Potsdam-Mittelmark : Bislang nur eine Ideensammlung

Filmaufführung und Diskussion zur „Transition Town Werder“ im Treffpunkt

Andreas Koska

Werder (Havel) - „Die Stimmen des Wandels“ ist der deutsche Titel eines Dokumentarfilms von Nils Aguilar. Darin versucht er zu zeigen, wie man mit Kopf, Herz und Tat in kleinen Schritten die Welt verändern kann und wie man sich von der industriellen Landwirtschaft verabschieden kann, um Synergien zwischen Mensch und Natur zu entdecken. Es geht um den Wandel vor der eigenen Haustür, von England ausgehend hat sich die Idee der „Transition Town“ zu einer Bewegung entwickelt. Auch deutsche Städte sind inzwischen beteiligt.

In zehn Städten, darunter Bielefeld und Eberswalde, gibt es inzwischen aktive „Transition Town“-Projekte. Gehört auch Werder bald dazu? Am Dienstag gab es eine Voraufführung von Aguilars Film in der Stadt. Christel Heise, Leiterin des „Treffpunkts“ am Plantagenplatz, hat gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung zur Aufführung und einer anschließenden Diskussion geladen. Sie ist vom Anliegen begeistert und versucht, eine Initiative in der Blütenstadt ins Leben zu rufen. „Es ist der dritte Versuch, Anfangs waren es drei, dann fünf Personen, die gekommen sind, ich freue mich deshalb besonders über den heutigen Besuch“, so Heise. Immerhin waren 16 Werderaner der Einladung gefolgt.

Alle sind offenbar von der Idee begeistert. Unter den Gästen war auch der bekannte Plötziner Obstbauer Jürgen Deutscher. „Der Ansatz ist interessant, es ist sicher eine Chance für die Zukunft und braucht viel Idealismus“, so seine Einschätzung. Er selbst versucht, die Ansätze auf seinem Hof zu verwirklichen. Baumpatenschaften und Selbstpflücken sieht er als Chancen, den Menschen näher an die Scholle zu bringen. „Doch dann haben die Baumpaten noch nicht einmal Zeit, von ihrem Baum das Obst zu ernten“, so Deutscher.

„Wir sollten wieder unsere Hände entdecken“, so eines der Ziele des Eberswalders Ingo Frost – fast eine Aufforderung, bei Deutscher zu ernten. Der Aktivist aus dem Barnim hat dort die Transition-Gruppe mit gegründet. Es geht um kleine Schritte, so wird im Mai der Bahnhofsvorplatz mit Pflanzenkübeln und einem Café aufgewertet. In Werder blieb es bei bislang einer Ideensammlung: Netzwerkbildung, regionale Gemüsekisten, Stauden- und Samenbörse und die Einbindung von Kleingartensparten sowie der Obstbauern, waren Vorschläge der Anwesenden, meist Neu-Werderaner.

Allerdings mündete der Abend noch nicht in konkreten Handlungsschritten. „Ich hätte mir mehr erhofft“, resümierte Christel Heise, als sich auf ihre Frage nach aktiver Mitarbeit kein Finger hob. Sie gibt jedoch nicht auf. „Am ersten Dienstag im Juni lade ich noch einmal ein“, wenn es dann auch keine aktiven Mitstreiter geben sollte, will sie den Versuch aufgeben. Der Idee wird sie aber verbunden bleiben. Andreas Koska