Beelitz : Neue Hülle für Schäper Schinkel-Kirche

40 Jahre lang verfiel das Gotteshaus im Beelitzer Ortsteil. Noch in diesem Jahr soll die Fassade wieder hergestellt werden. Und der Kirchen-Förderverein hat große Pläne.

Ein echter Schinkel. Die 1827 errichtete Kirche im Beelitzer Ortsteil Schäpe ist bereits weitgehend fertig saniert. Für den Glockenschauer schrieb der Förderverein beispielsweise bundesweit Menschen an, die den Nachnamen Schäpe tragen (Foto Mitte) und bat um Spenden – mit Erfolg. Ihre Namen sind jetzt am Gestell verewigt. Auch das Mauerwerk wurde teilweise verputzt, der Rest folgt in diesem Jahr. (Bild unten).
Ein echter Schinkel. Die 1827 errichtete Kirche im Beelitzer Ortsteil Schäpe ist bereits weitgehend fertig saniert. Für den...Fotos: Johanna Bergmann

Beelitz - Hartwig Remy steht vor der Schinkel-Kirche im Beelitzer Ortsteil Schäpe, schaut auf das nackte Gemäuer und den frisch renovierten Glockenschauer und kann es noch immer kaum fassen: „Dass ein popeliger Verein wie wir so etwas schaffen kann“, sagt der Vorsitzende des Fördervereins Schinkel-Kirche Schäpe mehr zu sich selbst als zum Reporter. 40 Jahre lang verfiel das Gotteshaus, nun hängen die beiden Kirchenglocken von 1864 an einem neuen Holzgestell, die Kirchengiebel sind schon neu verputzt und die Seiten sollen noch in diesem Jahr folgen.

Der Ort mit etwa 150 Einwohnern im grünen Gürtel zwischen den Bundesstraßen 2 und 246 ist bisher nur durch den Spargelhof von Joseph Jakobs bekannt. Dass der Architekt Karl Friedrich Schinkel hier 1827 eine Kirche im toskanischen Stil errichtet hat, wissen außerhalb von Beelitz nur wenige – im Gegensatz etwa zur ähnlich gebauten Schinkelkirche Petzow, einem der beliebtesten Hochzeits- und Ausstellungsorte des Landkreises.

Dabei gibt es allerlei interessante Anekdoten rund um das Gotteshaus: Im Zweiten Weltkrieg wurden die Fenster zerstört, 1948 sollte ein Glaser aus Borkheide sie zum Festpreis von 800 Mark erneuern. Zwischen der festen Zusage und dem Bau kam die Währungsreform, plötzlich war der ausgehandelte Lohn nur noch ein Zehntel wert. Der Glaser verrichtete sein Werk aber trotzdem.

Gespart wurde auch gleich zu Anfang des Kirchenbaus: Statt des geplanten Turmes gab es einen Glockenschauer aus Holz – ein Gestell, an dem die Glocken befestigt waren – neben dem Kirchenschiff, erst 1864 wurde der Kirchturm gebaut. Genau hundert Jahre später wurden die Glocken ersetzt. „Die alten hat man zu DDR-Zeiten einfach als Blumenkübel in die Erde gesetzt“, sagt der 76-Jährige, der 1997 von Berlin nach Beelitz gezogen ist. Das sei ein Glück für den 2010 gegründeten Förderverein gewesen, denn so waren die Glocken noch vor Ort und konnten restauriert werden. Nun hängen sie wieder im neuen Glockenschauer, der zum Großteil aus privaten Spenden finanziert wurde – der Förderverein hat deutschlandweit Menschen mit dem Nachnamen Schäpe angeschrieben und um Unterstützung gebeten, ihre Namen sind am Gestell verewigt. „Selbst aus Bochum hat eine Frau zum 70. Geburtstag ihres Vaters gespendet, inzwischen waren beide hier und haben sich das Ergebnis angesehen“, so der Vereinsvorsitzende.

