Bürgermeisterwahl in Michendorf : Das Duell der Kandidaten

Die zwei Bewerber um den Chefposten im Rathaus stellten sich den Fragen von rund 300 Michendorfern - dabei ging es auch um pikante Details aus vergangenen Zeiten.

Zweieinhalb Stunden ausgefragt: Claudia Nowka (BfM) und Martin Kaspar (SPD)
Zweieinhalb Stunden ausgefragt: Claudia Nowka (BfM) und Martin Kaspar (SPD)Foto: Dieter Herrmann

Michendorf - Es gibt offenbar nur wenige Unterschiede zwischen den zwei Bürgermeisterkandidaten Michendorfs, die sich am 1. September zur Wahl stellen. Zumindest zeigten das die Antworten, die Claudia Nowka (Bündnis für Michendorf) und Martin Kaspar (SPD) bei einem Kandidatenduell am Donnerstagabend im Gemeindezentrum „Zum Apfelbaum“ auf Fragen der rund 300 Michendorfer gaben. 

Die Kommunalwahl brachte den Umschwung

Der Saal an diesem Abend war voll besetzt, das Interesse also groß. Kein Wunder, denn nach der Kommunalwahl im Mai überschlugen sich die Ereignisse. Das Bündnis für Michendorf, überraschend Gewinner der Wahl, kündigten an, ihre Spitzenkandidatin auch für den Rathausposten ins Rennen zu schicken. Gleichzeitig zog die CDU die Konsequenzen aus dem für sie schlechten Wahlergebnis. Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU), der zuvor eine zweite Amtszeit anstrebte, kandidierte doch nicht – und machte damit den Weg für einen Neuanfang frei. Zu der Veranstaltung hatte der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Volker Wiedersberg (Grüne) eingeladen. 

Nowka und Kaspar, zwei Kandidaten, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Nowka, die Michendorf gut kennt, seit zehn Jahren in der Gemeinde lebt, davon fünf Jahre als Kämmerin und stellvertretende Bürgermeisterin im Rathaus arbeitete. Kaspar, hingegen, der Neue, ein Politikprofi, der seit drei Jahren in Wildenbruch lebt. In kürzester Zeit hat er sich in eine Vielzahl von Themen Michendorfs eingearbeitet. 

Trotz Kritik soll es mit der Gewog weitergehen

So betonte er am Donnerstag, dass Michendorf sich eine Rückabwicklung des Vertrages mit der Gewog gar nicht leisten könne, weil das für die Gemeinde viel zu teuer wäre. Durch den bereits vollzogenen Anschluss Michendorfs an die kommunale Wohnungsgesellschaft Kleinmachnows „wurde sehr viel Porzellan zerschlagen“. Jetzt gehe es darum, mit der Gewog gut zusammenzuarbeiten. Kaspar versprach den Gewog-Mietern einen besseren Hausmeisterservice einzufordern. Dem Vernehmen nach, soll es bereits einige Beschwerden geben. 

Ankunft der ersten Flüchtlinge im ehemaligen Michendorf Sens-Convent Hotel im Juni.
Ankunft der ersten Flüchtlinge im ehemaligen Michendorf Sens-Convent Hotel im Juni.Foto: Eva Schmid


Interessant ist auch, dass Nowka, deren Wählergruppe für den Anschluss an die Gewog stimmte, selbst gegen die Veräußerung der 71 kommunalen Wohnungen an die Gewog ist. Mit der Gewog wolle aber auch sie als Bürgermeisterin gut zusammenarbeiten und stellte in Aussicht, dass es bei kommunalen Neubauprojekten Ausschreibungen geben werde, damit die Gewog nicht per se den Zuschlag erhält.

Wie geht es mit dem ehemaligen Hotel weiter?

Einig waren sich die zwei Kandidaten auch bei einem weiteren großen Zankapfel: Beide sind mit der Unterbringung von knapp 240 Flüchtlingen im ehemaligen Michendorfer Sens-Convent Hotel in der Potsdamer Straße nicht zufrieden. Das sei vor allem für die Integration der Menschen schwierig. Wichtig sei daher, mit dem Eigentümer des Hauses, dem Landkreis frühzeitig eine andere Nutzung zu entwickeln, betonen beide Kandidaten. Die Nutzungsgenehmigung als Gemeinschafsunterkunft läuft 2022 aus. Kaspar und Nowka können sich in dem Ex-Hotel künftig Wohnen und Gewerbe vorstellen. 

Der Wald des Telekom-Areals soll grün bleiben

Was in der Potsdamer Straße möglich sein soll, gilt indes nicht für Teile des Telekom-Areals. Dort will ein Investor ein Gewerbe- und Wohngebiet entwickeln, braucht dafür aber das Votum der Gemeinde. Geht es nach Nowka und Kaspar soll der Wald dort grün bleiben. Die Weichen für das Projekt indes werden vermutlich noch vor der Amtseinführung des neuen Bürgermeisters gelegt. 

Der Kiessandtagebau in der Fresdorfer Heide. 
Der Kiessandtagebau in der Fresdorfer Heide. Foto: Andreas Klaer


Ein weiteres Votum für den Naturschutz gab es für die Fresdorfer Heide. Beide Bewerber wollen dort eine Deponie verhindern. Kaspar kündigte an, hinter den Kulissen auch Gespräche mit der Landesregierung zu führen, um das Projekt zu stoppen. Gekämpft hätten die zwei Kandidaten auch stärker gegen die jüngste Forderung der Kommunalaufsicht. Sie drückte Michendorf wie berichtet auf, auch Vereine für die Nutzung von Gemeindezentren und Sporthallen zur Kasse zu beten. Die Gebühren sind zwar moderat, aber unbeliebt. Nowka hätte „eine andere Lösung favorisiert“, Kaspar wäre „durchaus auch mal in den Konflikt mit der Kommunalaufsicht gegangen“. 
Das Wachstum der Gemeinde wollen die Kandidaten moderat gestalten: In den kommenden acht Jahren könnten weitere 1200 Einwohnern zuziehen, rechnen Nowka und Kaspar vor. Michendorf hätte im Jahr 2027 somit 14  000 Bewohner. Nowka spricht zudem von einer Zuzugskonzeption, um die benötigte Infrastruktur besser mitzuplanen. 

Und zum Schluss gab es die pikanten Details

Zur Sprache kamen an dem Abend auch Themen, die die Kandidaten von sich aus wohl eher nicht ansprechen würden. So ging es ums Nowkas Rolle im SRS-Skandal. Der Verwalter der kommunalen Wohnungen, die SRS, hatte die Gemeinde über Jahre um Mieteinnahmen in Millionenhöhe geprellt. Nowka sei das Minus zwar aufgefallen, sie hätte es auch kommuniziert, sei aber für Liegenschaften nicht zuständig gewesen, erklärte sie. Eine Kontrolle der Konten sei ihr damals nicht möglich gewesen. Kaspar hingegen strebt nicht zum ersten Mal einen Bürgermeisterposten an, er bewarb sich zuvor schon in zwei anderen Kommunen Süddeutschlands. Auf die Frage, warum er so oft kandidiere, sagte er: „Bürgermeister ist mein Traumberuf.“ 


Das Porträt des Kandidaten Martin Kaspar (SPD) lesen Sie hier. Claudia Nowka wird in der kommenden Woche vorgestellt.