Blütenviertel in Caputh : Geduldsprobe am Schwielowsee

Der Baustart des Caputher Blütenviertels lässt weiter auf sich warten – angeblich nur noch wenige Wochen.

Das Caputher Blütenviertel, Caputh.
Das Caputher Blütenviertel, Caputh.Foto: Sebastian Gabsch

Caputh - Eine große Luftaufnahme des Schwielowsees, Fontane-Zitate über die Schönheit Capuths, Entwürfe edler Ziegelsteinfassaden und ein preisgekröntes Energiekonzept: Im seit August eröffneten Showroom für das geplante Blütenviertel wird der Verkauf der ersten Townhouses in der Caputher Mitte beworben.

Doch kaufen kann man eigentlich noch nichts – obwohl es zuletzt vom Investor des Blütenviertels, dem Immobilienunternehmer Lothar Hardt, hieß, das bereits zum Baustart im Sommer die ersten Wohneinheiten verkauft würden. Der Termin ist wieder verstrichen – wie schon so oft. Das 6,5 Hektar große Areal hätte eigentlich schon vor drei Jahren fertig sein sollen.

Die Entwickler vertrösten die Interessenten: „Sobald die Baugenehmigung vorliegt, informieren wir Kaufinteressierte telefonisch, dass sie nun ein Haus oder eine Wohnung reservieren können“, sagt Hans Wolfgang Pausch, einer der beiden Geschäftsführer der für das Bauprojekt eigens gegründeten Caputh Mitte Blütenviertel GmbH.

Eberhard Holstein (FlowerPower) und Hans Wolfgang Pausch.
Eberhard Holstein (FlowerPower) und Hans Wolfgang Pausch.Foto: Sebastian Gabsch

Pausch verweist auf behördliche Vorgaben, deren Erfüllung länger als geplant dauere. Derzeit müsse noch eine weitere Grundwasserbohrung ausgewertet werden. Dies bestätigt auch Kerstin Kümpel, Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark. „Die Baugenehmigung dürfte in den nächsten Wochen erteilt werden, wenn die Ergebnisse vorliegen.“

Caputh wartet seit Jahren auf die Entwicklung seiner Ortsmitte: Im Dezember 2013 war mit dem Bau eines Rewe-Markts auf dem Areal zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Caputher See begonnen worden. Bis heute ist der Supermarkt jedoch das einzig fertiggestellte Gebäude auf dem Baugrundstück.

Grund für die Verzögerung waren unter anderem Kupferaltlasten, die 2016 im Boden gefunden worden waren und auf eine früher dort ansässige Gärtnerei zurückgehen. Nach wie vor fänden sich letzte Erdhaufen mit Metallresten auf dem Gelände, wie Pausch erklärt. Aufgrund der Behördenauflage, die Altlastenbeseitigung auszuschreiben, hätten sich weitere Verzögerungen ergeben.

So sieht das Blütenviertel derzeit aus. 
So sieht das Blütenviertel derzeit aus. Foto: Sebastian Gabsch

Wie das Areal einst bebaut werden soll, können Besucher des Showrooms in der Galerie Fährhaus per 3-D-Modell erahnen: Zunächst sollen drei Mehrgeschosser mit Mietwohnungen und Gewerbeeinheiten an der Friedrich-Ebert-Straße sowie 27 Reihenhäuser entstehen, ab 2020 sollen barrierefreie Eigentumswohnungen für Senioren gebaut werden. Anschließend sind Mehrfamilienhäuser und ein Areal hinter dem Rewe-Markt als „Entwicklungsreserve“ geplant. Es sei bislang völlig offen, wofür diese Fläche verwendet werde, sagt Pausch. Bereits vergeben sei hingegen ein Teil der Gewerbeflächen, etwa an eine Apotheke, eine Bäckerei, eine Bank, ein Restaurant und eine Wäscherei.

„Für die noch freien Flächen denken wir aktuell über Coworking-Spaces nach“, so Pausch. Pläne für eine Anlage mit betreuten Seniorenwohnungen sowie für eine Kita waren gescheitert, da sich aufgrund des geringen Platzangebots keine Betreiber gefunden hatten. Besonders stolz sind die Immobilienentwickler auf das Energiekonzept für das Blütenviertel. Mit einem System aus Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen, vier gasbetriebenen Blockheizkraftwerken und einem Eisspeicher sollen vorwiegend erneuerbare Energiequellen genutzt werden. Den Energiebedarf solle dabei eine selbstlernende Prognoseeinrichtung jeweils für die kommenden 48 Stunden vorhersagen, wie Eberhard Holstein, Geschäftsführer der für das Konzept verantwortlichen Firma Flower Power erklärt. „Normalerweise basieren Heizsysteme auf vorher gemessenen Werten – unseres ist das einzige, das sich an zukünftigen Werten orientiert.“ Das Energiekonzept, das laut Holstein in der Kombination der Methoden einzigartig auf der Welt ist, wurde 2018 mit einem Innovationspreis der deutschen Gaswirtschaft ausgezeichnet.

Die ursprünglich genannten Investitionskosten für das neue Viertel von rund 55 Millionen Euro werden sich aufgrund gestiegener Baupreise durch die Verzögerungen erhöhen, ist sich Pausch sicher. Nähere Angaben über die Höhe der Investitionen und Kosten will der Projektentwickler jedoch derzeit nicht machen. Nach dem aktuellen Zeitplan befragt, antwortet er: „Wir hoffen, dass das Projekt innerhalb der nächsten fünf Jahre komplett fertig wird.“

Zur Erinnerung: Noch im Februar dieses Jahres hieß es, dass das Areal 2023 fertig sein soll – das wäre sieben Jahre später als ursprünglich vorgesehen und elf Jahre nach Fertigstellung des Bebauungsplanes. Jetzt wird es offensichtlich zum erneuten Male länger dauern, bis auf der Brache in der Caputher Ortsmitte Leben einzieht.