Anbindung an Berlin : Absage an Teltower S-Bahn-Ausbau

Mehr Fahrgäste in der S 25 – aber wegen guter Buslinien wird die Strecke nicht bis Stahnsdorf verlängert

Tobias Reichelt
Alles aussteigen bitte! Geht es nach dem VBB soll der S-Bahnhof in Teltow weiter Endhaltestelle bleiben.
Alles aussteigen bitte! Geht es nach dem VBB soll der S-Bahnhof in Teltow weiter Endhaltestelle bleiben.Foto: dapd

Region Teltow - Die gute Nachricht: Die S-Bahn Linie 25 nach Teltow wird immer beliebter. Die schlechte: Eine Verlängerung der Gleise bis nach Stahnsdorf soll es trotzdem nicht geben. Der Verkehrsverbund Berlin Brandenburg (VBB) hat dem Ausbau der Strecke erneut eine Absage erteilt. Statt auf eine Verlängerung der Bahnlinie setze man in der Region Teltow auf Busse. Das gelte auch für die Zukunft und unabhängig davon, wie gut sich die Zahlen der S-Bahn weiterentwickelten, sagte Verbundssprecherin Brigitta Köttel den PNN auf Anfrage.

Zwar seien die Fahrgastzahlen im vergangenen Jahr für die Teltower Linie – wie im gesamten S-Bahn-Netz – gestiegen. Weiterhin gelte aber, dass ein Ausbau anderer Strecken wichtiger sei, sagte Köttel, zumal in der Region Teltow das vor zwei Jahren eingeführte TKS-Buskonzept sehr gut angenommen wurde. Mit Geld aus den Kommunen und dem Kreis sind seitdem deutlich mehr Busse auf neuen Strecken unterwegs (PNN berichteten). Es gebe also keinen Grund, die S-25 zu verlängern, so Köttel.

Das ausgefeilte Buskonzept für Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf könne die Anwohner besser mit öffentlichem Nahverkehr versorgen als eine verlängerte S-Bahn, da die Busse bis in die Wohngebiete hineinfahren könnten. Ein Ausbau der Teltower Linie sei nicht im Landesnahverkehrsplan vorgesehen, auch die finanziellen Mittel sind nicht in Sicht. Wie gut sich die Fahrgastzahlen für die Teltower Bahnlinie im Detail entwickelt haben, will der VBB in etwa drei Wochen mitteilen, so Köttel.

In der Region trifft die Absage auf Kopfschütteln. Jens Klocksin, SPD-Politiker und Chef der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft „Der Teltow“ (KAT), spricht von einer „außergewöhnlichen Argumentation“ – und reagiert bitter: „Dann können wir das Busnetz bis Berlin ausweiten und im Gegenzug die Teltower S-Bahn einstampfen.“ Jahrelang hatte er auf eine Verlängerung der Linie bei steigenden Fahrgastzahlen gesetzt. Gerade deshalb wurde das TKS-Buskonzept auf den Weg gebracht. Der S-Bahnhof Teltow wurde zum zentralen Umsteigepunkt. Neun Buslinien treffen hier aufeinander, alle sind auf den Takt der S 25 abgestimmt.

Das Busangebot sei attraktiv und werde genutzt, sagt Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (BfB). Er sieht darin jedoch kein Argument gegen eine S-Bahn-Verlängerung. „Die Leute sind bereit, sich mit Bus und Bahn fortzubewegen“, so Albers. Eine verlängerte S-Bahn könnte den Trend verstärken. Albers hat ein weiteres Argument: Bereits heute leben knapp 70 000 Menschen in der Region Teltow. In 30 Jahren könnten es knapp 100 000 sein. Perspektivisch wurde deshalb in Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow Trassen für Bahn-Verlängerungen freigehalten. „Ich bin mir sicher, die S-Bahn kommt. Die Frage ist, wann“, so Albers.

Auch Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) sieht Potenzial in einer verlängerten S-Bahn. Das öffentliche Nahverkehrsangebot in der Region würde davon profitieren. „Wir sehen die Anbindung der Gemeinde Stahnsdorf an das S-Bahn-Netz als konsequente Fortführung der bisher in Teltow endenden Streckenführung an“, so Schmidt.

Die Teltower mussten 43 Jahre auf die S-Bahn-Anbindung warten, bis im Februar 2005 der Bahnhof „Teltow Stadt“ und der Streckenabschnitt bis Lichterfelde-Süd in Betrieb genommen wurde. 25 Minuten Fahrzeit bis zum Potsdamer Platz sollten die Fahrgäste locken. Doch die Verbindung blieb lange hinter den anvisierten Fahrgastzahlen von täglich 10 000 Passagieren zurück. So stiegen im Jahr 2011 nur 3 200 Menschen täglich in Teltow ein und aus. Die Bahn reagierte und führte den besseren 10-Minuten-Takt ein. Seitdem steigen die Fahrgastzahlen.

Sie werden weiter steigen, prognostiziert Jens Klocksin. „Natürlich lohnt es sich, die Bahn auszubauen.“ Schon jetzt lebten zahlreiche Pendler in der Region, die noch mit Auto zur Arbeit fahren. Der Benzinpreis werde steigen, damit auch der Druck, die Bahnverbindungen auszubauen. In den vergangenen acht Jahren hätten sich die Nachbarkommunen bereits dreimal beim Land Brandenburg für bessere Schienenanbindungen starkgemacht – in Potsdam habe das niemand ernst genommen.