Apfelernte in Potsdam-Mittelmark : Ein Drittel mehr Äpfel

Die Apfelernte in der Mittelmark hat offiziell begonnen. Der Ertrag der Obstbauern liegt weit über dem Durchschnitt. Das könnte sich auf die Preise auswirken. 

Fleißig am Pflücken. In Brandenburg sollen dieses Jahr voraussichtlich 30 100 Tonnen Äpfel von den Bäumen gepflückt werden.
Fleißig am Pflücken. In Brandenburg sollen dieses Jahr voraussichtlich 30 100 Tonnen Äpfel von den Bäumen gepflückt werden.Foto: Patrick Pleul/dpa

Plessow - Saftige hellgrüne Delbarestivale mit zartrosanen Bäckchen oder kräftig rotgefärbte, leicht säuerliche Santana: Im Hofladen von Obstbauer Stefan Lindicke am Plessower Eck in Werder (Havel) liegen schon die ersten Äpfel der Saison in den Kisten. Die Apfelernte hat wegen des Rekordsommers in diesem Jahr zwei Wochen früher begonnen als üblich.

„Im Grunde genommen haben wir schon Anfang August mit der Ernte der Frühäpfel angefangen, die keine lange Lagerzeit brauchen und schnell verbraucht werden müssen“, sagt Stefan Lindicke. Die Ernte der Lagerapfelsorten, die bis in das nächste Frühjahr halten, habe sein Betrieb vergangene Woche gestartet. Für die Obstbauern wie Lindicke sieht es gut aus. „Die Ernte ist deutlich besser als im vergangenen Jahr, wenn man sich die Plantagen und Gärten ansieht. Die Bäume hängen alle voll.“

Brandenburg erwartet zweithöchsten Apfelertrag seit 1991

Das bestätigt auch das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Nach den ersten vorläufigen Berichten im August rechnet das Amt in Brandenburg mit einer Erntemenge von 30 100 Tonnen. Das seien rund ein Drittel mehr als 2017. Rund 335 Dezitonnen pro Hektar könnten es in diesem Jahr werden und damit nach 2016 der zweithöchste Apfelertrag in Brandenburg seit 1991.

Wie viel sein Betrieb in diesem Jahr von seinen knapp 20 Apfelsorten genau ernten wird und wie die Qualität des Geschmacks der Äpfel ausfalle, könne Lindicke derzeit aber noch nicht abschätzen. „Wir hatten mit der langanhaltenden Trockenheit zu kämpfen. Unsere Obstbauflächen können wir zwar bewässern, dennoch hatten wir ein paar Probleme bei der Fruchtgröße“, so Lindicke. Einige Apfelsorten seien kleiner als sonst. Doch allgemein sei die Fruchtqualität in einem guten Zustand. Nur manchmal sei die Färbung der Früchte nicht so wie gewünscht. Dafür hätte es zu den warmen Tagen auch kältere Nächte gebraucht, erklärt Lindicke. Erst dann entwickelten die Äpfel die rote Farbe.

Prall gefüllte Bäume. Brandenburgs Apfelanbauer erwarten im Vergleich zum verlustreichen vergangenen Jahr eine sehr gute Ernte. 
Prall gefüllte Bäume. Brandenburgs Apfelanbauer erwarten im Vergleich zum verlustreichen vergangenen Jahr eine sehr gute Ernte. Foto: Patrick Pleul/dpa

Menge dürfte Preis nach unten treiben

Die Verluste aus dem vergangenen Jahr kann man mit der guten Ernte nicht wieder wettmachen, wie Lindicke erklärt. 2017 hatten Frühjahrsfröste immense Schäden in den Obstanbaugebieten verursacht. Einige Bauern hatten allein bei Äpfeln Verluste von 50 bis 70 Prozent zu beklagen. Die diesjährige Menge an Äpfeln dürfte außerdem den Preis nach unten treiben, wie Lindicke erklärt. „Es gibt bereits Indizien, dass der Preis unter Druck geraten wird.“ Den würde der Handel bestimmen. „Wir müssen die Preise annehmen und hoffen, dass die Kunden wenigstens regionale Produkte kaufen.“ Im Hofladen kostet das Kilogramm 1,90 Euro, ab fünf Kilo sind es 1,70 Euro.

Für die nächsten Jahre hofft Lindicke von Wetterextremen, egal ob Hitze, immensen Regenmassen oder langem Frost, verschont zu bleiben. „Wir brauchen ein gemäßigtes Klima mit abwechselnden Wärme- und Kälteperioden, Regen und Trockenheit, wie wir es in diesen Breitengraden eigentlich gewohnt sind.“ Zwar kann sein Betrieb die Plantagen bewässern, doch wegen der langanhaltenden Trockenheit sei das in diesem Jahr kostenintensiv gewesen. „So eine lange Trockenheit über mehrere Jahre würden wir nur schwer bewältigen können.“

Äpfel und Birnen zum selber pflücken

Wer sich Äpfel und Birnen selbst vom Baum pflücken möchte, kann am Wochenende bei Lindicke vorbeischauen. Samstags und sonntags ist von 9 bis 18 Uhr die Plantage in der Gartenstraße/Ecke Mittelweg in Glindow geöffnet. Das Kilo Äpfel kostet dabei 1,50 Euro. Wer mindestens 20 Kilo pflückt, zahlt 30 Cent weniger.

Frische Äpfel gibt es auch beim Apfelfest auf dem Frischemarkt am Werderaner Strengfeld am Samstag von 9 bis 14 Uhr