Bahn erneuert Strecke bei Geltow : Biberabwehr am Bahndamm

Biber haben den Geltower Bahndamm unterhöhlt. Der wird nun für 1,8 Millionen Euro nagersicher wieder aufgebaut.

Die Biber vom Petzinsee müssen umziehen. Im Damm sollen sie nicht mehr bauen.
Die Biber vom Petzinsee müssen umziehen. Im Damm sollen sie nicht mehr bauen.Foto: Patrick Pleul, dpa

Geltow - Alles wegen der Biber. Eineinhalb Meter niedriger ist der Bahndamm zwischen der Pirschheide und Geltow derzeit. Freitag und Samstag wurde er abgetragen. Die großen Nager hatten ihn unterhöhlt, Gänge in den 1908 fertiggestellten Damm gegraben, in denen sie hausten. „Das Ganze hat zu leichten Absackungen geführt, wegen derer das Gleis immer wieder gestopft werden musste“, sagt Bauüberwacher Fabian Mang am Montag auf der Baustelle. Auch eine Biberburg habe es am Bahndamm gegeben. Der war an der Stelle so unterhöhlt, dass der Schacht mit den Kabeln für die Bahnsignale einen Meter abgesackt sei.

Links des Bahndammes liegt der Templiner See, rechts der Petzinsee. 
Links des Bahndammes liegt der Templiner See, rechts der Petzinsee. Foto: Enrico Bellin

Auf 190 Metern Länge wird der Damm der eingleisigen Strecke zwischen dem Petzinsee und dem Templiner See nun wie berichtet abgetragen und bibersicher wieder aufgebaut. Bis zum 17. März fahren daher keine Züge der Linie 23 von Potsdam über Geltow, Caputh und Ferch nach Michendorf. Rund 1,8 Millionen Euro investiert die Bahn, damit die Strecke auch weiterhin mit 100 Stundenkilometern befahren werden kann.

Ein Elektrozaun zum Schutz vor Bibern

Die Biber sind rechtzeitig aus dem Bahndamm ausgezogen. Die Arbeiten wurden von einer Biberbeauftragten der Bahn begleitet. Im November bereits wurden rund 200 meist kleinere Bäume, die als sogenanntes Weichholz eine bevorzugte Speise der Biber sind, gefällt. Die großen Bäume entlang der Strecke wurden mit speziellen Mitteln bestrichen, die den Nagern den Appetit verderben sollen. Elektrozäune auf beiden Seiten des Dammes sollen ebenfalls seit November verhindern, dass die Tiere den Damm überhaupt erklettern.

Die Erde kommt per Bahn und wird dann per Kettenfahrzeug verteilt.
Die Erde kommt per Bahn und wird dann per Kettenfahrzeug verteilt.Foto: Enrico Bellin

Für Fabian Mang sind diese Arbeiten eine Abwechslung. Seit 2002 ist er im Gleisbau tätig, solche Abwehrmaßnahmen habe er aber noch nie erlebt. „Wenn der Damm wieder aufgebaut ist, werden wir an beiden Seiten Matten einbauen, die die Tiere fernhalten sollen.“ Dabei handelt es sich um biegbare, aber feste Drahtgeflechte: Ein grober Maschendrahtzaun, der noch einmal mit einem feineren Zaun ummantelt ist, wird auf den Damm gelegt. Die Matten beginnen noch im Wasser und reichen fast bis an die Schienen heran.

Die Baustelle ist nur per Schiene erreichbar

Die zu verlegen ist deutlich schwieriger als an anderen Stellen: Da die Strecke von Wasser umgeben ist, kann kein Lastwagen an das Gleis heranfahren. Die Erde für den Unterbau wird per Lastwagen zum Geltower Bahnhof gefahren und dort auf Waggons verladen, die mit einem Förderband ausgerüstet sind. Sie werden an die Baustelle herangefahren und laden die Erde auf ein Kettenfahrzeug, welches sie dann auf dem Damm verteilt. Damit die Baustelle für Züge erreichbar bleibt, wurde sie in zwei Abschnitte unterteilt: Derzeit werden die ersten hundert Meter westlich der Petzinseebrücke erneuert. Wenn die fertig sind, sind die restlichen 90 Meter dran, die direkt an den ersten Abschnitt anschließen. Das Gleis an sich wurde bereits von einem Umbauzug erneuert, der die Strecke gleich bis zum Bahnhof Pirschheide saniert hat. Die Gleise für den Damm liegen aufgeteilt neben der Baustelle und werden am Schluss aufgelegt und per Hand verschweißt.

Bauüberwacher Fabian Mang.
Bauüberwacher Fabian Mang.Foto: Enrico Bellin

Wenn die Bibermatten wirken und die Nager nicht zurückkehren, soll trotzdem noch Leben auf dem Bahndamm herrschen: An den alten Bäumen haben die Bahnarbeiter Nistkästen für Vögel und Fledermäuse angebracht. Den Bahnbetrieb stören sie nicht. Pendler können bis auf wenige Sperrungen an Wochenenden und im November in diesem Jahr mit einem verlässlichen Betrieb rechnen, nachdem es in den vergangenen Jahren immer wieder Ausfälle gegeben hat. Da der südliche Streckenabschnitt bereits vor wenigen Jahren erneuert wurde, ist die Strecke nach den aktuellen Arbeiten komplett erneuert. Erst wenn die Brücke zwischen Ferch und Beelitz wieder aufgebaut wird, wird es wohl wieder zu größeren Sperrungen kommen. Ab Ende 2022 sollen die Züge wie berichtet statt nach Michendorf über die neue Brücke nach Jüterbog fahren.

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