Für die Kirchensanierung wurden bisher etwa 160 000 Euro verbaut, rund 20 Prozent davon habe der Förderverein mit seinen gut 50 Mitgliedern gesammelt. Der Rest komme von der evangelischen Kirche, deren Stiftung Kiba zur Bewahrung von Baudenkmälern und der Stadt Beelitz. „Das Umdenken bei den Verantwortlichen hat wohl eingesetzt, als Ziegel vom Kirchturm direkt in den Nachbargarten gefallen sind“, so Remy. Inzwischen ist das Dach neu gedeckt sowie die Holzpfeiler und die Balustrade im Inneren erneuert. Die Dachgiebel sind bereits in der einstiegen Quaderoptik verputzt, in der die Kirche einmal errichtet worden war.

Am 10. und 11. September ist nun ein Schinkel-Wochenende im Ort geplant, um das bisher Geschaffte zu feiern und neue Spenden einzusammeln. Am Samstag gibt es zwischen 15 und 16 Uhr Kuchen vor der Kirche, danach wird Hartwig Remy einen Vortrag über ihre Geschichte halten. Am Sonntag gibt es ab 10 Uhr eine Andacht in der Kirche, anschließend bietet der Spargelhof ein Buffet mit Spezialitäten aus Brandenburg. Die Festbesucher werden die Kirche noch mit nackten Außenwänden sehen, bevor sie dann ab Oktober in gleicher Quaderoptik wie die Giebel verputzt werden. Joachim Illesch vom Beelitzer Architekturbüro Götz & Ilsemann zufolge sollen auch die Fensterumrahmungen und das Gesims noch in diesem Jahr erneuert werden.

Ab 2016 stehen dann noch einmal große Arbeiten an: Derzeit werden Illesch zufolge von der Stadt mit Zuarbeit seines Büros Förderanträge über 375 000 Euro vorbereitet, das Geld soll aus dem Leader-Programm der Europäischen Union zur Förderung des ländlichen Raumes fließen. „Damit sollen in den kommenden zwei Jahren der Kirchturm ähnlich dem Kirchenschiff saniert und der Innenraum für die Mehrfachnutzung vorbereitet werden“, so Illesch. Die Kirche soll zu einer Begegnungsstätte werden.

„Ich kann mir hier sehr gut Filmvorführungen, Lesungen und andere kulturelle Veranstaltungen vorstellen“, sagt Hartwig Remy. Allein für die gute Handvoll Gottesdienste, die jedes Jahr in Schäpe gehalten werden, brauche man ja die Kirche nicht so aufwändig sanieren. „Wir wollen eine Heizung einbauen, Angebote dazu werden gerade eingeholt.“ Schließlich muss die Kirche Remy zufolge das ganze Jahr über nutzbar sein. Die Beelitzer Standesbeamtin hätte schon signalisiert, dass sie in der Schinkel-Kirche Paare trauen könne. Auch ein Schmied aus der Umgebung habe sich bereiterklärt, mit einer fahrbaren Esse zur Kirche zu kommen und Paare mit vor Ort gemachten Ringen symbolisch aneinander zu schmieden.

Eine weitere Idee: Die Kirche für Tagungen nutzen. Schließlich sei der Spargelhof mit seinem Restaurant direkt gegenüber, dort könnten die Gäste versorgt werden. „Die Kirche würde von der Vermietung profitieren und Joseph Jakobs von den Gästen“, so Hartwig Remy. Zudem gibt es direkt neben der Kirche das Fünf-Minuten-Museum, in dem die Ortsgeschichte in Bildern wiedergegeben ist. Auch einen Rundgang durch das Dorf haben die Bewohner angelegt und vor den Gebäuden Tafeln mit historischen Bildern und Daten aufgestellt. So hätten Tagungsgäste in Pausen genügend Beschäftigungsmöglichkeiten. Im Inneren der Kirche sollen zudem Kunstwerke zu sehen sein, derzeit hängen dort Werke des Beelitzer Malers Heinrich G. Noé.

Neben Tagungen in der Kirche will Hartwig Remy noch den Einbau eines neuen Uhrwerkes im Kirchturm erleben, das alte Messing-Exemplar könne ja dann als Ausstellungsstück in der Kirche stehen. „Es wäre doch schön, wenn wieder jeden Abend um sechs die Glocken im Ort läuten würden.“

Spendenkonto: Förderverein Schinkel-Kirche Schäpe e.V., IBAN: DE 45 1009 0000 2291 9100 09

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