• Analyse zur Landratswahl in Potsdam-Mittelmark: Eine politische Premiere mit Hindernissen

Analyse zur Landratswahl in Potsdam-Mittelmark : Eine politische Premiere mit Hindernissen

Am Sonntag wird erstmalig der neue Landrat Potsdam-Mittelmarks von den Bürgern direkt gewählt. Einen Sieger wird es dann aber wahrscheinlich noch nicht geben.

Wer macht das Rennen in Potsdam-Mittelmark?
Wer macht das Rennen in Potsdam-Mittelmark?Foto: dpa

Es wird eine spannende Premiere: Am Sonntag sind die Mittelmärker erstmals aufgerufen, in direkter Wahl ihren neuen Landrat zu bestimmen. Fünf Kandidaten stellen sich zur Wahl: Amtsinhaber Wolfgang Blasig (SPD), Franz Herbert Schäfer (CDU), Klaus-Jürgen Warnick (Linke), Andreas Schramm (Piraten) und Sven Schröder (AfD). Es ist jedoch fraglich, ob am Wahlabend überhaupt feststehen wird, wer von ihnen den Posten im Landratsamt in der Bad Belziger Niemöllerstraße besetzt.

Amtierender Landrat Blasig hat gute Chancen

Denn: Laut Wahlgesetz muss der Sieger mindestens 15 Prozent der Stimmen aller Wahlberechtigten auf sich vereinen. Das bedeutet, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen von mehr als 26 000 Mittelmärkern gewählt worden sein muss, um im ersten Wahlgang Landrat zu werden und eine Stichwahl am 9. Oktober zu verhindern. Die größten Chancen hat sicher Wolfgang Blasig, der amtierende Landrat. In seiner nun endenden ersten Amtszeit hat sich Potsdam-Mittelmark zum wirtschaftlich wohl stärksten Landkreis in Brandenburg entwickelt. Im August dieses Jahres lag die Arbeitslosenquote laut Bundesagentur für Arbeit bei gerade einmal 5,7 Prozent.

Doch Blasig, früher Bürgermeister von Kleinmachnow, wird es schwer haben, die Stimmen seiner Heimatgemeinde auf sich zu vereinen. Von dort stammen auch Klaus-Jürgen Warnick, seit 1998 Mitglied der Kleinmachnower Gemeindevertretung und seit 2008 im Kreistag, sowie Andreas Schramm. Der Linke Warnick gilt vielen als politisches Urgestein, Pirat Schramm könnte mit seinem unkonventionellem „Teddybären-Wahlkampf“ zumindest bei den Jugendlichen punkten – und gewählt werden darf am Sonntag ab einem Alter von 16 Jahren.

Franz Herbert Schäfer ist der größte Konkurrent von Blasig

Nicht unterschätzen werden sollte CDU-Kandidat Franz Herbert Schäfer, der größte Konkurrent Blasigs. Kommt es zur Stichwahl, wird aller Wahrscheinlichkeit nach Schäfer gegen Blasig antreten. In seiner Heimatgemeinde Groß Kreutz (Havel) ist Schäfer als gradliniger Politiker bekannt, seit Jahren ist er Vorsitzender der dortigen Gemeindevertretung. Im Wahlkampf hat er sich Unterstützung aus den Nachbarkommunen Werder (Havel), Schwielowsee und Michendorf geholt: Auf den großen Wahlplakaten steht er in einer Runde mit den dortigen CDU-Bürgermeistern, will Einigkeit in der Region demonstrieren.

Überhaupt ist die ländliche Mittelmark mit dem schon immer CDU-regierten Werder (Havel) kein schlechtes Pflaster für die Christdemokraten. Bei der Kreistagswahl im Jahr 2014, der letzten vergleichbaren Wahl, erhielt die CDU 28,3 Prozent der Stimmen und damit 0,6 Prozent mehr als die in Brandenburg seit der politischen Wende regierende SPD.

Schröder (AfD): Flüchtlingskinder sollen nicht auf Regel-Schulen gehen

Als Indikator für die Stimmung im Landkreis wird das Ergebnis des AfD-Kandidaten Sven Schröder gewertet werden. Er versuchte im Wahlkampf, sich als Konservativer mit Gestaltungskraft darzustellen. Als erklärter Windkraftgegner könnte er vor allem um seine Heimatregion Borkheide-Beelitz-Bliesendorf herum Stimmen sammeln. Dass er einst Mitglied der als rechtsextrem geltenden Kleinstpartei „Bürgerbewegung pro Deutschland“ war, gibt er ungern zu. Auf Wahlkampfveranstaltungen fordert er aber unter anderem, Kinder von Asylbewerbern vom Besuch einer Regelschule auszuschließen.

Außerdem hob Schröder auf ein Thema ab, das für viele Mittelmärker eine Rolle spielte: die umstrittene Schließung der Geburtsstation der Klinik Bad Belzig im April 2015. Das kommunale Potsdamer „Ernst von Bergmann“-Klinikum, dem die Bad Belziger Klinik mehrheitlich gehört, setzte die Schließung gegen Widerstände durch, auch Ministerin Diana Golze (Linke) und Landrat Blasig unterstützten dies. Ob die Schließung wirtschaftlich betrachtet nötig war, sei dahingestellt – politisch war sie für den ohnehin schwächeren Süden und Westen des Kreises, der sich abgehängt fühlt, ein fatales Signal. Ausnahmslos alle Kandidaten haben deshalb im Wahlkampf auch versprochen, sich für eine Stärkung des ländlichen Raums einzusetzen.

 

Lesen Sie weiter - die Kandidaten im Überblick:

"Der ländliche Bereich wird abgehängt" - Andreas Schramm (Piraten) >>

"Politik hat einseitig unterstützt" - Sven Schröder (AfD) >>

"Spielräume neu ausloten" - Klaus-Jürgen Warnick (Linke) >>

"Landrat aus Leidenschaft" - Wolfgang Blasig (SPD) >>

"Gesicht zeigen, wenn es brennt“ - Franz Herbert Schäfer (CDU) >>

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