Blütentherme Werder : Neues Bündnis legt Alternative zur Blütentherme vor

Die Initiatoren finden das Verfahren zur Blütentherme in Werder intransparent. Sie wollen über Thermenzukunft diskutieren.

Wohnen und lernen. So sieht der Masterplan der „StadtMitGestalter“ für das Thermenareal mit Schule, Wohnungen und einem Stadtpark aus. Grafik: Elmar Schlenke
Wohnen und lernen. So sieht der Masterplan der „StadtMitGestalter“ für das Thermenareal mit Schule, Wohnungen und einem Stadtpark...

Werder (Havel) - Zu intransparent und zu teuer: In Werder (Havel) hat sich ein neues Bündnis formiert, das sich gegen die Fertigstellung der Blütentherme für etwa 30 Millionen Euro aus der Stadtkasse richtet. „Wir alle wollen gerne in der Blütentherme in Werder baden, aber bisher ist das Projekt ein einziges Desaster für die Stadt Werder und ihre Bürger“, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben der Initiative „StadtMitGestalter“, die sieben Werderaner, vom Architekten Elmar Schlenke über den Bio-Bauern Jochen Fritz bis zur Künstlerin Katharina Forster, ins Leben gerufen haben. „21 Millionen Euro sind bereits in den Bau der Therme geflossen, ein Eröffnungstermin ist trotzdem nicht in Sicht“, heißt es im Schreiben weiter.

„Wir wollen die Stadtpolitiker nicht angreifen, sondern mit ihnen in Diskurs gehen“, sagt Mitinitiator Elmar Schlenke den PNN. „Es ist Wahnsinn, jetzt noch einmal geschätzte 30 Millionen Euro in das Projekt reinzubuttern. Und dann ist unklar, was passiert, wenn der künftige Betreiber zwei Jahre nach Eröffnung plötzlich mehr Geld von der Stadt verlangt oder ganz abspringt“, so Schlenke, der in Werder und Potsdam Architekturbüros besitzt. Auch sei offen, was durch eine eventuelle Gewährleistung der Stadt für mögliche Bauschäden an Kosten entstehen könnten.

Das Wohngebiet in den Havelauen bräuchte dringend eine Schule 

Wie berichtet wird seit Ende 2014 nicht mehr an der halbfertigen Therme gebaut. Die Stadt hat sich danach vom ersten privaten Partner, der Kristall Bäder AG, getrennt und sich mit einem Vergabeverfahren auf die Suche nach einem neuen begeben. Namen für Partner wurden bisher nicht genannt. Jedoch wurde Ende März bekannt, dass die Stadt im Doppelhaushalt 2018/19 weitere 30 Millionen Euro für die Fertigstellung der Therme einstellen will. Für das Geld sollen unter anderem der Familienbereich größer werden und eine Seesauna entstehen. Bisher hat die Stadt für den Thermenbau an sich gut 16 Millionen Euro ausgegeben, inklusive dem Kauf der angrenzenden Grundstücke sind es 21 Millionen Euro. Bis zur Fertigstellung hätte die Stadt den aktuellen Plänen zufolge also gut 50 Millionen Euro investiert. Vor der Sommerpause soll Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) zufolge der Vertrag mit dem künftigen Betreiber unterzeichnet werden, die Therme selbst bleibt im Eigentum der Stadt.

Nur die Grünen-Fraktion hat sich bisher für den Abriss der Therme und den Bau von Schulen und Wohnungen eingesetzt, SPD und Linke wollten ein kleineres, von der Stadt betriebenes Bad. Elmar Schlenke zufolge sind die Pläne seitens der Stadtpolitik bisher als alternativlos dargestellt worden. Die neu gegründete Initiative will den Werderanern zeigen, was auf der Fläche möglich ist. „Im Oktober habe ich zunächst angefangen, Pläne für das Areal um die Therme herum zu machen.“ So brauche das Wohngebiet – in den Havelauen wohnen derzeit gut 2200 Menschen – dringend eine Schule, seine Planung enthält deshalb eine Kombination aus Grund- und weiterführender Schule. Daneben könnte eine Sporthalle, ein Sportplatz und eine kleine Schwimmhalle für den Schul- und Vereinssport entstehen.

„Wir wollten nicht als Initiative auftreten, die nur meckert"

Das Horn der Havelauen solle ein Park werden. Darunter könnte eine sogenannte Gartensiedlung mit Einfamilien-Reihenhäusern entstehen, daneben am Kanal könnte ein Marktplatz und Geschosswohnungsbau entstehen. „In den Reihenhäusern könnten dann Familien, in den Mietwohnungen deren Omas und Opas wohnen“, so Schlenke. Er bezeichnet den Plan als „künstlerische Idee und Vision“. „Wir wollten nicht als Initiative auftreten, die nur meckert.“

Auch Jochen Fritz, unter anderem Mitinitiator der „Wir haben es satt“- Demonstrationen für Tierwohl in Berlin, hält diesen Masterplan für ein Gesprächsangebot. Das eigentliche Gespräch dazu soll am 26. April um 19 Uhr im Werderaner Scala-Kulturpalast stattfinden. „Es kann auch sein, dass man mich dabei von den Thermenplanungen der Stadt überzeugt. Aber bisher ist mir das alles einfach zu intransparent“, so Fritz.

Für die Diskussion hätten bereits die Vorsitzende der SPD-Fraktion und des Badausschusses, Anja Spiegel, der Grünen-Fraktionsvorsitzende Markus Altmann und Vertreter der Freien Bürger zugesagt. Bürgermeisterin Manuela Saß versuche laut Elmar Schlenke, noch Termine zu verschieben, um an der Diskussion teilnehmen zu können. Die kurzfristig anberaumte Diskussion soll zwei Tage vor Eröffnung des Baumblütenfestes stattfinden, des größten Ereignisses in der Stadt.

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