• Acker soll zu Wohngebiet werden: Planer will 170 neue Wohnungen in Stahnsdorf bauen

Acker soll zu Wohngebiet werden : Planer will 170 neue Wohnungen in Stahnsdorf bauen

Noch sind die 50.000 Quadratmeter in Stahnsdorf Ackerland. Dort könnten 20 Einfamilienhäuser und 150 Wohnungen in Mehrgeschossern entstehen. Auch günstige Wohnungen für acht Euro kalt sind geplant.

Enrico Bellin
Die fast rechteckige Ackerfläche an der Sputendorfer Straße (o.l.) soll bebaut werden.
Die fast rechteckige Ackerfläche an der Sputendorfer Straße (o.l.) soll bebaut werden.Foto: Lutz Hannemann

Stahnsdorf - 50.000 Quadratmeter Acker, umringt von Wohnhäusern: Auf dem Luftbild mutet die kahle Fläche an der Sputendorfer Straße in Stahnsdorf wie ein großes Loch im Gemeindebild an. Der Stahnsdorfer Alfons König hat das Areal gekauft und möchte es mit seiner Projektentwicklungsfirma König & Malon mit etwa 20 Einfamilienhäusern sowie 150 Wohnungen in viergeschossigen Gebäuden bebauen. 50 bis 60 der Wohnungen sollen zu sozialverträglichen Mieten von etwa acht Euro kalt pro Quadratmeter vermietet werden. Die genauen Zahlen sollen in den nächsten Wochen mit den Gemeindevertretern abgestimmt werden. „Mein Sohn findet in Stahnsdorf derzeit keine Wohnung. Auch ältere Menschen, die aus dem Eigenheim in eine schöne Wohnung wollen, haben es schwer“, beschrieb König am Donnerstag gegenüber den PNN seine Motivation. Etwa 50 Millionen Euro sollen investiert werden. Auch eine Kita könnte auf der Fläche entstehen. Noch bis 2020 ist sie an die Agro Saarmund verpachtet, der Vertrag verlängert sich ab dann jährlich, so König.

Alfons König will in Stahnsdorf den Acker zum Wohnquartier machen.
Alfons König will in Stahnsdorf den Acker zum Wohnquartier machen.Foto: Andreas Klaer


Zum Verwaltungssitz in der Annastraße sowie zum Edeka und zum Netto-Markt sind es nur etwa 200 Meter. Sollte die S-Bahn nach Stahnsdorf gebaut werden, wäre der S-Bahnhof nur rund einen Kilometer entfernt. Auch mit dem Auto wäre die Fläche über die derzeit im Bau befindliche neue Landesstraße 77 gut zu erreichen, ohne dass Autofahrer erst ins Ortszentrum müssen. 400 bis 500 Menschen könnten König zufolge einmal auf dem Areal wohnen. Seine Pläne hat er am Dienstagabend im Bauausschuss der Gemeinde vorgestellt, wo sie laut der Vorsitzenden Ruth Bartels (Bürger für Bürger) positiv aufgenommen wurden.

Die Eigenheime sollen Wohnungen gegenfinanzieren

König, der in Potsdam bereits Projekte am Horstweg und in Bornstedt entwickelt hat, stellt sich eine Bebauung so vor: Die Gewinne, die aus der Vermietung oder dem Verkauf der Eigenheime eingenommen werden, sollen zusammen mit einer Förderung der Investitionsbank ILB die Baukosten für die Mehrgeschosser senken und dort so günstige Wohnungen ermöglichen. Vorgespräche mit der ILB seien positiv verlaufen, „sie haben mir bereits Unterstützung zugesagt“, so König.
Seinen Plänen zufolge würden etwa 40 Prozent der Fläche bebaut, die restlichen 60 Prozent würden als parkähnliche Landschaft mit Rasen, Bäumen und Sträuchern entwickelt. So soll im östlichen Bereich von der Sputendorfer Straße bis zum Wald ein 15 Meter breiter Grünstreifen bleiben. Auch die 8000 Quadratmeter Wald, die an das Grundstück anschließen und ebenfalls König gehören, sollen erhalten bleiben. „Für diese Bebauung muss kein Baum gefällt werden“, betont der Stahnsdorfer. Im Gegenteil: Auf dem jetzigen Acker würden noch Bäume gepflanzt.

Noch ist das Areal als Acker ausgewiesen

Ein Problem gibt es jedoch: Im aktuellen Flächennutzungsplan ist das Areal als Ackerfläche ausgewiesen, obwohl es im 2010 erstellten Standortentwicklungskonzept als Wohnfläche markiert worden ist. Das Konzept ist dem Flächennutzungsplan übergeordnet. Auch müsste noch ein Bebauungsplan erstellt werden. Da die Fläche im Innenbereich liegt, ist dafür aber ein beschleunigtes Verfahren möglich. König rechnet damit, dass nach dem Abschluss der Gespräche mit den Gemeindevertretern in zwei bis drei Jahren Baubeginn sein könnte.
Auch die Bauausschussvorsitzende Barthels geht davon aus, dass nach den Gesprächen mit König zügig gebaut werden kann. Sie lobt die Zusammenarbeit zwischen Entwickler und Gemeindevertretern. „Wir können mit ihm zusammen gestalten“, so Barthels. So könne man etwa noch über Mehrgenerationenhäuser auf dem Areal verhandeln, für die es in Stahnsdorf bisher keine Flächen gebe. „Junge Leute müssen ja derzeit nach der Schule oft weg, auch wenn sie in Potsdam oder Berlin studieren. Dabei könnten sie dafür auch in Stahnsdorf wohnen bleiben“, sagt die Ausschussvorsitzende. Vor zwei Jahren hatten die Stadtverordneten noch gegen eine Bebauung der Fläche gestimmt. Inzwischen sähen die meisten aber ein, dass man zusätzlichen Wohnraum auch für Stahnsdorfer braucht.