Potsdam-Mittelmark : Bushido beklagt Hexenjagd

Auf dem Villengrundstück des Rappers in Kleinmachnow hat es gebrannt – und er hat die Nachbarschaft im Verdacht, die ihm sogar schon stinkende Grüße geschickt haben soll

Tobias Reichelt

Kleinmachnow - Es ist 7.35 Uhr am Mittwochmorgen, als Bushido aus dem Schlaf gerissen wird. Das Handy klingelt und die Polizei ist dran: In der leer stehenden Kleinmachnower Villa des Skandal-Rappers hat es gebrannt. „Ich hätte niemals im Leben geglaubt, dass es solche Ausmaße annimmt“, erzählt Bushido. Der für seine zum Teil frauen- und schwulenfeindlichen Lieder bekannte Skandal-Rapper ist entsetzt.

Selbst zehn Stunden nach dem Anruf der Polizei fällt es dem sonst so wortgeübten Musiker noch immer hörbar schwer, den Brandanschlag auf das künftige Heim seiner Familie in Worte zu fassen. „Ich bin fassungslos“, sagt Anis Ferchichi, wie der Musiker mit bürgerlichem Namen heißt, am Mittwochabend im Telefonat gegenüber den PNN. Der Rapper – der sich gegen Behauptungen wehrt, Verbindungen zu Kriminellen zu haben – bezeichnete den Anschlag als das traurige Finale in einer Kleinmachnower Tragödie. „Ich will mir nicht ausmalen, was hätte passieren können, wenn meine Familie schon dort gelebt hätte“. Bushido hat Nachbarn im Verdacht.

Noch am frühen Mittwochmorgen lag an dem mit Kiefern bewachsenen Grundstück ein leichter Rauchgeruch in der Luft. Bushido hatte sich da bereits selbst einen Eindruck von den Schäden an der Villa gemacht. Mit Sonnenbrille auf der Nase und Kapuze auf dem Kopf stapfte er gemeinsam mit Polizisten über den aufgeweichten Boden des 16 000 Quadratmeter großen Grundstücks.

In der Nacht hatte ein Anwohner Polizei und Feuerwehr alarmiert. Bis zu fünf Meter hohe Flammen sollen an der Rückseite der Villa am Zehlendorfer Damm aus den Fenstern der oberen Stockwerke geschlagen seien. Rund 75 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf rückten gegen Mitternacht an und konnten den Brand löschen. Verletzt wurde niemand.

„Das Feuer ist um 23.30 Uhr ausgebrochen“, erzählt Bushido. 20 Minuten konnten sich die Flammen vom zweiten Obergeschoss des Hauses bis in den Dachstuhl vorfressen und auch ein etwa zwei Quadratmeter großes Loch in den Fußboden zum ersten Stock brennen. Bereits wenige Minuten nach dem Notruf seien die Einsatzkräfte vor Ort gewesen, berichtete auch Teltows Oberbrandmeister Thomas Kuhlmey. Als die Feuerwehrleute in das Haus gingen, hätten sich keine Personen mehr darin aufgehalten. Andere Einsatzkräfte berichteten, dass sie mit Kettensägen und Äxten versuchten, das Feuer einzudämmen und Glutnester zu beseitigen. Beschädigt wurde dabei offenbar auch die verzierte hölzerne Treppe im Haus. Von außen scheint die Villa nahezu unbeschädigt. Mit Wärmebildkameras überzeugten sich die Einsatzkräfte davon, den Brand gelöscht zu haben. Gegen 1.30 Uhr konnten sie abrücken. Die Polizei übernahm die Ermittlungen im Haus.

„Wir ermitteln in alle Richtungen“, erklärte Diane Jende von der Polizei in Potsdam. Kriminaltechniker seien vor Ort. Mit einem Spaten nahmen sie unter anderem Proben vom Fußboden im Inneren der Villa. Es gebe Anhaltspunkte, dass es sich um vorsätzliche Brandstiftung handle. Ein Verdacht gegen eine konkrete Person bestehe noch nicht. Weitere Angaben machten die Ermittler nicht.

Seit knapp zwei Jahren lässt der Berliner Musiker die insgesamt zwei denkmalgeschützten Villen am Zehlendorfer Damm umbauen. Von Beginn an hat es dabei Probleme gegeben. Bushido hatte Ärger mit dem Denkmalschutz und mit dem Förster. Nachbarn erzählen offen über ihre Ängste und Sorgen. Überhaupt sind nicht wenige Kleinmachnower schlecht auf den Rapper zu sprechen. Sogar in der Gemeindevertretersitzung wurde zuletzt zum Teil offen über die Umzugspläne Bushidos gelästert. Viele Kleinmachnower wollen ihn nicht und das bekommt der Musiker zu spüren.

Immer wieder würden die Wände der leer stehenden Häuser mit Drohungen beschmiert, Holzfenster werden zertreten und als wäre das nicht genug, erhalte er Stinkbomben, sagte Bushido. „Da ist Scheiße drin, Hundekot, Menschenkot, ich weiß es nicht.“ Es sei kein Einzelfall: „Neun von zehn Paketen hängen immer Montagmorgen am Bauzaun.“ An ihn adressiert, mit Absender.

Mit dem Brand sei ein Höhepunkt erreicht. Auch wenn die Polizei noch keine Verdächtigen hat, spricht Bushido offen von einem hinterhältigen Akt seiner Nachbarn. „Wenn die Leute ein Problem mit mir haben, sollen sie zu mir kommen, aber nicht mein Haus anzünden.“

Am Mittwoch reagierten Bushidos Nachbarn gelassen. Natürlich seien die Umzugspläne ein Thema, berichtet ein Familienvater. „Ich will keine Vorurteile pflegen.“ Bislang habe es keine Probleme gegeben. Auch ein Rentner zeigte sich zurückhaltend: „Wir müssen abwarten und werden sehen, was kommt. Ändern können wir es ja nicht.“

Durch seinen Beruf und seiner Stellung in der Öffentlichkeit sei er gewohnt, dass ihn Abneigung treffe, erzählte Bushido. Auf die Frage, ob er mit der Entwicklung in dem ansonsten ruhigen Ort im Süden Berlins gerechnet habe, sagte Bushido: „Ich hätte mir das in Kleinmachnow im Leben nicht vorstellen können.“ Dass sich eine Gemeinde gegen jemanden verbünde, kenne er nur von Berichten über freigelassene Sexualstraftäter. „Was habe ich denn irgendjemandem auf der Welt getan?“, fragte Bushido. Er fühle sich verfolgt wie bei einer Hexenjagd. Dabei habe er wie viele andere Menschen in Deutschland Haus und Grundstück gekauft, um darin mit seiner Familie zu leben. „Warum darf ich nicht dorthin?“ Abschrecken lasse er sich nicht, sagte Bushido. „Ich werde definitiv dahin ziehen, egal, was passiert.“