Beelitz : Orchester in Kinderhand

Die Brandenburger Symphoniker stellen ihre Instrumente in der Kita Kinderland vor. Noch bis Freitag sind die Musiker in Beelitz.

Vitaly Shlyakhov geht mit seinem Fagott dicht an die Kinder heran, damit sie die Schwingungen des Instrumentes spüren können. 
Vitaly Shlyakhov geht mit seinem Fagott dicht an die Kinder heran, damit sie die Schwingungen des Instrumentes spüren können. Foto: Martin Müller

Beelitz - Ben und Henry drücken beiden Hände fest auf die Klangschlitze des vor ihnen aufgebauten Cellos, während Joachim Köhler mit seinem mit Pferdehaaren bespanntem Bogen seicht über die Saiten des Instruments streicht. „Jetzt“, sagt der 56-Jährige leise, um das Klangerlebnis nicht zu stören. Ruckartig heben die Fünfjährigen ihre Fingerchen und geben den zuvor eingesperrten Ton frei. „Das wackelt“, meint Ben und schaut fasziniert in seine Hand. Ein paar Schritte entfernt kichern ein paar Kinder, die auf Turnmatten sitzend gebannt auf die Akteure schauen.

Beelitzer Kita statt Orchestergraben im Brandenburger Theater

Für gut zwei Stunden haben der Cellist Joachim Köhler und seine beiden Mitstreiter Julia Fittler und Vitaliy Shlyakhov den Orchestergraben im Brandenburger Theater gegen die Turnhalle der Kita Kinderland im Beelitzer Platanenring eingetauscht, um rund 30 Vorschulkindern ihre Instrumente und die klassische Musik näherzubringen. 

Das Projekt „Kita macht Musik“ ist Teil der am Montag gestarteten Beelitzer Musikwoche, die Bestandteil des vom Bund im Rahmen des Programms „Exzellente Orchesterlandschaft Deutschland“ geförderten Projektes „Reach“ ist. Das Konzept, dessen Titel sich mit „erreichen“ übersetzen lässt, ist zunächst auf zwei Jahre angelegt, so Projektleiterin Jacqueline Sahm. Es soll Menschen abseits der Großstädte ermöglichen, hochwertige Musikangebote zu erleben. 

Zudem soll der Kontakt zwischen den Profi-Musikern und dem Publikum intensiviert und das Interesse an Konzerten, unter anderem mit ungewöhnlichen Spielstätten, geweckt und gesteigert werden. Es sei aber auch Ziel, verloren gegangene kulturelle Räume wiederzubeleben.

Bis auf den letzten Platz gefüllt

Mit dem einwöchigen Musikprogramm in Beelitz erlebt das Projekt seine Premiere, die sich laut Stadtsprecher Thomas Lähns bereits gut anließ. Zum Auftakt am Montag hatten die Symponiker zu einem Kinderkonzert mit dem Titel „Die verhexte Musik“ in die Fichtenwalder Sporthalle geladen, die bis auf den letzten Platz komplett gefüllt gewesen sei – nicht zuletzt durch Grundschüler, die die Stadt auf ihre Kosten zu dem Konzert geladen hatte.

„Mit unserem Angebot wollen wir versuchen, alle Generationen und Altersgruppen zu erreichen“, erklärt Geigerin Julia Fittler. So werde es neben dem Besuch in der Kita weitere Workshops in den Senioreneinrichtungen Negendanksland und Comcura geben. In einem Sonderprogramm widmen sich die Musiker des Menschen mit Demenz.

Filmkonzert in der Diesterweg-Grundschule

Unter dem Motto „Beelitz to Broadway“ wird es am heutigen Mittwochabend ab 19 Uhr in der Turnhalle der Diesterweg-Grundschule ein Filmkonzert mit Melodien aus Filmen wie den Glorreichen Sieben oder James Bond geben. Für dieses Event gibt es anders als zur Auftaktveranstaltung am Montag noch ausreichend Karten, die an der Abendkasse zu bekommen sind, erklärt Stadtsprecher Lähns. 

Diese kosten 15, ermäßig 10 Euro. Kinder zahlen fünf Euro. Die gleichen Preise werden am Freitag aufgerufen, wenn um 19 Uhr die Stadtpfarrkirche zum Abschluss-Sinfoniekonzert ihre Türen öffnet. Dann werden ganz klassiche Klänge von Händel über Mozart bis Heydn zu hören sein.

Kein Zufall, dass die Wahl auf Beelitz fiel

Während für die Spargelstadt die Mini-Tournee der Orchestermusiker ein Novum ist, ist Beelitz für die Symphoniker kein Neuland. Beim Sommerfest „Viva la Fiwa“ in Fichtenwalde war das 49-köpfige Ensemble, das zu den ältesten Klangkörpern des Landes zählt, auch zu Gast. Dass die Wahl für die Premiere des Projekts auf Beelitz fiel, ist daher kein Zufall. Schon im Sommer hatten beide Seiten die Kooperation vereinbart, nachdem die Idee bei Bürgermeister Bernhard Knuth (Bürgerbündnis) auf Begeisterung gestoßen war, erzählt Projektleiterin Sahm. 

Die Symphoniker hoffen nun, dass auch andere Orte dem Beelitzer Beispiel folgen. Erste Gespräche seien bereits geführt, erklärt Jacqueline Sahm. Spruchreif sei aber noch kein Ort für die nächsten Veranstaltungen.

Instrumente zum Ausprobieren

Ben, Henry und die übrigen Kinder der Kita Kinderland sind vom Konzept begeistert. Geduldig stehen sie Schlange, um einmal über die Geige zu streichen, die Julia Fittler zum Ausprobieren mitgebracht hat oder ins ebenfalls bereit gehaltene Horn oder Fagott zu blasen. „Das kann ich richtig gut“, sagt ein Knirps begeistert und schiebt sich mutig noch einmal das Mundstück zwischen die Zähne.

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