Bürgermeisterwahl in Stahnsdorf: Kandidat Albers : Den längsten Applaus

Bürgermeister Bernd Albers ist in Stahnsdorf populär, hat in den vergangenen acht Jahren vieles richtig gemacht. Und doch ploppen ständig die Affärchen auf. Er ahnt, warum sie alle im Sande verlaufen.

Henry Klix
Er will weiter Stahnsdorfer Bürgermeister bleiben: Bernd Albers.
Er will weiter Stahnsdorfer Bürgermeister bleiben: Bernd Albers.Foto: Johanna Bergmann

Am 17. April wählen die Bürger in Stahnsdorf ihren neuen Bürgermeister. Vier Kandidaten stehen zur Wahl, die PNN stellen sie bis zum Wahltag in einer Serie vor. Heute mit Bernd Albers.

 

Stahnsdorf - Seit acht Jahren ist er Stahnsdorfer Bürgermeister, und Bernd Albers muss vieles richtig gemacht haben. Auf der ersten großen Wahlkampfveranstaltung in Schenkenhorst war allein an der Länge des Applauses zu hören, wem die Sympathien zufliegen. Bei der jüngsten Kommunalwahl war Albers mit fast 2900 Stimmen unangefochten und sorgte für eine starke Hausmacht seiner Bürger für Bürger. Albers hat auch ohne Parteibackround in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er das kommunalpolitische Geschäft versteht.

Mehr Platz an staatlichen Gymnasien, längere Öffnungszeiten des Einwohnermeldeamtes und der Kita, ein neues Vereinshaus am Sportplatz Zille-Straße, neue Arbeitsplätze oder bessere Busanbindungen: Keines der Versprechen, die er beim Amtsantritt abgegeben hat, sei nicht auch umgesetzt worden. Außer dem Ganztagsschulkonzept, das von Eltern nicht gewollt war.

Albers hat einiges geschafft - jetzt will er in die nächste Runde

Stabile Grundsteuern und Kitagebühren, seit Kurzem Schuldenfreiheit – auch das zählt er zur Habenseite. Er habe den Ort nach 20 Jahren ungebremsten Wachstums konsolidiert. Jetzt will er in die nächste Runde – mit einer neuen Liste sehr konkreter Versprechen.

Albers ist ein Stahnsdorfer Gewächs, war bis zum Antritt als Bürgermeister im Brauereivertrieb in Berlin tätig. Der 47-Jährige ist in Stahnsdorf aufgewachsen, zur Schule gegangen und nur für Ausbildung und Studium – Albers ist Betriebswirt und Diplomjurist – auch außerhalb, in Kiel und Leipzig, unterwegs gewesen. „Ich habe immer genossen, dass ich einen Ort habe, wo Heimat ist.“ Das wolle der Vater zweier Kinder auch seiner Familie bieten. Und den Stahnsdorfern. Er kenne die wichtigen Namen, die alten und neuen Geschichten im Ort, wisse, warum um manche Themen so erbittert gestritten wird, suche auch heute den Kontakt zu den Bürgern.

Immer wieder Skandälchen

Und doch ploppen da ständig die Skandälchen auf, angefangen von einer angeblich unerlaubten Dienstwagenfahrt, von Merkwürdigkeiten auf dem Wahlschein bis hin zum angeblich verheimlichten Bürgermeisterwahltermin. Was ist da los? Albers erzählt von Unterschriften, die er hatte, vom früheren Wahlleiter, der ihn strikt ferngehalten habe vom Wahlgeschehen, von Schwierigkeiten, die sein Duchsetzungswille im Rathaus bisweilen mit sich bringe. Unterm Strich sei an all den Vorwürfen nichts dran, sie würden nicht umsonst im Sande verlaufen.

Vor allem eines sieht er als Problem: „Die großen Parteien sehen Stahnsdorf als ihren Vorhof.“ Mancher Parteigrande könne es nicht vertragen, dass die Ortspolitik von einer Wählergruppierung gestaltet werde. „Ich brauche deshalb jeden an der Wahlurne, der sagt: Albers soll sich um Stahnsdorf kümmern und die Parteien um die Parteien.“ Feedback bekomme er ohnehin häufig jenseits des politischen Geschäftes. „Den Leuten ist wichtiger, dass ich als Standesbeamter jetzt auch Trauungen vornehme, als die angeblichen Affären.“

"Bürger für Bürger": Plattform für engagierte Stahnsdorfer

Albers ist seit Jahren kommunalpolitisch aktiv. Von 1987 bis 1991 war er ehrenamtlich im alten Jugendclub tätig. Aus dem Freundeskreis des Jugendclubs sei 1993 die Wählergruppe „Bürger für Bürger“ entstanden. „Das war immer eine Plattform für Leute, die sich in Stahnsdorf für den Ort engagieren wollen.“ Integrationskraft hat er bewiesen, als er die frühere SPD-Bürgermeisterkandidatin Ruth Barthels für seine Fraktion gewann. Anderseits gibt es drei frühere BfB-Fraktionsmitglieder, die seinen Wahlkampf nicht unterstützten – ohne zu erklären, warum.

Albers hat sich für den Wahlkampf Rückendeckung von den Freien Wählern geholt, um künftig den Draht zum Landtag zu haben, der in politischen Entscheidungsprozessen mitunter hilfreich sei. Denn für die nächste Wahlperiode steht einiges auf dem Zettel. Straßenausbau, die Stärkung der Sicherheitspartnerschaften, Vollverpflegung für Kita und Hort, eine Gesamtschule, ein Bürgerhaus und der Feuerwehrneubau natürlich. Der S-Bahn-Anschluss steht ganz oben auf der Liste. Albers lässt keine Gelegenheit aus, bei großen Verkehrsforen auf die Verkehrsministerin Schneider einzureden.

Selbst wenn sie zustimmt, sieht er weitere zehn Jahre ins Land gehen, bis der erste Zug rollt. „In der Zeit kann Stahnsdorf Bebauungspläne realisieren und weitere S-Bahn-Fahrgäste bereitstellen“, sagt er. Die Infrastruktur müsse mitwachsen, alles ganz behutsam.

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