Corona-Auswirkungen auf Stadtsäckel : Werder setzt den Rotstift an

Allein in diesem Jahr rechnet die Stadt mit Mindereinnahmen von drei Millionen Euro. Geplante Investitionen müssen auf den Prüfstand. In Kitas und Schulen soll dennoch investiert werden. 

Blick auf die Insel
Blick auf die InselFoto: Andreas Klaer

Werder (Havel) - Wie sehr die Stadtverwaltung in Werder (Havel) im Krisenmodus ist, wurde am Donnerstagabend klar: "Corona, Corona, Corona", sagte Bürgermeister Manuela Saß (CDU) als Einstieg in ihren Bürgermeisterbericht auf der Stadtverordnetenversammlung, die in der Havelauenhalle stattfand. Seit Wochen gehe es um nichts anderes mehr. Saß spielte dabei auch auf die im Vergleich zu anderen mittelmärkischen Kommunen hohen Infektionszahlen in Werder an. 

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Sie seien aus ihrer Sicht auch durch die Corona-Ausbrüche in zwei Werderaner Seniorenheimen sowie dem in der Stadt lebenden Krankenhauspersonal aus Potsdam zustande gekommen. Der Landkreis erklärte die hohen Fallzahlen im Gegensatz dazu mit der frühzeitig eingerichteten Anlaufstelle für Atemwegserkrankte in der Turnhalle des Haeckel-Gymnasiums. Dort wurden laut Saß bisher 1668 Patienten behandelt. 

Kreis soll Quarantäne "unzureichend" kontrolliert haben

Saß zeigte sich sowohl vom Kreis als auch vom Land enttäuscht:  So habe sie zu Ostern, als die Infektionszahlen in Werder sprunghaft anstiegen, Landrat Wolfgang Blasig (SPD) dazu aufgefordert, weitere Maßnahmen einzuleiten. Die bis dato erfolgten Kontrollen der Personen in Quarantäne seien unzureichend gewesen. 

Daher habe die Stadt im Rahmen der Amtshilfe einen Mitarbeiter der Verwaltung in den Krisenstab abbestellt, der die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes dabei unterstützte. Auch zeuge es von "Respektlosigkeit", dass das Land so kurzfristig den "eingeschränkten Regelbetrieb", der in Werder ab dem 2. Juni startet, angekündigt habe, ohne dass die Kommunen ausreichend Vorbereitungszeit hatten. 

Totalausfall der Kurtaxe

Wie teuer die Krise bereits jetzt schon die Stadt zustehen kommt, sagte Saß am Donnerstagabend auch: Mit einem Minus von allein drei Millionen Euro rechnet die Stadt alleine in diesem Jahr. Das ergebe sich unter anderem aus Mindereinnahmen aus der Gewerbesteuer, dem Totalausfall der Kurtaxe und den Mehrausgaben, um zum Beispiel Schulen und Kitas mit genügend Schutzmitteln gegen das Virus auszustatten. 

"Wir stehen vor der größten Krise seit der Wiedervereinigung", so Saß. Bereits geplante Maßnahmen müssten jetzt auf den Prüfstand gestellt werden. Wie berichtet hatte die Stadt in ihrem Doppelhaushalt ein Volumen von 26 Millionen Euro eingeplant gehabt. Wo jedoch nicht gespart werden darf, seien die geplanten Investitionen in Kita und Schulen, so Saß. 

SPD will Schüler besser auf digitalen Unterricht vorbereiten

Um die Eltern in Werder zu entlasten, beschlossen die Stadtverordneten am Donnerstagabend auf Antrag der CDU, für die Notbetreuung im April und Mai keine Beiträge zu erheben. Ein Antrag der SPD und der Fraktion Stadtmitgestalter/Ingo Krüger, in dem gefordert wurde, dass alle Schüler ausreichend mit digitalen Endgeräten sowie Schulen mit Schulclouds- und servern ausgestattet werden, wurde indes abgelehnt. 

Kritisiert wurde vor allem der geforderte Zeitpunkt, ab wann die Schulen digital fit gemacht sein sollen: Die SPD wollte das bereits zum kommenden Schuljahr ermöglichen. Das sei aufgrund von gesetzlich geregelten Ausschreibunsgverfahren schlichtweg zeitlich nicht möglich, sagte Saß. Zudem habe die Stadt im Rahmen des Digitalpaktes Mittel in Höhe von einer Million Euro erhalten, die jetzt umgesetzt werden sollen.  


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