Corona-Krise in Potsdam-Mittelmark : Der Landrat muss in Quarantäne

Landrat Wolfgang Blasig muss nach seinem Österreich-Urlaub zwei Wochen ins Homeoffice. Außerdem gibt es vier neue Corona-Fälle in der Mittelmark. Der Überblick.

Das Feuerwehrtechnische Zentrum in Beelitz-Heilstätten beherbergt zur Zeit die Kriseneinsatzleitung für den Landkreis Mittelmark.
Das Feuerwehrtechnische Zentrum in Beelitz-Heilstätten beherbergt zur Zeit die Kriseneinsatzleitung für den Landkreis Mittelmark.Foto: Andreas Klaer

Potsdam-Mittelmark - Nachdem Landrat Wolfgang Blasig (SPD) am Samstag aus einem Urlaub in Österreich zurückgekehrt ist, wird er in den nächsten zwei Wochen aus der häuslichen Quarantäne heraus arbeiten. Das bestätigte Kreissprecherin Andrea Metzler am Sonntagnachmittag. Auswirkungen auf die Arbeit der Verwaltung habe das nicht, sie sei über Telefonkonferenzen und Zugänge zu den Computersystemen von zuhause aus möglich. Mehrere andere Verwaltungsmitarbeiter, die aus dem Urlaub in Risikogebieten zurückkehren, sollen ab Montag ebenfalls im Homeoffice arbeiten. Mit Stand 16 Uhr gab es vier weitere bestätigte Corona-Fälle im Landkreis, je einen in Stahnsdorf, Teltow, Brück und Niemegk. Damit sind derzeit sieben Fälle in der Mittelmark bestätigt, es gebe 150 Verdachtsfälle.

Schülerin im Krankenhaus

Mit Verdacht auf eine Infektion liegt auch eine Schülerin aus dem Bereich Brück/Treuenbrietzen im Krankenhaus. Sie wurde am Samstag auf das Virus getestet. Wie Amtsärztin Karen Brinkmann den PNN am Sonntag sagte, sei frühestens Montag mit dem Ergebnis zu rechnen. Das Mädchen war von einer Sprachreise aus Paris zurückgekehrt. Alle anderen Schüler und Begleitpersonen seien aufgefordert, die Schule nicht zu betreten.

Bereits ab Montag bleibt die Werderaner Waldorfschule geschlossen, da ein Elternteil von Kindern der 2. und 5. Klasse womöglich Kontakt zu einem Patienten mit Coronavirus gehabt hat und ein Test im Landkreis am Wochenende nicht möglich gewesen sei. In Absprache mit dem Gesundheitsministerium habe man sich daher für die Schulschließung entschlossen, teilten Vorstand und Geschäftsführung der Schule am Sonntag mit. Auch Hort und Kindergarten bleiben ab Montag geschlossen. Gerüchte, wonach sich zehn Kinder der Glindower Grundschule mit dem Coronavirus infiziert haben, konnte Karen Brinkmann widerlegen. Es handele sich bei den Kindern um Fälle der normalen Grippe.

Neue Anlaufstelle für Tests in Werder (Havel)

Die Stadt Werder (Havel) wird ab Mittwoch gemeinsam mit Hausärzten eine neue Anlaufstelle für Patienten mit Atemwegserkrankungen in der Turnhalle des Ernst-Haeckel-Gymnasiums eröffnen, wie Stadtsprecher Henry Klix mitteilte. Geöffnet soll an Werktagen von 8 bis 12 Uhr sein. Die Halle wird für alle anderen Nutzungen geschlossen. Wer Symptome einer Atemwegserkrankung hat, solle nicht den Hausarzt aufsuchen, sondern sich an diese Stelle wenden.

Der Landkreis plant am Montag eine Beratung im Katastrophenschutzstab unter Leitung von Vize-Landrat Christian Stein (CD), dort soll über weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus entschieden werden. Zur Debatte steht unter anderem, den Busverkehr früher nach Ferienfahrplan fahren zu lassen. Während das Linien nach Berlin oder Potsdam kaum betrifft, wäre damit der Busverkehr im ländlichen Raum deutlich ausgedünnt.

Ärger bei Regio-Bus

Wie berichtet fahren die Busse derzeit nach Fahrplan, halten aber an allen Haltestellen und öffnen dort alle Türen. Fahrer Holger Schiffbauer aus Teltow hatte sich gegenüber den PNN beschwert, dass Landkreis und Unternehmen nicht wie in Potsdam oder Berlin Fahrer durch das Absperren der ersten Tür und der vorderen Sitze vor einer Infektion schützen würden. Durch das längere Anhalten und Durchlüften verlängerten sich die Fahrzeiten, die Fahrer hätten dadurch kürzere Pausen. „Die Sicherheit und Gesundheit unserer Fahrgäste und des Fahrpersonals wird damit nicht erhöht!“, so Schiffbauer. Wirtschaftliches Denken gehe anscheinend vor Gesundheitsschutz, da in Regiobussen nur beim Fahrer Tickets gelöst werden können.

Regiobus-Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennig wies das entschieden zurück. Die meisten Fahrgäste hätten ohnehin Zeitfahrkarten. „Die getroffene Regelung wurde uns so vom Gesundheitsamt vorgegeben“, so Hennig. In vielen Bussen gebe es nur zwei Türen, durch das Öffnen würde deutlich besser gelüftet. Da deutlich weniger Fahrgäste unterwegs seien, gebe es auch keine längeren Fahrzeiten.

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