen Operationen, die wegen der Coronakrise zurückgestellt wurden, nun wieder anbieten. Das kündigte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Landtags an. Die Kliniken waren gehalten, nicht zwingend notwendige OPs zu verschieben, um Platz für Corona-Notfälle auf den Intensivstationen freizuhalten. Brandenburg hat gleichzeitig seine Kapazitäten an Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit von 531 im März auf 886 erhöht. Die Entwicklung der Infektionszahlen lasse es aber zu, wieder mehr andere Behandlungen in den Krankenhäusern vorzunehmen, so die Ministerin. Von dem Ansinnen mancher Krankenhäuser, mangels Auslastung Kurzarbeit für die Mitarbeiter anzumelden, halte sie gar nichts.

Ziel der OP-Rückstellungen sei es gewesen, eine Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden, sagte Nonnemacher. „Wir müssen jetzt aber auch dran denken, inwieweit wir es noch rechtfertigen können, bestimmte Eingriffe bei anderen Patienten etwas zurückzustellen.“ Experten hatten auch vor gesundheitlichen Schäden durch die Coronakrise gewarnt, weil sich Patienten mit ernsthaften anderen Erkrankungen aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nicht mehr in Kliniken trauten. Brandenburg sei bisher „nicht im entferntesten“ an Kapazitätsgrenzen bei der Versorgung schwerer Corona-Fälle gestoßen, so Nonnemacher.

Warnung vor zu schnellen Lockerungen

Gleichzeitig warnte sie erneut davor, die Restriktionen des öffentlichen Lebens zu schnell zu lockern und Abstands- und Hygieneregeln zu missachten. Anderenfalls könnten die Infektionszahlen schnell wieder steigen. Um auf einen Neuanstieg vorbereitet zu sein, sollen die Kliniken 25 Prozent der Beatmungsplätze für Covid-19-Patienten freihalten. Das entspricht der Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der die Krankenhäuser langsam wieder Richtung Normalbetrieb führen will. 

Laut dem am Dienstag vorgelegtem Stufenplan des Bundesministeriums könnte die OP-Kapazität in einem ersten Schritt zu 70 Prozent für elektive Eingriffe, also planbare OPs, geöffnet werden. Gleichzeitig sollten die Kliniken aber in der Lage sein, bei einem schwereren Pandemieverlauf binnen 72 Stunden weitere Intensiv- und Beatmungskapazitäten zu organisieren.

Sterberate in Brandenburg über dem Bundesdurchschnitt

In Brandenburg werden nach Angaben von Nonnemacher derzeit 142 Menschen stationär behandelt, davon 22 künstlich beatmet, sagte Nonnemacher. Das sei ein „Tiefstand“. Am Sonntag befanden sich noch 199 Menschen in stationärer Behandlung. Insgesamt wurden am Mittwoch 2860 Corona-Infizierte verzeichnet. Bisher starben 137 Menschen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung. Die Sterberate von 4,8 Prozent liegt laut Innenministerium fast einen Prozentpunkt über dem Bundesdurchschnitt.

Besser steht Brandenburg bei der Reproduktionszahl da, deren Aussagekraft für die Pandemielage allerdings in der Diskussion steht. In Brandenburg liegt die R-Zahl, die angibt, wie viele Menschen ein Infizierter ansteckt, derzeit bei 0,7. „Das ist ein erfreulicher Wert“, so Nonnemacher. In Brandenburg kämen 114 Infizierte auf 100 000 Einwohner. Potsdam als Corona-Hotspot liege allerdings deutlich über diesem Schnitt. (mit dpa)

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