• Ausbruch des Coronavirus befürchtet: Potsdam-Mittelmark ist für den Ernstfall vorbereitet

Ausbruch des Coronavirus befürchtet : Potsdam-Mittelmark ist für den Ernstfall vorbereitet

Isolierbetten, Pandemieplan und Krisenstab: Auch in Potsdam-Mittelmark rechnet man mit dem Ausbruch des Coronavirus. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen. 

Das Krankenhaus in Bad Belzig ist das größte Klinikum im Landkreis Potsdam-Mittelmark.
Das Krankenhaus in Bad Belzig ist das größte Klinikum im Landkreis Potsdam-Mittelmark.Foto: Henry Klix

Die mittelmärkische Kreisverwaltung rechnet mit einem Ausbruch des Coronvirus auch im Landkreis. Die Lage entwickle sich derzeit sehr dynamisch, hieß es. Einen Corona-Fall gebe es bisher in Potsdam-Mittelmark nicht, dennoch bereitet sich der Kreis intensiv für den Ernstfall vor. „Wir sind in Habachtstellung“, sagte Landrat Wolfgang Blasig (SPD) den PNN. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen. 

Wie sieht der Notfallplan für den Kreis aus?

Die Verwaltung in Bad Belzig hat bereits einen Influenza-Pandemieplan, der an die jetzige Situation angepasst wurde. In einem solchen Pandemieplan wird zum Beispiel festgelegt, dass im Ernstfall häusliche Quarantäne angeordnet wird, öffentliche Einrichtungen geschlossen und Großveranstaltungen abgesagt werden. Es geht darum, Infektionsketten zu unterbrechen. „Wir sind im Rahmen der Möglichkeiten eines Landkreises auf den Virus vorbereitet“, sagte Blasig. Sowohl Potsdam als auch die Mittelmark seien gut aufgestellt, es gebe genügend Betten für Erkrankte. Im Landkreis gibt es zudem einen regulären Katastrophenschutzstab, der im Krisenfall einberufen wird. Wann ein Katastrophenfall ausgerufen wird, entscheidet der Landrat. 

Wie sind die Krankenhäuser vorbereitet?

Rund 35 Isolierbetten soll es nach Informationen der Kreisverwaltung in den Krankenhäusern in Bad Belzig, Treuenbrietzen, Kloster Lehnin und auch in Brandenburg/Havel für mittelmärkische Patienten geben. So genau könne man diese Zahl jedoch nicht festmachen, sagte Damaris Hunsmann, Sprecherin der „Ernst von Bergmann“-Klinikgruppe, den PNN. Aus jedem Zimmer könne im Bedarfsfall ein Isolierzimmer werden. Die Klinikgruppe, an der auch der Landkreis beteiligt ist, betreibt sowohl das Klinikum in der Landes- als auch in der Kreishauptstadt. In Potsdam verfügt man Hunsmann zufolge über eine Station für Infektiologie, in Bad Belzig ist das nicht der Fall. „Auch dort sind wir aber grundsätzlich auf Infektionskrankheiten vorbereitet.“ 

Auch im vom Evangelischen Diakonissenhaus betriebenen Krankenhaus in Kloster Lehnin sieht man sich gewappnet. In einer vorübergehend stillgelegten Überwachungsstation könne kurzfristig eine Isolierstation eingerichtet werden, sagte Oberarzt Helmut Reichardt. Laut Sprecherin der Diakonie könnten kurzfristig acht Isolationsplätze eingerichtet werden. Über vier spezielle Isolierzimmer verfügt hingegen das Klinikum der Johanniter in Treuenbrietzen, wie Sprecherin Regina Doerr den PNN bestätigt. Dort könnten bis zu acht Personen behandelt werden. 

Was ist, wenn die Plätze nicht ausreichen? 

In solch einem Fall würde der Krisenstab im Kreis weitere Objekte ins Auge fassen, dazu würden laut Kreissprecherin Andrea Metzler momentan Gespräche geführt. So gebe es in der Mittelmark mehrere größere Rehakliniken sowie die derzeit leerstehende Kinderklinik in Beelitz-Heilstätten, die genutzt werden könnten. 

Gibt es ausreichend Ärzte und Pflegepersonal für den Ernstfall? 

Die Kreisverwaltung verweist dazu auf die Träger der Krankenhäuser, die sich in Potsdam-Mittelmark bisher gut aufgestellt sehen. 

Was sollen Mittelmärker tun, die den Verdacht haben, infiziert zu sein?  

Bei einem Verdacht empfiehlt die Kreisverwaltung, den Hausarzt anzurufen. Wer sich auf den Weg zum Arzt macht, soll vorher anrufen oder an der Tür klingeln und davor warten. Nicht jede Praxis habe ausreichend Platz, um Erkrankte zu isolieren, so Kreissprecherin Metzler. Am Wochenende oder außerhalb der Sprechzeiten des Hausarztes können die Notfallpraxen oder die Rettungsstelle des nächsten Krankenhauses aufgesucht werden. Eine Telefon-Hotline werde der Kreis erst dann einrichten, wenn es einen Coronavirus-Fall gebe. Die Kreisverwaltung stellt den Bürgern auf ihrer Homepage weitere Informationen bereit. 

Können sich Mittelmärker auch an Potsdamer oder Berliner Krankenhäuser wenden? 

Natürlich, es besteht freie Arztwahl. 

Gibt es Absprachen mit Potsdam und anderen Landkreisen?

