• Bis zu 32000 Einwohner möglich: Werder (Havel) muss Millionen in Bildung investieren

Bevölkerungswachstum : Werder muss Millionen in Bildung investieren

Die Stadt Werder (Havel) könnte bis zum Jahr 2030 auf 32000 Einwohner anwachsen. Für so viele Einwohner fehlen derzeit aber noch Plätze in Kitas, Schulen und im Hort.

Der Neubau an der Grundschule Carl von Ossietzky ist 2017 eröffnet worden. Trotzdem braucht Werder künftig zusätzliche Räume für bis zu 18 Klassen.
Der Neubau an der Grundschule Carl von Ossietzky ist 2017 eröffnet worden. Trotzdem braucht Werder künftig zusätzliche Räume für...Foto: Manfred Thomas Tsp

Werder (Havel) - Die Stadt Werder (Havel) könnte in den nächsten zehn Jahren die Marke von 30.000 Einwohnern knacken und braucht deshalb eine neue Kita, einen neuen Hort und eine zusätzliche Grundschule. Das geht aus einer aktuellen Basisanalyse zur Kita- und Schulbedarfsplanung hervor, die die Complan Kommunalberatung GmbH im Auftrag der Stadt erstellt hat. Die Studie, die bereits auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht ist, soll am morgigen Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt werden.

Werder wächst jährlich um 500 Einwohner

Laut Studie ist auch in den kommenden Jahren mit einem weiteren Zuzug nach Werder zu rechnen. So sollen etwa bis 2020 im Ortsteil Glindow 90 neue Wohnungen fertig werden. Zudem sei noch Nachverdichtung in der Stadt, die derzeit gut 26.000 Einwohner hat, möglich. In den vergangenen Jahren stieg die Einwohnerzahl jährlich im Schnitt um 500 an. In der Analyse werden zwei Szenarien betrachtet: Im ersten würde das Wachstum auf zunächst 420 und später 280 zusätzliche Einwohner pro Jahr abflachen, das zweite geht von einem konstanten Wachstum von zunächst 500 Neubürgern pro Jahr bis 2026 aus, danach wären es noch jährlich 400. 
Somit wüchse die Stadt bis 2028 auf 29.500 bis 30.500 Einwohner an, im Jahr 2030 könnten es sogar bis zu 32.000 Einwohner werden. Das ist weit mehr, als bisherige Prognosen, etwa des statistischen Landesamtes, für Werder vorhergesagt haben. Da die Betreuungseinrichtungen für Kinder bereits heute meist voll ausgelastet sind und mittels Außnahmegenehmigungen mehr Kinder betreut werden, als eigentlich vorgesehen ist, würden demnach bis 2028 zwischen 139 und 219 Kitaplätze fehlen. Im Hortbereich liegt die Zahl zwischen 195 und 243 fehlenden Plätzen und an Grundschulen müssten 16 bis 18 neue Klassen eröffnet werden – was einer dreizügigen Grundschule entspricht.

Geplante Neubauten sind nicht berücksichtigt

Die Zahlen sind auf der Basis der derzeitigen Platzsituation ermittelt worden. Die beiden bereits in Planung befindlichen neuen Kitas der Stadt mit 100 bis 120 Plätzen sowie der geplante Hoffbauer-Bildungscampus in Glindow mit Kita, Grundschule und weiterführender Schule wurden noch nicht berücksichtigt, wie die Stadtverwaltung am Dienstag bestätigte. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich mit den geplanten Neubauten der künftige Bedarf abdecken lässt. Denn die derzeit unerfüllten Rechtsansprüche auf einen Betreuungsplatz wurden von den Planern, die eine ähnliche Studie bereits für Teltow erstellt haben, nicht berücksichtigt. Bis zum Jahresende können laut Stadtverwaltung fast 200 Ansprüche auf einen Betreuungsplatz nicht erfüllt werden.

Die Kita in der Adolf-Damaschke-Straße wurde bereits aus Modulen errichtet, die später umgenutzt werden können.
Die Kita in der Adolf-Damaschke-Straße wurde bereits aus Modulen errichtet, die später umgenutzt werden können.Foto: Andreas Klaer


Laut Werders 1. Beigeordneten Christian Große (CDU) müssen die Grundaussagen der Studie jetzt genauer analysiert werden. „Am Ende der Kita- und Schulentwicklungsplanung sollen konkrete Vorschläge stehen, wo welche Kapazitätserweiterungen oder Neubauten an Kitas und Grundschulen erforderlich sind und wo sie stattfinden können“, sagt Große am Dienstag. Zudem würden mit zeitlicher Verzögerung auch die beiden weiterführenden Schulen der Stadt, die Carl-von-Ossietzky-Oberschule und das Ernst-Haeckel-Gymnasium, weiter wachsen. Beide Schulen sind heute schon voll ausgelastet, Anbauten an das städtische Gymnasium werden derzeit geprüft.

Neue Häuser sollen umgenutzt werden können

Ziel von Neubauten müsse es künftig sein, nicht nur zusätzliche Platzbedarfe aufzunehmen, sondern auch die bestehenden Einrichtungen zu entlasten, darin sind sich Complan und Große einig. Ausnahmegenehmigungen, etwa zur Umnutzung von Räumen an Kitas, sollen künftig nicht mehr nötig sein. 
Laut Analyse sollten Neubauten so errichtet werden, dass sie nach einigen Jahren auch umgenutzt werden können, da der Einwohnerzuzug später abflachen und die Kinderzahl langfristig wieder sinken könnte. Das hat die Stadt bereits beim Bau der Kita in der Adolf-Damaschke-Straße berücksichtigt. Diese Einrichtung wurde aus Modulen errichtet, die veränderbar sind und verschiedene Raumgrößen ermöglichen. Auch die geplanten neuen Kitas in Bliesendorf und am Werderaner Finkenberg sollen in dieser Bauweise errichtet werden.

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