Ärger mit öffentlichem Nahverkehr : Immer zu spät zum Unterricht?

Eine Mutter beklagt schlechte Busverbindungen am frühen Morgen nach Potsdam. Wildenbrucher Schulkinder müssten zudem morgens kilometerweit radeln, um die Bushaltestelle zu erreichen.

Zur Schule radeln: Nicht jeder Schüler sieht dabei so glücklich aus. Viele müssen weite Wege zurücklegen. 
Zur Schule radeln: Nicht jeder Schüler sieht dabei so glücklich aus. Viele müssen weite Wege zurücklegen. Foto: Manfred Thomas

Wildenbruch - Dreieinhalb Kilometer radeln, um den Bus zur Schule zu bekommen – kann man das einer Zwölfjährigen zumuten? So sieht jedenfalls den Schilderungen der Mutter zufolge derzeit der Alltag einer Schülerin aus Wildenbruch aus, die das Potsdamer Helmholtz-Gymnasium besucht. Die Mutter, die nicht namentlich genannt werden möchte, wandte sich in einer Protestmail an die PNN, nachdem ihre Tochter am Montagmorgen zudem nicht mehr in einen überfüllten Bus gekommen sei.

Am Montag musste die Zwölfjährige, die in die siebte Klasse geht, erst zur zweiten Stunde in der Schule sein und wollte den Bus um 7.17 Uhr ab Wildenbruch nehmen. „Der war jedoch so voll, dass sie nicht mehr reingekommen ist“, so die Mutter gegenüber den PNN. Sie habe ihre Tochter und ein weiteres Mädchen dann mit dem Auto nach Potsdam fahren müssen.

Der Bus fährt zu spät ab, Anschlüsse werden verpasst

Zum Schulbeginn zur ersten Stunde, der am Helmholtz-Gymnasium bereits um 7.45 ist, könne die Tochter mit den Bussen aus Wildenbruch ohnehin grundsätzlich nicht fahren. Zwar gibt es eine Verbindung, mit der sie theoretisch eine Minute vor Schulbeginn am Nauener Tor in Potsdam wäre. Da der Bus aus Michendorf aber immer zu spät komme, verpasse die Tochter den Anschluss an die Straßenbahn und komme erst fünf Minuten nach Unterrichtsbeginn an. Deshalb sei sie in den vergangenen Wochen mit zwei Mitschülern dreieinhalb Kilometer von Wilhelmshorst nach Langerwisch geradelt, um dort einen Bus zu erreichen, mit dem sie pünktlich an der Schule ist. Doch die Strecke ist unbeleuchtet und sei der Tochter daher im Winter nicht zuzumuten. „Wie soll meine Tochter da noch ihre Schulpflicht erfüllen können?“, fragt die Mutter. Auf ihr Schreiben hin hat die Familie von Regiobus eine Route mit Umsteigen in Michendorf vorgeschlagen bekommen. Ob so ein pünktliches Ankommen gewährleistet wird, konnte die Mutter am Dienstag aber nicht abschätzen.

Schulleitung: Eltern müssen sich schon vor der Schulwahl informieren

Zwar hat auch Michendorf ein Gymnasium, doch die Tochter sollte bilingualen Unterricht besuchen, der nur am Helmholtz-Gymnasium angeboten werde. Bei der Schulwahl sei die Mutter allerdings davon ausgegangen, dass der Unterricht um acht Uhr beginnt und so per Bus erreichbar sei. Die Schulleiterin des Helmholtz-Gymnasiums, Grit Steinbach, appellierte gegenüber den PNN am Dienstag noch einmal an die Eltern, sich vor der Anmeldung der Kinder zu informieren, ob die Schule auch wirklich erreichbar ist. „Wir informieren die Eltern sehr früh, dass der Unterricht um 7.45 Uhr beginnt.“ Wenn nur wegen Baustellen auf absehbare Zeit Verspätungen von fünf Minuten entstünden, sei das tolerabel. Dauerhaft könne dies aber nicht akzeptiert werden. Die beste Lösung wäre, so Steinbach, wenn die Eltern der nach ihrer Auskunft wenigen betroffenen Schülern selbst einen Fahrdienst organisieren würden oder die Busse wenige Minuten früher fahren könnten. Das ist laut Regiobus-Sprecherin Anette Lang aber nicht so einfach möglich, da die Busse mit vielen anderen Linien und Schulen vernetzt seien. Auch Verspätungen seien auf der viel befahrenen Strecke Potsdam-Michendorf nicht immer zu vermeiden. Lang ist aber zuversichtlich, dass die vom Unternehmen vorgeschlagene Route mit Umsteigen in Michendorf funktioniert.