Bürgermeisterwahl 2019 : Wer wird Michendorf führen?

Die Bürgermeisterkandidaten unterscheiden sich wenig. Doch genau deshalb wird die Wahl am Sonntag spannend.

Die Kandidaten Claudia Nowka (BfM) und Martin Kaspar (SPD)
Die Kandidaten Claudia Nowka (BfM) und Martin Kaspar (SPD)Foto: Dieter Herrmann

Michendorf - Die Zeichen in Michendorf stehen auf Neuanfang: Die Mehrheitsverhältnisse im Gemeindeparlament haben sich mit der Kommunalwahl im Mai grundlegend verändert. Mit der Bürgermeisterwahl am Sonntag bekommt Michendorf nun auch noch eine neue Rathauschefin oder einen neuen Rathauschef. 

10.540 Wähler sind zur Wahl aufgerufen. Sie können sich zwischen der 41-jährigen Claudia Nowka (Bündnis für Michendorf) und dem 38-jährigen Martin Kaspar (SPD) entscheiden. Beide haben bislang in Michendorf keine politischen Ämter inne – und beide werben für eine sachlichere Kommunalpolitik.

Neue Ortsmitte und Zuzug sind die großen Herausforderungen

Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen ist mehr Sachlichkeit durchaus angebracht: Eines der größten Projekte wird die Entwicklung der Michendorfer Ortsmitte sein. Auf dem jahrzehntelang brachliegenden Teltomat-Gelände nahe des Michendorfer Bahnhofs soll neben Wohnungen, Arztpraxen und Geschäften auch das neue Rathaus entstehen. Der erste Mieter auf dem Areal steht bereits fest: Der Energieversorger Energie Mark Brandenburg (EMB) wird seinen Sitz von Potsdam in Michendorfs Ortszentrum verlegen. Das bringt der Gemeinde nicht nur steuerliche Vorteile. Mit der EMB könnten auch neue Arbeitsplätze entstehen.

Auch der weitere Zuzug wird die Gemeinde weiter beschäftigen. In etlichen Ortsteilen gibt es noch immer Bauflächen, die vor allem Familien aus Potsdam und Berlin locken. Für Michendorf bedeutet das: Es müssen noch mehr Schul- und Kitaplätze geschaffen werden, der Ausbau der Michendorfer Grundschule ist bereits in Planung. Weitere Themen sind die Nachnutzung des derzeitigen Flüchtlingsheims im ehemaligen Sens-Convent Hotel in der Potsdamer Straße sowie der Kampf gegen eine Bauschuttdeponie in der Fresdorfer Heide.

Der Gewog-Streit hat Spuren hinterlassen

Eine der größten Herausforderungen jedoch wird der Umgang mit der Gewog sein. Die kommunale Wohnungsgesellschaft Kleinmachnows, zu der Michendorf seit Ende vergangenen Jahres als Gesellschafter gehört, ist in Michendorf zum Kampfbegriff geworden. Der Streit um den Anschluss an die Gewog hat Michendorf tief gespalten – und den amtierenden Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU) politisch zu Fall gebracht. Mit knapper Mehrheit der Gemeindevertreter, doch unter großem Protest der Bevölkerung, wurden der Gewog 71 kommunale Mietwohnungen im Wert von vier Millionen Euro übertragen. Im Gegenzug hält Michendorf einen Anteil von 3,65 Prozent an der Gesellschaft, die Kleinmachnow und Nuthetal gehört. Mirbachs Ziel lautete: Die Gewog soll in Michendorf günstigen und barrierefreien Wohnraum schaffen. Doch schon bei der Auswahl der ersten möglichen Baufläche entflammte der nächste Streit. Demnächst soll es eine Bürgerbefragung dazu geben, ob die Gewog auf einem zentral gelegenen Areal in Wilhelmshorst bauen soll.

Er tritt nicht wieder an: Noch-Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU). 
Er tritt nicht wieder an: Noch-Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU). Foto: Andreas Klaer

Mirbach hat im Gewog-Konflikt formal zwar alles richtig gemacht, in dem er den Beschluss der Gemeindevertretung umsetzte. Doch politisch lief es unschön: Er unterzeichnete den Deal, als das zweite Bürgerbegehren gegen das Vorhaben noch lief. Und: Die Zahl der gesammelten Unterschriften hätte gereicht, um die nächste Stufe – einen Bürgerentscheid – anzugehen. Dazu kam es dann aufgrund der Entscheidung des Bürgermeisters nicht mehr. Mirbach wurde Vertrauensbruch vorgeworfen, die Stimmung in der Gemeindevertretung immer rauer.

Ein ruhiger Wahlkampf mit positiven Effekten

Ist mit einer Neubesetzung des Bürgermeisteramts nun ein Neuanfang tatsächlich möglich? Auffällig am bislang ruhigen Wahlkampf ist, dass sich Nowka und Kaspar in sehr vielen Punkten einig sind. Damit fällt das Duell zwar langweilig aus, auf lange Sicht lässt es aber viel Positives für Michendorf erwarten. Nowka und Kaspar stehen für ein moderates Wachstum, wollen mehr Investitionen in Kitas und Schulen, fordern eine Gesamtschule in der Gemeinde und wollen den öffentlichen Nahverkehr verbessern. Sie sprechen sich beide deutlich gegen die Bebauung des Telekom-Areals aus und wollen, dass das ehemalige Hotel in der Potsdamer Straße schon in wenigen Jahren gar nicht mehr oder nur noch in Teilen als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird.

Nach der Wahl soll es sachlicher in der Kommunalpolitik zugehen

Positiv für Michendorf ist auch, dass Nowka und Kaspar – so jedenfalls beteuern sie im Wahlkampf – an der gemeinsamen Sache interessiert sind. Bei einem Wahlkampfduell sagten sie jüngst vor rund 300 Gästen, dass sie, egal wie die Wahl ausgeht, konstruktiv in der Gemeindevertretung zusammen arbeiten wollten. Eine bessere Kommunikationskultur, mehr Sachlichkeit, weniger Parteipolitik – das sind die Vorsätze.

Bleibt den Michendorfern die Frage, für wen der beiden sie sich entscheiden sollen. Beide Kandidaten sind erfahren, Nowka jedoch ganz konkret in Michendorf: Sie war fünf Jahre Kämmerin in Michendorf, kennt Abläufe im Rathaus und Probleme in der Gemeinde. Sie ist bekannt und gut vernetzt.

Der Politikwissenschaftler Kaspar, der seit drei Jahren in Wildenbruch lebt, bringt Erfahrungen aus der Landes-, Bundes- und Europapolitik mit. Er hat bereits in baden-württembergischen Kommunen Lokalpolitik gemacht. Wie er seine Rolle als „Mann von außen“ nutzen kann, weiß er genau: Da er nicht in Michendorfer Grabenkämpfe verstrickt sei, wäre ein Neuanfang an der Rathausspitze mit ihm tatsächlich möglich, argumentiert er.


Die PNN haben mit beiden Kandidaten gesprochen. Das Porträt von Claudia Nowka lesen Sie hier. Alles über Martin Kaspar lesen Sie hier