Bahn erneuert Gleise in Schwielowsee : Ferch und Geltow wochenlang abgehängt

Ab dem 20. Februar fahren wegen Bauarbeiten keine Züge mehr von Potsdam über Schwielowsee nach Michendorf. Für Ferch und Geltow gibt es keinen Ersatzverkehr. 

Am Bahnhof Ferch-Lienewitz halten bald wochenlang weder Züge noch Ersatzbusse.
Am Bahnhof Ferch-Lienewitz halten bald wochenlang weder Züge noch Ersatzbusse.Foto: Andreas Klaer

Schwielowsee - „Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde, leider konnte zu Ihrer Anfrage keine Verbindung gefunden werden.“ Diese Auskunft bekommt, wer auf der Internetseite der Deutschen Bahn nach Fahrtmöglichkeiten zwischen Ferch-Lienewitz und Potsdam ab dem 20. Februar sucht. Dann fahren bis zum 17. März wegen Gleiserneuerungen keine Züge der Regionalbahnlinie 23 auf der Strecke von Potsdam über Geltow, Caputh, Ferch und Seddin nach Michendorf – mit Ausnahme des Wochenendes vom 28. Februar bis zum 1. März. Ersatzbusse gibt es jedoch nur von Caputh nach Potsdam. Wer vom Bahnhof Caputh-Geltow nach Potsdam möchte, soll laut Auskunft von www.bahn.de 1,5 Kilometer bis zur nächsten Bushaltestelle im Geltower Zentrum laufen.

Die Bahn empfiehlt ab Geltow einen 1500 Meter langen Fußweg zur nächsten Bushaltestelle.
Die Bahn empfiehlt ab Geltow einen 1500 Meter langen Fußweg zur nächsten Bushaltestelle.Screenshot: PNN


Hintergrund ist die Erneuerung der Schienen auf der eingleisigen Strecke zwischen dem Caputher Gemünde und Potsdam. Zudem werden auch neue Masten für die Oberleitung zwischen dem Potsdamer Wildpark und Ferch-Lienewitz aufgestellt, wie ein Bahnsprecher den PNN am Montag auf Anfrage erklärte. Aufgrund der topografischen Lage – das Caputher Gemünde trennt Geltow und Caputh und ist nur per Fähre oder Bahnbrücke zu überwinden – würde ein Ersatzverkehr auf der gesamten Linie laut Bahn zu erheblich längeren Fahrzeiten führen und deshalb nicht angenommen werden. Als Alternative sollen Fahrgäste von Geltow aus mittels Fähre das Gemünde überqueren und zur Caputher Schule laufen, wo die Ersatzbusse halten, so der Sprecher. Der Fußweg hier: Noch rund ein Kilometer. Das sei mit dem Verkehrsverbund Berlin Brandenburg abgesprochen. Für Pendler aus Seddin oder Michendorf nach Potsdam verweist die Bahn auf die Züge des RE7, der jedoch nicht in Schwielowsee hält. Fahrgäste von den Potsdamer Bahnhöfen Pirschheide und Charlottenhof zum Hauptbahnhof werden auf den Stadtverkehr verwiesen.

In Schwielowsee könne keiner die Bahn verstehen

Nach dieser Praxis verfährt die Bahn seit Jahren, und seit Jahren gibt es dagegen Protest – auch wenn die betroffenen Bahnhöfe zu den am schlechtesten frequentierten Stationen im Land Brandenburg zählen. „Wir bemühen uns alle, die Menschen weg vom Auto und hin zu Bussen und Bahnen zu bekommen, und dann kommt so etwas“, sagt Schwielowsees Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU). Es könne schlicht nicht sein, dass die Bahn keine Alternativen anbietet. „Das können die Schwielowseer einfach nicht verstehen“, so Hoppe. Die Fahrgastzahlen seien inzwischen gestiegen. Vor sechs Jahren nutzten noch weniger als 50 Menschen täglich den Fercher Bahnhof, den Geltower immerhin knapp hundert. Aktuellere Zahlen liegen derzeit nicht vor. Unter anderem durch das Aufstellen einer Nextbike-Leihfahrrad-Station am Fercher Bahnhof bemüht sich die Gemeinde, die Zahlen zu steigern. Auch setzt sie sich beim Kreis für den Bau eines Radweges zum Bahnhof ein, der rund 3,5 Kilometer vom Fercher Ortszentrum entfernt liegt.

Auch für Caputher Schüler gibt es längere Wege

Und auch wenn es vom Bahnhof Caputh-Schwielowsee aus Ersatzbusse nach Potsdam gibt, müssen besonders Caputher Schüler wochenlang längere Fahrwege auf sich nehmen: Viele von ihnen besuchen das Wolkenberg-Gymnasium im nahen Michendorf und nutzen dafür den direkten Zug, Linienbusse zwischen beiden Orten gibt es nur eine Handvoll am Tag. Wenn der Zug ausfällt, müssen die Schüler meist in Potsdam umsteigen. Statt 13 Minuten pro Richtung dauert die Fahrt dann mindestens 40 Minuten.

Bahnkundenverband wünscht sich Großraumtaxi

Auch der nordostdeutsche Landesverband des Deutschen Bahnkundenverbandes kann das Verhalten der Bahn nicht nachvollziehen. „Es ist schlicht inakzeptabel, kilometerlange Fußwege vorzuschlagen und für keinen Ersatz zu sorgen“, so Conrad Anders, Vorstandsmitglied des Verbandes. Er erwarte Entschädigungszahlungen von der Bahn und künftig ein besseres Angebot in solchen Fällen. „So könnte wenigstens ein Großraumtaxi vom Geltower Bahnhof nach Potsdam fahren“, sagt Anders. Schließlich bekomme die Bahn Steuergeld, um die Bahnhöfe zu bedienen. Ob das Landesverkehrsministerium nun Zahlungen zurückhält oder das Verhalten der Bahn billigt, war am Montag nicht zu erfahren. Eine entsprechende Anfrage der PNN blieb unbeantwortet.

2017 hat die Bahn bereits das Gleis zwischen Ferch und Caputh erneuert. Für den Rest nach Potsdam war kein Geld da.
2017 hat die Bahn bereits das Gleis zwischen Ferch und Caputh erneuert. Für den Rest nach Potsdam war kein Geld da.Foto: Andreas Klaer


Die Bahn geriet wegen schlechter Leistungen auf der Linie immer wieder in die Schlagzeilen. So wurde 2018 etwa der Verkehr wegen Lokführermangels wochenlang eingestellt. Ein Jahr zuvor gab es bereits wegen Gleiserneuerungen Zugausfälle, als der Streckenteil zwischen Caputh und Ferch saniert wurde. Wegen des begrenzten Baubudgets wurde nicht die komplette Strecke bis Potsdam saniert, hieß es damals von der Bahn.
Und auch in den kommenden Jahren wird es Einschränkungen auf der Strecke geben: Bis Ende 2022 wird zwischen Ferch und Beelitz eine neue Brücke gebaut. Wann genau der Verkehr dafür unterbrochen wird, ist noch unklar.