Baumblütenfest in Werder (Havel) : Wie Werderaner das Baumblütenfest erleben

Zwischen den Wochenenden herrscht eine fröhliche und eher familiäre Stimmung auf dem Baumblütenfest. Ein ruhiges Intermezzo. So erleben die Werderaner die Feier.

Zwischentage. Wie am Mittwoch wird sich auch heute der Besucherandrang auf der Insel in Grenzen halten. Erst gegen 20 Uhr, wenn City auf dem Marktplatz spielt, wird es voll.
Zwischentage. Wie am Mittwoch wird sich auch heute der Besucherandrang auf der Insel in Grenzen halten. Erst gegen 20 Uhr, wenn...Foto: Enrico Bellin

Werder (Havel) - Zur Halbzeit des Baumblütenfestes am gestrigen Mittwoch herrscht gelassenes Treiben auf der Werderaner Insel. Viele Kinder toben zwischen Marktplatz und Inselbrücke, sie haben Platz. Zum Werdertag, bei dem sich 16 Schulen, Kitas und Vereine der Stadt auf der Hauptbühne am Marktplatz präsentieren, kommen neben den Werderanern nur wenige Touristen in die Stadt.

Auch die zwei- und fünfjährigen Söhne von Yvonne König spielen ausgelassen auf dem Marktplatz. „Ich habe mir für das Fest extra Urlaub genommen“, so die 33-Jährige, die im Stadtzentrum auf dem Festland wohnt. Zur Arbeit nach Potsdam pendeln, sei während des Festes sehr stressig. Außerdem biete sich die Festwoche mit dem 1. Mai als Feiertag für Urlaub an. „Wir machen dann meist Radtouren auf die Plantagen oder gehen auf die Friedrichshöhe.“ Da könne man das Volksfest noch in seinen Ursprüngen erleben und Gästen zeigen, wie schön Werder ist.

Grundschüler beim Baumblütenfest auf der großen Bühne

Die Stadtverwaltung zeigt sich größtenteils zufrieden mit dem Festverlauf. Zwar waren dem 1. Beigeordneten Christian Große (CDU) zufolge am 1. Mai weniger Besucher als üblich auf dem Fest, dafür seien sehr viele am Montagabend gekommen. „Der Verdacht auf die mögliche Vergewaltigung stimmt aber natürlich auch uns nachdenklich“, so Große im Hinblick auf den Vorfall vom Sonntag. Wie berichtet soll ein 18-jähriges Mädchen auf der Werderaner Insel vergewaltigt worden sein. Große hoffe auf einen schnellen Ermittlungserfolg.

Beim Festpublikum vor der Bühne ist die Straftat am Mittwoch kein Thema. Größtenteils sind es Eltern und Großeltern, die etwa den Auftritt der 25 Grundschüler des Blütenchores der Carl-von-Ossietzky-Schule sehen. „Der Auftritt auf der großen Bühne hier ist für uns immer ein Höhepunkt des Jahres“, so Chorleiter Christian Basner. Den Chor hat er vor zwei Jahren übernommen. Das Repertoire reiche von Volksliedern bis hin zur Popmusik, neben „Fritze Bollmann“ singen die Mädchen und Jungen am Mittwoch auch „Alles nur geklaut“ von den Prinzen. Chorleiter Basner hofft, mit dem Auftritt Aufmerksamkeit für seinen Chor zu bekommen. „Wir suchen noch Sponsoren, die uns helfen, ein Klavier für unsere Proben zu kaufen.“

„Ab 17.30 Uhr schließen wir, dann kommt der Umschwung beim Publikum“ 

Der Schulcampus liegt direkt an der Straße Unter den Linden, der Hauptfestmeile zwischen dem Plantagenplatz und der Insel. Dem stellvertretenden Schulleiter Uwe Mütz zufolge wird der Unterricht durch das Fest aber nicht gestört, da die Hauptfeierlichkeiten erst nach Schulschluss beginnen würden. Die Lehrer würden die Hausaufgaben aber „auf das notwendigste reduzieren“ so Mütz. „Vielleicht bekommen auch einige ältere Schülerinnen und Schüler in dieser Woche weniger Schlaf. Da sie aber noch nicht 18 Jahre alt sind, liegt die Verantwortung bei den Erziehungsberechtigten.“

Dass selbst Schüler, die jünger als 16 Jahre sind, beim Fest Wein trinken, ist Stefanie Polland öfter aufgefallen. Die 33-Jährige betreibt seit 2016 das Café Jacob zwischen Inselbrücke und Marktplatz. „Ich habe hier Kinder, von denen ich weiß, dass sie zwölf sind, mit einer Flasche in der Hand gesehen.“ Sie wünsche sich stärkere Alterskontrollen bei allen Händlern. „Ansonsten freue ich mich aber jedes Jahr auf das Fest“, so Polland. Tagsüber würden deutlich mehr Touristen einkehren. „Ab 17.30 Uhr schließen wir, dann kommt der Umschwung beim Publikum.“ Betrunkene Menschen wolle sie in ihrem Café nicht, so bleibe das Fest für sie entspannt. Ausspannen kann sie auch vorm Fest. „Da machen wir an den vier Tagen, wo aufgebaut wird, immer zu“, so Polland. Schließlich gäbe es dann keine Parkplätze für die Kundschaft, und schön sei der Anblick auch nicht, wenn die Buden angefahren werden. „Ich verstehe nicht, warum der Aufbau vier Tage dauert, der Abbau meist an einem Tag erledigt ist“

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