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Corona-Krise bei Triebwerkhersteller : Brandenburg hofft auf Erhalt von Arbeitsplätzen bei Rolls-Royce

550 Stellen sollen in Dahlewitz abgebaut werden. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) will das verhindern. Zudem gibt es eine vielversprechende Kooperation zwischen Rolls-Royce dem HPI und der Uni Potsdam.

Ein Mechaniker des britischen Triebwerksherstellers Rolls-Royce arbeitet an einem Flugzeugtriebwerk im Werk in Dahlewitz. 
Ein Mechaniker des britischen Triebwerksherstellers Rolls-Royce arbeitet an einem Flugzeugtriebwerk im Werk in Dahlewitz. Foto: Patrick Pleul/dpa

Dahlewitz - Die Brandenburger Landesregierung hofft, den vom britischen Triebwerksbauer Rolls-Royce angekündigten Stellenabbau noch abwenden zu können. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sagte am Donnerstag in Brandenburg/Havel, dass er „alle Anstrengungen unternehmen“ werde, „zu verhindern, dass dieses Instrument der betriebsbedingten Kündigungen tatsächlich zum Zuge kommt“. Er gehe davon aus, dass der angestrebte Zeitrahmen bis Ende 2021 dafür „genug Luft bieten sollte, dass man das verhindern kann oder dass sich eventuell durch neue Projekte die Beschäftigungssituation in Dahlewitz auch wieder ändern kann“.

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Rolls-Royce hatte wie berichtet wegen der mittelfristigen Auswirkungen der Coronakrise auf die Kunden-Nachfrage den weltweiten Abbau von 9000 der 52.000 Stellen angekündigt, in Dahlewitz sollen 550 Stellen abgebaut werden. Die Stellen sollen in diesem und im kommenden Jahr abgebaut werden. An dem Standort in Brandenburg sowie in Oberursel in Hessen beschäftigt Rolls-Royce nach eigenen Angaben zusammen rund 4000 Mitarbeiter.

Rolls-Royce kooperiert mit HPI und Uni Potsdam zum Thema hybrid-elektrisches Fliegen

Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) zeigte sich mit Blick auf den Forschungsbereich bei Rolls-Royce in Dahlewitz zuversichtlich, „dieses Unternehmen bei uns behalten zu können und Arbeitsplätze zu sichern“. Rolls-Royce kooperiert bei der Forschung mit dem Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam und mit der Brandenburgisch-Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Dabei geht es unter anderem um hybrid-elektrisches Fliegen.

IHK: Herber Schlag für regionale Wirtschaft 

Bei der regionalen Industrie- und Handelskammer reagierte man angesichts der Nachricht bestürzt. „Mit Rolls-Royce haben wir ein hochinnovatives Unternehmen in der Region, das gerade erst im März eine Erweiterung zu feiern hatte“, so Mario Tobias, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam. Die Innovationen des Unternehmens seien nicht zuletzt auf Energieeinsparung und Sicherheit, auf einen zukunftsfähigen Luftverkehr gerichtet. „Umso schmerzlicher ist die Ankündigung der Streichung von 550 Stellen in Dahlewitz.“ Es zeige noch einmal, dass eine gut laufende Konjunktur kein Selbstverständnis ist, und mit welcher Wucht auch die hiesige Wirtschaft von der Corona-Pandemie getroffen wurde.

„Unternehmerische Entscheidungen müssen wir respektieren, doch für die regionale Wirtschaft und damit für Brandenburg und die Hauptstadtregion ist das ein herber Schlag“, so Tobias. Insbesondere das produzierende Gewerbe sei so wichtig, weil dort auch das internationale Geschäft zu Hause ist. Deshalb erfordere es jetzt alle Anstrengungen auch des Landes, den Industriestandort Brandenburg mit zukunftsfähigen Branchen weiterzuentwickeln und so keine Abwanderung der Fachkräfte zuzulassen.

Die Ansiedlung von Rolls-Royce in Brandenburg galt nach der Wende als einer der größten wirtschaftspolitischen Erfolge. Um das Werk hat sich seitdem ein ganzes Netzwerk von Firmen angesiedelt. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hatte kürzlich gesagt, dass die Luftfahrtindustrie ebenso wie Automobilzulieferer und der Tourismus als Branchen besonders von der Krise betroffen seien. Sie hatten sich in den vergangenen Jahren in der Region aber gut entwickelt und zum Wachstum beigetragen. (mit dpa)

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