Ja. Absprachen würden über das Gesundheitsministerium in gemeinsamen Beratungen getroffen, teilte die Presseabteilung des Kreises mit.

Könnte der Nahverkehr stillgelegt werden? 

Dies wird im Ernstfall laut Kreissprecherin Metzler situationsbedingt entschieden. 

Können Kommunen im Landkreis abgeriegelt werden? 

Das wäre grundsätzlich möglich. Auch geht die Kreisverwaltung davon aus, dass für ein solches Abriegeln genügend Einsatzkräfte zur Verfügung stehen würden. Im Krisenfall könnten das Technische Hilfswerk, die Bundeswehr und die Freiwilligen Feuerwehren rekrutiert werden. Ob eine Absperrung sinnvoll und nötig ist, müsse im Einzelfall vom Kreis entschieden werden. Vorgaben dazu gäbe es bisher von Land und Bund nicht. 

Ist das Gesundheitsamt ausreichend gut aufgestellt? 

Ja, und sollten die Kräfte dort nicht mehr ausreichen, würden weitere Mitarbeiter aus anderen Bereichen mithelfen.

Was genau macht das Gesundheitsamt? 

Die Mitarbeiter erfassen die Meldungen von Erkrankten, zu denen die Arztpraxen und Krankenhäuser verpflichtet sind. Zudem können sie häusliche Quarantäne für Kontaktpersonen von Erkrankten oder Verdachtspersonen anordnen. Wichtig sei, die Krankheitskette bei Ausbruch zurückzuverfolgen, nur so könne das Virus eingedämmt werden. Das mittelmärkische Gesundheitsamt berät jedoch nicht zu einzelnen Erkrankungen, hierfür sei der ambulante Bereich der Gesundheitsversorgung zuständig. Der Kreis verweist daher auf die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg. 

Könnten Kitas und Schulen geschlossen werden? 

Das müsste laut Kreisverwaltung im Einzelfall entschieden werden. Der Landrat würde in solch einem Fall eine Allgemeinverfügung zur Schließung von öffentlichen Einrichtungen erlassen. 

Was passiert jetzt in Schulen und Kitas?

Corona-Fälle müssen gemeldet werden. Alles weitere, so heißt es aus der Kreisverwaltung, obliege den Trägern der Einrichtungen. Das sind in der Mittelmark meist die Kommunen. Etliche von ihnen haben bereits Vorkehrungen zum Schutz getroffen. So hat Stahnsdorf seinen Reinigungsdienst in den Kitas und Schulen bis auf weiteres angewiesen, Wascharmaturen, Türklinken, Geländer, Handläufe und Lichtschalter zu desinfizieren. In den Erwachsenentoiletten an Kitas und Schulen sowie im Gemeindezentrum stehe Desinfektionsmittel bereit. 

In den Toiletten der Kinder und Jugendlichen gibt es das nicht, da „ein ordnungsgemäßer Umgang von Kleinkindern mit derartigen Chemikalien nicht gewährleistet und überprüft werden kann“, so Gemeindesprecher Stephan Reitzig. Das sei so mit den Kitaleitungen entschieden worden und auch Thema von Schulkonferenzen gewesen. In Kleinmachnow werden in den Kitas aktuell Notfallpläne oder Handlungsempfehlungen vom Gesundheitsamt erwartet, in den Kitas in Michendorf wurde vorsorglich der Vorrat an Desinfektionsmitteln aufgestockt. Viele Kommunen stehen derzeit zudem eng in Kontakt mit dem Gesundheitsamt. 

Wie gehen Seniorenheime mit der Lage um?

Auf Anfrage konnten am Donnerstag zunächst einige Einrichtungen kurzfristig nicht antworten, ob und wie sie ihre Bewohner schützen. Lediglich das Augustinum Kleinmachnow gab an, durch bereits bestehende Hygiene- und Notfallpläne auf virale Erkrankungen vorbereitet zu sein. Eine regelmäßige virenwirksame Händedesinfektion der Mitarbeiter sei wegen der laufenden Grippesaison ohnehin schon in Kraft, so Augustinum-Sprecher Matthias Steiner. Die Bewohner wurden zudem über weitere Hygienemaßnahmen informiert. Ältere Menschen sind derzeit bei Infektionen besonders stark betroffen. 

Welche weiteren Auswirkungen auf das öffentliche Leben gibt es bisher?

Mit 800 Plätzen ist das „Shi Shan“ in Teltow eines der größten Chinarestaurants in Brandenburg. Seit ein paar Wochen habe man deutlich weniger Gäste, sagte Oberkellner Fujie Zhu auf Anfrage. Er glaubt, dass die Angst vor einer Erkrankung Gäste davon abhalte, das Restaurant zu besuchen. Zu spüren bekommt das auch das Chinarestaurant „Kaiserpagode“ in Stahnsdorf mit 180 Plätzen. Seit etwa drei Tagen kämen nur noch halb so viele Gäste wie normalerweise, sagte ein Mitarbeiter am Donnerstag. 


Teltow pflegt zudem seit zwei Jahren eine Städtepartnerschaft mit der chinesischen Stadt Rudong. Rudong ist rund 800 Kilometer von der Metropole Wuhan entfernt, in der die Mehrzahl der weltweit Betroffenen erkrankte. Eigentlich war geplant, dass eine chinesische Delegation demnächst nach Teltow kommen sollte. Da es derzeit jedoch noch keinen Termin für einen Besuch gibt, sei auch unklar, ob die Delegation tatsächlich reisen werde, teilte die Teltower Stadtverwaltung mit.

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