Benjamin Blümchen mit Fontänen : Kostenlose Pyro-Passion-Show in Klaistow

Drei Tage dauert die Pyro-Passion-Show in Klaistow (Potsdam-Mittelmark). Dort gibt es auch leises Feuerwerk für Kinder und "Einhornglitzer".

An jedem der drei Abende soll ein großes Feuerwerk den Himmel erleuchten.
An jedem der drei Abende soll ein großes Feuerwerk den Himmel erleuchten.Foto: Pyro Passion

Klaistow - Sebastian Hoferick ist am Freitagvormittag im Stress: Die Freiwillige Feuerwehr kommt einige Stunden eher als verabredet, um das Sicherheitskonzept für die am Samstag startende dreitägige Pyro-Passion-Show zu besprechen. Die Pyro-Techniker haben noch letzte Fragen zu den drei großen Feuerwerken, die den Himmel über Klaistow bis Montag jeden Abend erleuchten sollen. Und die Händler wollen wissen, wo denn der Laster mit den Feuerwerksartikeln bleibt, die sie ab heute auf dem Klaistower Spargelhof verkaufen wollen. Doch der 31-jährige Geschäftsführer der Potsdamer Firma Pyro Passion bleibt gelassen, es ist schließlich das vierte Mal, dass er das Großevent mit täglich rund 12.000 Besuchern organisiert.


Die Veranstaltung kostet keinen Eintritt und hat Volksfestcharakter: Auf der Wiese vor der großen Spargelhofhalle stehen Autoscooter und Break-Dance, Bier- und Würstchenstände. Dazu gibt es Shows von Feuerschluckern und natürlich den Verkauf von 180 Feuerwerksartikeln, von Knallfröschen für wenige Cent bis hin zur riesigen Feuerwerksbatterie für 249 Euro. "Im ersten Jahr haben sich noch Gäste beschwert, dass es im Angebot kaum etwas für Kinder gebe", sagt Sebastian Hoferick. 

Sebastian Hoferick gründete Pyro Passion als 18-Jähriger.
Sebastian Hoferick gründete Pyro Passion als 18-Jähriger.Foto: Enrico Bellin

Märchen rund um Einhorn und Ziegenbock

Gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Dorina Spahn hat er das geändert: Beide haben ein Märchen rund um ein Einhorn und einen Ziegenbock geschrieben, mit dem heute um 17.30 Uhr das Programm eröffnet wird. Ihre Geschichte hat Jürgen Kluckert, die Synchronstimme von Benjamin Blümchen, eingesprochen. Dazu wird an passenden Stellen "Flüsterfeuerwerk" gezündet, wie Hoferick es nennt: Feuerfontänen und ähnliche Effekte, die zwar hoch und hell sind, aber ohne lauten Knall auskommen. Am Sonntag gibt es dann Feuerwerk zu Musicalhits, Montag wird zu Rock- und Popmusik gezündet.


Einhorn und Ziegenbock sind auch die Helden zweier selbst entworfener Malbücher. In kleinen Geschichten erklären sie den Kindern spielerisch, dass Feuerwerk vor mehr als tausend Jahren in China erfunden wurde, niemals in Innenräumen gezündet werden darf und man von Raketen oder Fontänen mindestens acht Meter Abstand halten sollte. Die Malbücher gibt es im Baumwollbeutel mit Wunderkerzen und Kinderfeuerwerk für 16,95 Euro.

Veranstalter machen Trend nicht mit


"In den vergangenen Jahren hat sich ein Trend zu immer lauteren Feuerwerken etabliert, das machen wir nicht mit", so Hoferick. Viele Produkte, die von 9 bis 21 Uhr in der Klaistower Halle verkauft werden, sind gut sichtbar mit dem Hinweis "geräuscharm" gekennzeichnet. Gemeinsam mit einem Entwickler einer Hamburger Firma hat Pyro Passion auch sogenannten "Einhornglitzer" entwickeln lassen: eine Bengalo-Fackel, die erst rot leuchtet und dann in einem silbernen Streif ausbrennt – und zwar in einer sogenannten kalten Verbrennung, Kinder können sich damit kaum verletzten. Wegen möglicher Verletzungsgefahr hält Hoferick auch die Böllerverbotszonen in Berlin für gerechtfertigt. 

Tausende Besucher erwarten die Veranstalter täglich.
Tausende Besucher erwarten die Veranstalter täglich.Foto: Pyro Passion

In Klaistow sind von den 180 Produkten im Sortiment ohnehin nur acht Böller. Nur angesichts der Feinstaubdiskussion winkt der 31-Jährige ab: Feuerwerk mache 0,2 Prozent der jährlichen Feinstaubbelastung aus. "Da soll jeder selbst entscheiden, ob er das für relevant hält", so Hoferick.

Teurer als beim Discounter


Viele der Produkte, die Hoferick entweder selbst in China herstellen lässt oder die von sieben anderen Händlern stammen, können die Besucher in Klaistow in Aktion erleben: Feuerwerksbatterien und ähnliches wird vor den großen Feuerwerken auf der Wiese in einer kleinen Show präsentiert. "So wissen die Besucher genau, wie lange eine Batterie wirklich brennt und wie hoch die Effekte in den Himmel steigen", sagt der Geschäftsführer. Die Preise seien bei ihm durchgängig etwas höher als beim Discounter, kleinere Batterien starten bei um die 20 Euro. Durchschnittlich zahlt ein Kunde im vergangenen Jahr für den gesamten Einkauf 105 Euro. Dafür bekämen die Kunden Profi-Feuerwerk: Hoferick nutze einige der Produkte auch für seine Effekte, die er als Partner bei Alba Berlin oder den Berliner Füchsen einsetzt sowie bei der Silvestergala am Brandenburger Tor in Berlin. 


Sebastian Hoferick selbst wohnt in Borkheide, am Klaistower Spargelhof fährt er auf seinem Weg zum Potsdamer Büro vorbei. Der Ort sei ideal für die Pyro-Passion-Show, da es nicht nur genug Verkaufsfläche und die große Wiese für das Feuerwerk gebe, sondern nebenan im Hofrestaurant noch Glühwein getrunken oder das deftige Buffet mit Rippchen und Burgern geplündert werden könne.


Zwar kämen nicht alle der 12.000 täglichen Besucher in den Verkaufsraum. Projektleiter Fabian Beck spricht jedoch von einem riesigen Andrang besonders nach dem Ende des täglichen Feuerwerkes. Damit der bewältigt werden kann, ist eine spezielle Logistik nötig: Die Kunden packen die Batterien und Raketen nicht in den Einkaufswagen, sondern gehen mit einem Produktzettel an ihnen vorbei und kreuzen dann an, wie viel sie wovon kaufen möchten. Das Kassensystem gibt dann gleichzeitig den Lagermitarbeitern Bescheid, die den Einkauf zusammenstellen und nach etwa eineinhalb Minuten für den Kunden fertig verpackt haben. 40 Mitarbeiter sind insgesamt für die Pyro-Passion tätig. „Insgesamt haben wir fünf Lager, da in jedem nur 350 Kilogramm explosives Material gelagert werden dürfen“, so Beck.


Zu Silvester, wenn dann das Verkaufte den Himmel erleuchtet, kehrt auch in Klaistow wieder Ruhe ein. Ein Großteil des Spektakels werde bereits am Montag nach 21 Uhr abgebaut, die Reste dann am 2. Januar. Auch Feuerwerksverkäufer wollen schließlich ins neue Jahr feiern.

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